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Blatten / Die Bergbahnbranche hat zu kämpfen. Grund genug für
die RZ, im Vorfeld der Jahresversammlung der Walliser Bergbahnen mit Vorstandsmitglied
Hans-Peter Zeiter, Direktor der Belalpbahnen, eine Standortbestimmung
vorzunehmen. Sein Grundtenor: Visionen und Fusionen lösen nicht alle
Probleme.
Von German Escher und Walter Bellwald
Viel Schnee und Sonne prägten den letzten Winter. Befinden sich
die Walliser Bergbahnen jetzt auf der Berg- oder der Talfahrt?
Die Branche befindet sich bekanntlich in einer schwierigen Phase.
Die letzte Wintersaison hat uns klar geholfen. Ich kann mich in meiner
Bergbahn-Karriere wetter- und schneemässig nicht an einen besseren
Winter erinnern.
Und finanziell?
Auf dem regionalen Markt haben wir mit dem einheimischen Gast markant
höhere Umsätze erzielt. Der Ferienaufenthaltstourismus
und der ist für die Bergbahnen vom Umsatz her extrem wichtig
hat davon weniger profitiert. Wer seine Ferien bereits gebucht hat, wechselt
nicht kurzfristig wegen des schönen Wetters und der guten Pistenverhältnisse
seine Urlaubspläne. In diesem Segment waren die Steigerungen nicht
so hoch, wie viele vielleicht erwartet haben. Wir bei den Belalpbahnen
können gesamthaft sicher zufrieden sein.
Wars ein Spitzenjahr?
Zumindest was die Wintersaison betrifft. Wir haben vom 1. Januar bis
Ende April den Umsatz um neun Prozent gesteigert. Aber das schlägt
sich erst im nächsten Geschäftsbericht nieder.
Sie sind Vorstandsmitglied der Walliser Bergbahnen, die jetzt eine
Studie über die Branche in Auftrag gegeben hat. Was erhoffen Sie
sich davon?
Wir haben uns an die Studie des Kantons angekoppelt. Die Branche erhofft
sich dadurch fundiertes Grundlagenmaterial über die verschiedenen
Bergbahnunternehmen und entsprechende Vergleichsmöglichkeiten. Wir
benötigen einen Überblick über die finanzielle Situation
der Bergbahnbranche in unserem Kanton.
Beginnt jetzt die grosse Strukturbereinigung?
Eine Aussage ist schwierig. Aber die Bergbahnbranche braucht, in Anführungszeichen,
eine Gesundschrumpfung. Heute stehen wir vor der grundlegenden Frage:
Welche Bahnen sollen vom Kanton unterstützt werden? Noch fehlen die
Antworten. Selbst innerhalb des Vorstandes der Walliser Bergbahnen gehen
die Meinungen auseinander. Die angesprochene Studie wird hier sicher Entscheidungsgrundlagen
liefern. Aber letztlich ist es eine politische Entscheidung.
Was verstehen Sie unter Gesundschrumpfung? Wie sieht die Bergbahnbranche
im Oberwallis in zehn Jahren aus?
Jede Region und jedes Dorf hängt an seinem Bergbahnbetrieb und
seinem Skilift. Es stellt sich wirklich die Frage, ob alle überleben
können und müssen. Es braucht eine gewisse Mindestgrösse,
um längerfristig bestehen zu können. Oder man hat eine besonders
kostengünstige Struktur.
Wie sieht diese Mindestgrösse denn aus? Müsste da nicht
fusioniert werden?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Die kritische Grösse
hängt nicht bloss vom Umsatz, sondern auch von der Anlagestruktur
ab. Die Rosswaldbahnen beispielsweise sind klein, aber dank ihrer Struktur
finanziell gesund. Bei den Belalpbahnen ist der Aufwand wesentlich grösser.
Wir haben ein Pistenangebot von 50 bis 60 Kilometern, das während
der Zwischensaison von 600 bis 700 Skifahrern und an Spitzentagen von
rund 3500 Besuchern genutzt wird. Die Kapazitätsgrenze liegt aber
bei 6000 Gästen. Deshalb stellt sich die Frage: Entweder steigern
wir die Gästefrequenz oder redimensionieren das Angebot. Aber solche
Probleme werden mit einer Fusion nicht gelöst. Im Gegenteil: Dann
bestimmen Aussenstehende, welche Anlage zu Randzeiten noch betrieben wird.
Deshalb sage ich ganz offen: Ich bin kein Freund von Fusionen.
Finanzexperten unterteilen die Branche in die Championsleague und
in die übrige Kategorie, die nur mit öffentlichen Geldern überleben
wird. Ihre Meinung?
Man kann die bestehenden Strukturen nicht einfach so über Bord
werfen. Allen Schwierigkeiten zum Trotz muss man sich klar sein: Die Bergbahnen
sind das Rückgrat des Tourismus. Ohne das Rückgrat ginge vieles
andere auch kaputt.
Und deshalb soll der Kanton weiterhin helfen?
Jenen Bahnen, die einen gewissen Standart erfüllen und über
ein Entwicklungspotential verfügen, aber sich in einem gewissen Finanznotstand
befinden, sollte geholfen werden. Hier die Linie zu ziehen, ist ein schwieriges
Unterfangen. Nicht Strukturerhaltung, sondern eine wettbewerbsfähige
Wirtschaft müsste letztlich das Ziel sein.
In welcher Liga spielen die Belalpbahnen?
Es gibt verschiedene Ligen (lacht). Aber ich muss offen gestehen:
Die Belalpbahnen sind derzeit nicht in der Championsleague. Unser Unternehmen
gehört zu jenen Bergbahnunternehmungen, die ein grosses Entwicklungspotenzial
haben, aber aufgrund der Strukturen die nötigen Investitionen nicht
tätigen können, um auf einem höheren Niveau mitspielen
zu können.
Also müsste doch auch die Belalpbahn über Fusion oder Kooperation
mit den Aletsch- oder gar den Jungfraubahnen nachdenken?
Wenn es keine direkte Verbindung zum Partner gibt, macht ein Zusammenschluss
wenig Sinn. Jene Unternehmen, die geografisch isoliert dastehen, müssen
versuchen, ihre Probleme alleine zu lösen.
Das wäre ein Grund, die Verbindung Belalp-Riederalp zu bauen?
Das ist ganz klar. Ohne eine Bahnverbindung zum Aletschplateau bringt
eine Kooperation wenig. Damit möchte ich eine Zusammenarbeit
etwa im Bereich Tarife, Marketing, Einkauf etc. nicht ausschliessen.
Vorerst ist die neue Zubringerbahn Blatten-Belalp ein Thema, die aber
an der Finanzierung zu scheitern droht. Warum?
Seit dem Planungs- und Projektierungsbeginn haben sich die Rahmenbedingungen
wesentlich verändert. Wir müssen auch die Anlagestruktur in
unserem Gebiet genau prüfen. Hier wird der Bau von Ersatzanlagen
ein Thema. Vor diesem Hintergrund muss der Verwaltungsrat die Strategie
überdenken. Bevor man eine neue Bahn auf die Belalp baut, muss auch
die Finanzierung der Ersatzanlagen im Gebiet gewährleistet sein.
Aber es gibt eine Art Moratorium bei zinslosen IHG-Geldern für
Bergbahnen. Das verschärft die Finanzierungsproblematik?
Ich messe dem nicht derart grosse Bedeutung bei. Sobald die Studie
über die Bergbahnbranche vorliegt, verfügt der Kanton über
die Grundlagen, um zu entscheiden, welche Bahnen künftig unterstützt
werden sollen und welche nicht. Er erfüllt damit die Voraussetzungen,
dass der Bund wieder IHG-Kredite an Walliser Bergbahnen ausrichtet.
Wie sieht der Zeitplan für die Belalp Bahnen aus?
Die gegenwärtige Wirtschaftssituation lässt keine riskante
Vorwärtsstrategie zu. Wir sollten nur jene Schritte wagen, die wir
auch verkraften können. Visionen sind das eine, die Finanzierung
das andere.
Im regionalen Leitbild der Gemeinden Naters und Brig ist von einer
Bahn auf Talgrund die Rede. Wie sieht das der Bahndirektor?
Wir lehnen diese Bahnidee nicht ab, aber das Projekt gehört sicher
nicht zu unseren wichtigsten Aufgaben. Wir müssen zuerst unsere internen
Probleme lösen. Eine Bahn vom Talgrund in Richtung Blatten-Belalp
würde auch unsere finanziellen Möglichkeiten übersteigen.
Aber es müsste in ein Gesamtkonzept Blatten-Belalp integriert
werden?
Das eine schliesst das andere ja nicht aus. Aber einen Strich auf
die Karte zu zeichnen, ist einfach. Schwieriger ist die technische Realisierung
eines solchen Projekts. Eine Zubringerbahn vom Talgrund mit einem Zwischenhalt
in Blatten schliesst ja unser Projekt nicht aus. Zu prüfen wäre
allenfalls eine Verbindung Blatten in Richtung Riederalp für den
Fall, dass eine direkte Bahn ab dem Aletschbord nicht machbar wäre.
Aber noch sind das alles Ideen und keine konkreten Projekte.
Bahnen sind das eine, Marketing das andere. Verschlafen die Bahnen
und der Tourismus insgesamt die Chancen des Unesco-Labels?
Nach aussen mag dieser Eindruck stimmen. Aber erstens ist die Vermarktung
nicht so einfach und zweitens fehlt uns im Aletsch noch immer eine schlagkräftige
Marketingorganisation. Die Destination Aletsch ist aufgrund der finanziellen
Möglichkeit nicht in der Lage, mehr zu leisten.
Sind die Bergbahnen bereit, sich künftig finanziell stärker
in der Destination Aletsch zu engagieren?
Ganz klar. Wir stehen hinter der Destination. In der Arbeitsgruppe
zur Destination haben wir das auch klar zum Ausdruck gebracht. Aber eines
ist auch klar: Die Bergbahnen allein können nicht das touristische
Marketing einer gesamten Region finanzieren.
Mit welchen Gefühlen gehen Sie in die Sommersaison?
Mit gemischten Gefühlen. Auch wenn SARS etc. dazu führen
könnte, dass die Schweizer im Inland bleiben, stellt sich die Frage,
wo in der Schweiz Urlaub gebucht wird. Die grossen Stationen, die auf
dem ausländischen Markt Mühe bekunden, könnten die kleineren
Ferienorte mit Billig-angeboten in Bedrängnis bringen. Deshalb habe
ich gemischte Gefühle, ob wir eine gute Sommersaison haben werden.
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