| Zermatt / Die Idee,
in der Region Zermatt einen Nationalpark zu errichten, ist bisher kaum vorangekommen.
Die Abklärungen sind aufwändiger als erwartet und die politischen
Rahmenbedingungen auf Bundesebene noch unklar. Trotzdem bleibt der zuständige
Gemeinderat Rafael Biner zuversichtlich: Die Nationalpark-Idee braucht
seine Zeit.
Von German Escher
Aus den Projektregionen hört man derzeit sehr wenig,
gesteht Peter Ruegg, Mediensprecher von Pro Natura Schweiz. Die Naturschutzorganisation
hat bekanntlich einen Wettbewerb lanciert: Wer als erstes ein pfannenfertiges
Nationalpark-Projekt präsentieren kann, erhält eine Million
Franken. Im Rennen sind nebst dem Matterhorn-Projekt das Maderanertal
(Uri), Locarnese (Tessin) und Parc Adula (Tessin/Graubünden). Doch
das Geld von Pro Natura wird bei weitem nicht ausreichen. Erst die Revision
des Natur- und Heimatschutzgesetzes, welche gegenwärtig im Gang ist,
wird Klarheit über finanzielle Unterstützung von Bund und Kanton
für einen künftigen National- und für die regionalen Naturparks
schaffen. Sobald die finanziellen Voraussetzungen klar sind, wird
das dem Projekt einen neuen Schub geben, ist der Pro Natura-Sprecher
überzeugt.
Zermatt unter Zugzwang
Alle haben in der Zwischenzeit Resultate einer Machbarkeitsstudie
präsentiert mit Ausnahme der Zermatter: Die Arbeiten
sind wesentlich aufwändiger als ursprünglich erwartet,
erklärt Gemeinderat Rafael Biner die Verzögerung. Die Konzeptstudie
mit Eignungsabklärungen sollte Ende letzten Sommer vorliegen. Mit
rund einem Jahr Verzögerung wird das Dossier nun in den nächsten
Wochen fertigerstellt. Der einheimische Wildbiologe Reinhard Schnidrig,
der das Projekt begleitet, fügt hinzu: Es wird ein sehr umfangreicher
Bericht, der nicht nur die Möglichkeit Nationalpark, sondern auch
verschiedene andere Parkvarianten aufzeigen wird. Vor allem die
Erarbeitung des Grundlagenmaterials war mit erheblichem Zeitaufwand verbunden.
Rafael Biner sieht in der Verzögerung eher das Positive: Das
Tempo von Pro Natura ist gewaltig und meines Erachtens auch zu schnell.
Man darf die Leute nicht überfahren. Die Bevölkerung muss sich
mit der Idee auseinandersetzen können. Diese Zeit kommt letztlich
dem Projekt zu Gute.
Wichtig für den Sommer
Biner ist überzeugt, dass die Nationalpark-Idee in Zermatt eine
Chance hat. Was wir in Zermatt in den letzten drei bis vier Jahren
im Sommer erlebt haben, gibt den Einheimischen und den Gästen zu
denken, gesteht Gemeinderat Rafael Biner selbstkritisch. Vor allem
die zunehmende Lärmbelastung durch die grosse Bautätigkeit sorgt
im Matterhorndorf zunehmend für Unmut. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund
ist der zuständige Gemeinderat der Ansicht, dass ein neues Umweltbewusstsein
entsteht und die Nationalpark-Idee sinnvoll ist: Wir brauchen umweltschonende,
neue Angebote. Bereits heute befindet sich das künftige Schutzgebiet
grösstenteils im BLN-Perimeter. Für Biner geht es nun darum,
dieses Landschaftskapital sinnvoll zu nutzen und besser publik zu machen.
Ein Ziel, das er mit dem Nationalpark zu erreichen hofft.
Weichenstellung im Herbst
Sobald die Konzeptstudie samt Eignungsabklärungen vorliegen,
wird sich laut Biner der Gesamtgemeinderat mit dem Projekt beschäftigen.
Anschliessend schwebt Raphael Biner eine Art Vernehmlassung bei verschiedenen
Interessensvertretern vor. Im Herbst sollte die Meinungsbildung
wesentlich vorankommen, hofft der zuständige Gemeinderat. Wer
letztlich das Rennen macht und ob der ehrgeizige Fahrplan von Pro Natura
eingehalten werden kann, bleibt fraglich. Pro Natura Mediensprecher
Peter Ruegg: Wir möchten den zweiten Nationalpark im Jahr 2009,
also zum 100jährigen Bestehen des 1. Schweizer Nationalparks, eröffnen.
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