| Interlaken / Der Saaser
Oswald Zurbriggen ist seit über einem Jahr Geschäftsführer
der Mystery Park AG. Der Fantasy-Park, welcher an diesem Samstag, den 24.
Mai 2003 eröffnet wird, soll einer der anziehendsten und speziellsten
Vergnügungsparks in Europa werden. 86 Millionen Franken Baukosten,
viel Knowhow, Phantasie und Liebe zum Detail versprechen ein ganz spezielles
Vergnügen für Jung und Alt. Zurbriggen: Wir wollen einen
multimedialen Park und ein Erlebnis bieten. Der 46jährige Saaser
erzählt von seinen Erfahrungen mit den Mysterien der Welt in seinem
Mystery Park und fügt hinzu: Wir wollen keine Antworten geben,
sondern Fragen stellen, die Leute neugierig machen.
Von Ruth Seeholzer und Walter Bellwald
Sie befinden sich in der Zielgeraden auf die Eröffnung des Mystery
Parks hin. Haben Sie alles im Griff?
Im Griff haben wir es eigentlich schon, aber in den letzten Wochen
mussten wir Tag und Nacht arbeiten. Am Eröffnungsdatum wird aber
nicht mehr gerüttelt. Morgen Freitag, den 23. Mai, haben wir bereits
zwei Events. Am Morgen den Medienevent mit über 150 Journalisten
und zehn Fernsehstationen und am Nachmittag kommen rund 1200 geladene
Personen aus Politik, Wirtschaft und Tourismus. Da muss natürlich
alles laufen.
Die Eröffnung musste trotzdem schon einmal um ein halbes Jahr
verschoben werden. Was waren die Gründe?
Der Grund war die Finanzierung als solche. Bedingt durch den Einbruch
der New Economy vor über einem Jahr, die schrecklichen Dinge vom
11. September und das Swissair-Grounding war es extrem schwierig, Investoren
zu finden, die in die Zukunft schauen und die Zukunft sehen, die risikofreudig
und investitionsfreudig sind. Zudem war die Expo.02 mit ihren ständigen
Geldproblemen zum damaligen Zeitpunkt für uns auch nicht unbedingt
förderlich. All dies zusammen hat doch eine gewisse Bauverzögerung
verursacht. Es gab aber nie einen Bauunterbruch. Wir haben bloss mit reduzierter
Kraft gearbeitet, bis wir sicher sein konnten, dass das Geld da ist.
Das ambitiöse Projekt erntete in den letzten Jahren neben
viel Lob auch immer wieder Häme und Kritik. Warum?
Ich glaube, das ist einfach ein Phänomen, welches beim Schweizer
grundsätzlich immer wieder anzutreffen ist. Erstens ist Erich von
Däniken ein Prophet im eigenen Land und dementsprechend in der Schweiz
nicht so gut angesehen wie im Ausland. Er polarisiert sehr stark. Es gibt
nur Pro oder Contra und sonst nichts. Und so war auch die Meinung zum
Projekt. Viele Leute haben zuerst gesagt, es sei schlecht, das passe nicht,
bis sie mit der Zeit gemerkt haben, welche Wertschöpfung das Projekt
in der Region auslösen kann. Von dem Zeitpunkt an ist aber alles
extrem schnell gegangen.
Hängen die Anlaufschwierigkeiten nicht auch mit der Tatsache
zusammen, dass Erich von Däniken von vielen Leuten als Spinner bezeichnet
wird oder wurde?
Erich von Däniken ist in dem Sinn schon ein Spinner, ein Fantast.
Er sagt auch immer: Es sind die Fantasten, die die Welt verändern
und nicht die Erbsenzähler. Und wenn man sich das Projekt heute ansieht,
dann muss man sagen: So etwas macht kein durchschnittlicher Mensch, so
was kann nur einer machen, der spinnt.
Warum wurde der Mystery Park ausgerechnet im Berner Oberland gebaut?
Erich von Däniken hatte seinen Standort in Beatenberg. Er hatte
schon immer von einem Museum geträumt, um die Rätsel der Welt
darzustellen. Als er 1997 die Projektstudie, quasi die Machbarkeitsstudie,
in Auftrag gab, hat zur gleichen Zeit das VBS eine sogenannte Nutzungsstudie
von seinem Gelände hier in Interlaken gemacht. Hier war ein alter
Militärflugplatz, der durch das Armeeleitbild 1995 quasi ausgemustert
worden ist. Diese beiden Parteien haben zur gleichen Zeit etwas gesucht.
Und sie haben sich relativ schnell gefunden. Zudem ist Interlaken touristisch
sehr gut gelegen. Die Jungfrauregion ist international bekannt. Und von
Luzern, Basel und auch vom Wallis ist man sehr schnell da.
Sind sie eher auf die einheimischen oder auswärtigen Gäste
fixiert?
Wir wollen ganz klar die Nummer eins unter den Schweizer Freizeitparks
werden. Das müssen wir schaffen. Und parallel dazu fängt der
Marketingchef jetzt an, die Jungfrauregion nach aussen zu verkaufen. Da
kommen Asien, Deutschland, Amerika und England dran. Bis das läuft,
dauert es zwei, drei Jahre. Und so wie dann die Schweizer abbauen, kommen
langsam mehr Ausländer.
Sie haben die Zusammenarbeit mit der Jungfrauregion erwähnt.
Gibt es auch andere Zusammenarbeiten mit touristischen Regionen oder mit
Schweiz Tourismus?
Schweiz Tourismus ist ein sehr enger Partner, der mit unserem Projekt
im Ausland locker das Medieninteresse wecken kann. Aber man sollte sowieso
mehr und mehr anfangen, die Destination Schweiz als Ganzes zu verkaufen
und nicht jedes einzelne Kaff mit seinem eigenen Budget. Der Dörfli-Geist
ist halt immer noch in den Köpfen drin, aber es werden langsam Schritte
in die richtige Richtung gemacht, wie zum Beispiel im Saastal. Man muss
sich auftun, um mehr Power zu haben, damit man kämpfen kann gegen
die Grösseren.
Erzählen Sie uns ein wenig von den Attraktionen, die uns ab Samstag
im Mystery Park erwarten.
Wir haben sieben Themenpavillons. Da gibt es Vimana, das
ist ein indischer Begriff und bedeutet so etwas wie alte Raumschiffe.
Der zweite Themenpavillon heisst Orient. Da geht es in einem
ersten Schritt um die Pyramiden, um deren Entstehung und die weiteren
Rätsel darum herum. Dann haben wir Maya, wo es um die
ganze Kultur der Mayas von der mexikanischen Halbinsel Yukatan geht. Das
vierte Gebäude heisst MegaStones. Darin geht es um die
verschiedenen Funde von riesigen Steinen und Felsblöcken wie zum
Beispiel Stonehenge in Südengland. Man fragt sich, wie hat man die
gemacht, warum hat man die gemacht, wie hat man sie transportiert, was
wollte man bezwecken. Der nächste Themenpavillon heisst Contact.
Hier geht es um Begegnungen von unterzivilisierten mit technisch hoch
zivilisierten Völkern und was daraus entstanden ist. Ein weiterer
Themenpavillon ist Nazca. Es geht um die Scharrungen im Wüstensand
von Peru, kilometerlange Linien und riesige Tierbilder von 200 bis 300
Metern Länge, welche man aber nur aus der Luft erkennt. Da kommt
auch die Frage auf, weshalb vor Tausenden von Jahren Bilder gemacht wurden,
die man nur von der Luft aus sieht und nicht vom Boden aus, warum und
von wem sie gemacht wurden.
Im Mystery Park stellen Sie also Fragen und geben keine Antworten?
Richtig, sonst gäbe es keine Rätsel mehr (lacht). Das Motto
ist auch: Lernen, ohne dass man merkt, dass man etwas lernt. Wie andere
Themenparks auch wollen wir einen multimedialen Park und ein Erlebnis
bieten. Nur mit dem Unterschied, dass man hier mit dem Wissen raus geht,
dass tatsächlich etwas dahinter ist, und dem Bedürfnis, weiter
darüber nachzudenken. Wir versuchen, Fragen aufzuwerfen, die Neugier
zu wecken und das Forscher-Gen, das jeder Mensch hat, zu kitzeln und zu
entfalten.
Der Initiant, Erich von Däniken, ist bekannt als UFO-Papst und
Autor von zahlreichen Büchern über Ausserirdische. Werden im
Mystery Park UFOs landen?
Wohl kaum. Erich von Däniken ist auch wirklich kein UFO-Papst.
Er ist ein Mensch, der Sachen sieht, sie hinterfragt und Gegenthesen aufstellt
gegenüber den Wissenschaftlern. Plötzlich merken die Wissenschaftler,
dass ihre Thesen gar nicht so dingfest sind. Das provoziert natürlich.
Aber ich glaube, genau so soll es sein. Dass man in alten Legenden davon
spricht, dass ausserirdische Lehrmeister gekommen sind, ist eine Theorie,
an die Erich von Däniken glaubt und die er auch vertritt. Aber im
Mystery-Park vertreten wir das nicht. Jeder soll sich sein eigenes Bild
machen können und nicht dasjenige von Erich von Däniken. Das
wollen wir ganz klar trennen. Und dieser Schritt ist auch sehr wichtig,
sonst wäre es ein Däniken-Park.
Müssen Sie als Geschäftsführer des Mystery Parks auch
ein bisschen spinnen, an die Existenz von Ausserirdischen glauben?
Ich glaube nicht, dass man spinnen muss. Wenn man schon von spinnen
reden muss, dann in dem Sinn, dass man mit Feuer und Flamme begeistert
ist von der Idee und die Chance gekriegt hat, das Projekt mittragen und
mitgestalten zu dürfen. Aber ich selber schaue das einfach als mögliche
Theorie an. Ich meine, wenn man aus der ganzen Erziehung heraus die Religion
anschaut, dann reden wir von einem Gott und er ist ja allmächtig.
Daneben gibt es viele Gruppen, die von Göttern reden. Und ich glaube,
da muss sich einfach jeder selber sein Bild zurechtbiegen. Ich würde
nicht behaupten, es gibt hundertprozentig sicher Ausserirdische. Aber
bei der Grösse des Universums darf man es auf keinen Fall ausschliessen.
Und Gott als All-Mächtiger müsste dann auch Gott dieser Wesen
sein und damit seine wirkliche Grösse umso mehr zum Ausdruck bringen.
Was ist das Faszinierende an Ihrer Arbeit?
Es ist ein Projekt, das weltweit einzigartig ist. Und dieses Projekt
von Anfang an beeinflussen zu dürfen und das alles in die Welt hinaustragen
zu können ist natürlich schon etwas, was man vermutlich nur
einmal im Leben machen kann.
Und was ist mühsam?
Ich habe eigentlich so viel Freude, dass ich nichts Mühsames
sehe.
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