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Walliser Milchverband will das AOC-Label für die Bezeichnung Raclette.
Der Verein Raclette Suisse wehrt sich dagegen. Die Walliser kontern mit
einem Raclette-Event auf dem Berner Bundesplatz unter Mitwirkung von hochkarätigen
Raclette-Streichern. Der Raclette-Krieg geht in seine heisse Endphase.
Im Oktober will Bern entscheiden.
Von Ruth Seeholzer
Der Walliser Milchverband zeigt keine Bereitschaft zu Verhandlungen.
Wenn nur noch Walliser Käsehersteller den Namen Raclette verwenden
dürfen, könnte dabei vor allem die ausländische Konkurrenz
profitieren. Der Verein Raclette Suisse hält in seiner offiziellen
Medienmitteilung von letzter Woche mit seiner Meinung nicht hinter dem
Berg. RZ-Leser
Innen wissen, dass der Walliser Milchverband letzten Herbst beim Bundesamt
für Landwirtschaft das Gesuch um ein AOC-Label für Raclette-Käse
eingereicht hat. Falls Bern das Gesuch bewilligt, bedeutet das das Aus
für die gesamten Deutschschweizer Raclette-Produzenten, weil dann
nur noch der aus Walliser Rohmilch hergestellte Raclette-Käse sich
Raclette nennen dürfte. Der Verein Raclette Suisse, der die meisten
der Nichtwalliser Raclette-Produzenten vertritt, ist naturgemäss
strikt gegen dieses Label. Da Bern weiterhin mit einer Entscheidung auf
sich warten lässt, gehen inzwischen die Kontrahenten mit listiger
Kriegstaktik aufeinander los.
Kein richtiger Raclette-Käse
Die Medienmitteilung von Raclette Suisse, in der dem Walliser Milchverband
teils massive Vorwürfe gemacht werden, kam prompt wenige Tage vor
dem grossen Medien- und Raclette-Event, das die Walliser gestern in Bern
auf dem Bundesplatz durchführten, in die schweizerischen Redaktionen
geflattert. In den 60er Jahren seien es gerade die Walliser gewesen, die
wegen der starken Nachfrage Käsereien ausserhalb des Wallis beauftragten,
Raclette herzustellen, schreibt Raclette Suisse. Die Walliser könnten
auch heute noch die Nachfrage nur zu einem Zehntel befriedigen. Ich
kann mich nicht genau erinnern, wie es in den 60er Jahren war, meint
Urs Guntern, Vizedirektor vom Walliser Milchverband. Auf alle Fälle
gab niemand den Auftrag in die Deutschschweiz, dort richtigen Walliser
Raclettekäse zu machen.
Missbrauch in der Werbung
Dass allerdings die Walliser Raclette-Hersteller nicht von heute auf
morgen den gesamten Raclette-Markt abzudecken vermögen, dem stimmt
Urs Guntern zu. Von ihm aus dürften die Deutschschweizer, auch nachdem
die Walliser das AOC-Label erhalten haben, weiterhin Raclette-Käse
herstellen. Nur sie dürften ihn nicht mehr Raclette nennen.
Uns geht es nur um den Schutz des Namens, meint Guntern. Den
Walliser Milchverband störe, dass die meisten Konsumenten jeden Raclette-Käse
mit dem Wallis verbinden, auch wenn sie gar nicht in unserem Kanton produziert
worden seien. Die Deutschschweizer Produzenten arbeiten zum Teil
gezielt mit Walliser Bildern auf ihren Produkten. Das sei eine Irreführung.
Verhandlungen abgebrochen
In dieser Hinsicht könnte man mit uns reden, entgegnet
Manfred Böbner, Präsident von Raclette Suisse. Es ist
alles eine Sache von Verhandlungen. Raclette Suisse
konnte uns nicht garantieren, dass alle seine Mitglieder sich an die Vereinbarung
halten würden, dass nicht mehr mit Walliser Motiven geworben wird.
Darum haben wir die Verhandlungen abgebrochen, meint dazu Urs Guntern.
Die Walliser seien mitten in den Verhandlungen ausgestiegen, erwidert
Böbner. Wir hätten uns einigen können auf den gemeinsamen
Nenner, dass alle zum Schweizer Raclette-Käse stehen und so erreicht,
dass sich Schweizer Raclette gegenüber dem importierten Raclette
noch besser profilieren könnte. Die Walliser haben die Verhandlungen
zu früh abgebrochen.
Grosse Werbekampagne
Seit gestern läuft eine Schweiz weite Werbekampagne des Walliser
Milchverbandes in Zusammenarbeit mit der Walliser Landwirtschaftskammer.
Mit Sprüchen wie: Bei der Echtheit haben wir ganz klar die
Nase vorn oder Es kann nun mal nicht jede eine Walliserin
sein hofft man, auch den Deutschschweizern den Ursprung des Walliser
Raclettes näher zu bringen. Wie viel diese Kampagne kostet, mag Urs
Guntern nicht sagen. Sonst wird nur über diese Zahl und nicht
über die Kampagne gesprochen. Klar ist, dass der Raclette-Streit
noch lange nicht zu Ende ist. Manfred Böbner von Raclette Suisse:
Es wäre schade, wenn wir unseren Streit vor dem Bundesgericht
beenden müssten.
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