| Oberwallis / Seit dem
1. April 2003 hat sich in Sachen Motorrad-Ausweise einiges getan. So können
Autofahrer quasi prüfungsfrei Motorrad fahren mit gewissen Auflagen.
Das zeitigt bereits jetzt seine Folgen: Die Walliser Motorfahrzeugkontrolle
kommt den Gesuchen um Lehrpermis kaum nach.
Von Ruth Seeholzer
Stolz und mit Tränen in den Augen hielten wir ihn damals in den
Händen, den blauen Brief mit dem Eintrag A1 Motorräder
mit einem Hubraum bis 125 ccm. Vorbei waren die Tage des L
auf dem Buckel. Nun gehörten wir zur Gilde der echten Töfffahrer.
Bei Wind und Wetter kämpften wir die anstehenden zwei Jahre mit kleinem
Hubraum unerbittlich gegen Winterkälte und den Kontostand. Umso wichtiger
waren die ersten Auftritte vor den SchulkollegInnen mit unseren Wahnsinns-Bikes.
Aber Hand aufs Herz: Als (die meisten von uns) nach zwei Jahren auf die
Grosse umsteigen durften, waren wir doch erleichtert. Vorbei
die Tage der Zweitakter.
Beliebte Relikte
Seit dem 1. April können Besitzer des Autopermis nach Erhalt
eines Lernfahrausweises und Besuch der achtstündigen praktischen
Grundschulung bei einem Fahrlehrer offiziell auf 11 kW beschränkten
125-er Motorrädern fahren. Der ideale Weg also, um sich verhältnismässig
günstig und ohne nennenswerten Aufwand einen wendigen Flitzer anzueignen.
Edy Walther, Fahrlehrer aus Susten, kann diesen Trend nur bestätigen:
In den letzten sechs Wochen ist die Nachfrage nach diesen Kursen
frappant gestiegen.
Stau auf der Motorfahrzeugkontrolle
Auch die Kantonale Automobilkontrolle in Sitten kann ein Liedchen
von dem Anstieg singen. Sie seien in Rückstand geraten mit dem Ausstellen
der Lehrpermis für Motorräder, erklärt ein Angestellter
gegenüber der RZ. Der Run habe sie richtiggehend überrumpelt.
Eine weitere Neuregelung des Schweizerischen Strassenverkehrsgesetzes
besagt nämlich, dass alle, die über 25 Jahre alt sind und Motorrad
fahren wollen, nicht mehr zuerst zwei Jahre auf den Kleinen
üben müssen, sondern direkt einen Lernfahrausweis für die
Grossen beantragen können. Viele haben extra auf
diesen Tag gewartet, erklärt Edy Walther.
Bis jetzt keine steigende Tendenz
Für die Polizei ist es noch zu früh, eine erste Bilanz zur
neuen Verordnung im Strassenverkehrsgesetz zu ziehen. Bis jetzt
kann man noch nicht von einem Trend sprechen, meint Renato Kalbermatten,
Sprecher der Walliser Kantonspolizei. Denn die Töffsaison habe bei
uns noch gar nicht richtig angefangen. So lasst uns also noch eine
Weile die alten 125-er geniessen, mit ihrem Zweitakter-Bummern und der
ewig akuten Klemmergefahr. Denn diese werden wohl bald aus unserem Strassenbild
verschwinden.
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