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Diesel-Auto fährt mit Oberwalliser Altöl
Pack das Frittieröl in den Tank!


 
Brig / Altöl statt Diesel? Was in Deutschland seit mehreren Jahren praktiziert wird, kommt nun auch in die Schweiz. Die Küchen der Spitäler von Brig und Visp müssen ihr gebrauchtes Speiseöl nicht mehr teuer entsorgen. Sie haben einen privaten Abnehmer gefunden, der das Öl filtert und damit seinen VW-Diesel antreibt. Die RZ auf Entdecker-Spuren.

Von Ruth Seeholzer

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die Erdölvorräte – bei gleichbleibendem Konsum – in 40 bis 50 Jahren aufgebraucht sein werden. Auch wir Autofahrer sind abhängig von den Weltmarktpreisen für Rohöl. Wir müssen tatenlos zusehen, wie die Preise für Benzin und Diesel (mit leichten Schwankungen) immer weiter ansteigen. Ganz zu schweigen von der Umweltverschmutzung: In der Schweiz werden pro Jahr rund sechs Tonnen (!) des für die Umwelt so schädlichen Kohlendioxyds (CO2) produziert - pro Einwohner, notabene. In den USA, dem Weltmeister in dieser Disziplin, sind es gar über 20 Tonnen pro Einwohner. Eine kleine Firma in Deutschland setzt auf Alternativen für Benzin und Diesel: auf Altöl!

Altöl statt Diesel
Pflanzliche Treibstoffe sind CO2-neutral: Aus dem Auspuff entweicht nicht mehr Kohlendioxyd, als die wachsenden Pflanzen zuvor absorbiert haben. Treibhauseffekt und Klimaerwärmung werden also nicht gefördert. Nun hapert es hierzulande allerdings in Forschung und Technik am nötigen Effort, um endlich Autos auf den Markt zu bringen, die mit umweltschonenderem, und eventuell auch billigerem, pflanzlichem Treibstoff fahren. „Da sind einfach noch andere Interessengruppen dahinter“, vermutet Hans Schliecker, Küchenchef im Spital Brig. Er und sein Kollege im Spital Visp sind einen ganz anderen Weg gegangen. Als eines schönen Tages der junge Assistenzarzt Dr. Richard Pecka auf ihn zukam und ihm seinen mit Altöl angetriebenen VW Passat demonstrierte, da habe es bei ihm Klick gemacht, meint Schliecker gegenüber der RZ. „Ich muss für die Rückgabe unseres Altöls bezahlen. Wenn Dr. Pecka mir das Altöl abnimmt, haben wir beide eine Sorge weniger!“

Einfache Umrüstung
Richard Pecka ist nun schon über 25’000 Kilometer mit dem umgerüsteten VW gefahren. „Er braucht genau gleich viel Altöl wie sonst Diesel“, erklärt der junge Arzt und lacht. „Einzig das Filtrieren ist ein wenig mühsam.“ Der Münchner nimmt dazu zu Hause ein altes Bettlaken, das er über ein Ölfass gespannt hat. „Für mich zählt weniger das Geld einsparen als der Umweltgedanke.“ Der 30jährige Assistenzarzt der Chirurgie im Spital Brig sieht sich aber nicht als Pionier. „Man muss ja nicht gebrauchtes Öl nehmen. Es gibt jetzt immer häufiger auch richtige Tankstellen mit modifiziertem Rapsöl.“ Einzige Voraussetzung für den Umbau: Das Fahrzeug muss einen Diesel-Motor haben. Der zweite Tank (er ist beheizt) wird entweder in der Reserverad-Halterung oder neben dem ersten Tank eingebaut. Die Kosten: zwischen 1500 und 3000 Franken. – Na denn los: Packen wir das Frittieröl in den Tank!

Informationen unter: www.biocar.de


 

 

      
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