| Bitsch / Ulrichen /
Das Projekt ist in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt, umso imposanter
sind seine Ausmasse: Die SBB und die Stromgesellschaft Atel wollen von Chippis
bis nach Ulrichen und über den Nufenen für rund 160 Millionen
Franken eine neue Hochspannungsleitung bauen. Bereits jetzt sorgt das Stromprojekt
für (politische) Hochspannung.
Von German Escher
Für das Gommer Teilstück (Kraftwerk Massaboden bis Ulrichen)
hat der Bundesrat das Vorprojekt bereits letztes Jahr gutgeheissen und
damit das Trassee der neuen Hochspannungsleitung festgelegt. Die
Wünsche der Gemeinden konnten weitgehend berücksichtigt werden,
erklärt Heinrich Zimmermann von der Atel Netz AG der RZ. Wohngebiete
und Bauzonen wurden gemieden. Weil später die heutige 250kV-Hochspannungsleitung
abgerissen werden soll, bringt das Projekt gegenüber heute gewisse
Verbesserungen, räumt auch Bernhard Imoberdorf, Geschäftsführer
der Region Goms, ein.
60 Meter hohe Masten im Wald
Doch aus Landschaftsschutzgründen sind gewisse Bedenken
auch aus Kreisen der Umweltschutzverbände unüberhörbar.
Der Grund: Die Hochspannungsleitung wird grössenteils durch den Wald
geführt. Weil hier die Wälder wichtige Schutzfunktionen haben,
sind Rodungen aber nicht möglich. Die Folge: Die Masten müssen
die Bäume bei weitem überragend. Und so sollen rund 60 Meter
hohe Masten in den Gommer Wald gestellt werden. Für Bernhard Imoberdorf
ist deshalb klar: Es handelt sich hier um eine Beeinträchtigung der
noch relativ intakten, feingegliederten alpinen Kulturlandschaft der Ferienregion
Goms. Seine Schlussfolgerung: Die dadurch verursachten regionalwirtschaftlichen
Einbussen sind durch die Leitungseigentümer abzugelten. Solche
Fragen würden erst später bei der Auflage des Baugesuchs geregelt,
erklärt Ingenieur Zimmermann der RZ. Laut Atel sind höchstens
zweckgebundene Zahlungen beispielsweise zugunsten der Forstwirtschaft
- und Kompensationen für den Umweltschutz denkbar, etwa für
die Durchquerung eines Auengebietes unterhalb Mörel. Der WWF Geschäftsführer
und frühere Förster Ralph Manz versichert gegenüber der
RZ: Wir werden das Projekt noch genau verfolgen. So stellt
er beispielsweise die Frage, ob man Hochspannungsleitungen heute nicht
unterirdisch bauen sollte. Nicht mehr rentabel, lautete dazu
der Kommentar des Atel-Fachmannes. Er schätzt, dass der unterirdische
Bau einer Hochspannungsleitung rund zehnmal teurer wird.
Brig-Visp: Trassee umstritten
Bis das eigentliche Baubewilligungsverfahren anläuft, dürfte
es noch Jahre dauern. Die Atel wird das Baugesuch erst einreichen, wenn
auch das Trassee des Abschnitts Bitsch-Chippis klar ist. Und davon ist
man noch weit entfernt, wie Heinrich Zimmermann gesteht: Die Linienführung
im Raum Brig-Visp ist nicht so einfach. Er geht davon aus, dass
das Vorprojekt auf Behördestufe wohl erst 2004 in die Vernehmlassung
kommt.
SBB-Provisorium durchs Goms
Doch Bauverzögerungen kann sich vor allem ein Partner nicht leisten:
die SBB. Die Bundesbahnen (siehe Kasten) benötigen bis zur Inbetriebnahme
der NEAT eine Stromverbindung ins Tessin. Der Termin 2008 sei nicht einzuhalten,
gesteht die federführende Atel bereits heute. Die Folge: Man will
deshalb die heute bestehende Hochspannungsleitung Massaboden bis Ulrichen
mit zwei weiteren Übertragungskabeln nachrüsten. Bliebe noch
die Passüberquerung. Der Abschnitt Ulrichen-All`Acqua ist bereits
bewilligt. Mit den Vorarbeiten will man noch in diesem Jahr beginnen.
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