D i e   a u f l a g e s t ä r k s t e   Z e i t u n g   d e s   O b e r w a l l i s

      
Zwischen allen Fronten

 
Zuerst packte mich das Interesse – und danach die Wut. Je länger ich mich einlas ins mehrere hundert Seiten starke Dossier von Martin Imboden, dem 40jährigen Hohtenner, der unverschuldet in die grösste Krise seines Lebens geraten ist (Bericht Seite 5), desto wütender wurde ich. Da ist einer, der sein Leben lang macht, was ihm andere sagen. Er krüppelt für seinen Chef bis in alle Nächte, ohne aufzumucken. Er zahlt brav seine Steuern und die Krankenkassenprämien. Er wollte nie auffallen, sagt er heute. Wenn er mache, was Vorgesetzte und staatliche Stellen von ihm verlangten, dann müsse doch alles gut gehen. Doch damit hat Martin Imboden weit gefehlt.

Nach einem läppischen Unfall an seinem rechten Knie wird er so lange durch die Mühlen von staatlichem Gesundheitsdepartement und Krankenkasse gedreht, bis die Ärzte sein Bein aufgeben müssen. Fazit: Martin Imboden sitzt heute im Rollstuhl. Ob er sein Bein behalten kann, kann ihm niemand garantieren. Imboden selber hat inzwischen eine höllische Wut im Bauch, die ihm wohl auch hilft, die gesamte Situation irgendwie zu überstehen.

Martin Imboden hat heute kaum mehr Perspektiven. In seiner langen Leidenszeit hat er nur immer negative Bescheide und Absagen erhalten. Von seiner Krankenkasse, der CSS, aber auch vom Vertrauensarzt des Kantons Wallis. Und nur, weil niemand für seine ausserkantonale Behandlung zahlen wollte. Geld sparen auf dem Buckel des Patienten und braven Steuerzahlers? Die dürren Communiquées vom Vertrauensarzt und die späten Verteidigungsschreiben der Krankenkasse sprechen ihre eigene Sprache. In unbeschreiblicher Weise wurde hier mit einem Menschenschicksal umgesprungen. Nach Paragraph vielleicht nicht falsch, aber unmenschlich und eines modernen Staates unwürdig.


 

 

      
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