| Visp / Sitten / Eine
Knieverletzung wird für Martin Imboden zum traurigen Schicksal. Weder
der Kanton Wallis noch seine Krankenkasse liessen ihn ausserkantonal behandeln,
obwohl die Basler Spezialisten die einzigen waren, die Fortschritte erzielten.
Martin Imboden klagt an: Die Walliser Bürokraten haben mir mein
ganzes Leben ruiniert! Heute ist der 40Jährige im Rollstuhl
und ein gebrochener Mann.
Von Ruth Seeholzer
Die sollen mir endlich das Bein abnehmen. Ich mag nicht mehr.
Wer Martin Imboden kennt, traut seinen Ohren kaum. Das soll derselbe junge
Mann sein, der immer fröhlich zur Arbeit ging, der schon mit 23 Jahren
ein Haus fast im Alleingang gebaut hatte, mit einem grossen Garten, wie
er ihn sich immer wünschte? Nach sieben Jahren Leiden ist der Job
verloren, das Haus verkauft. Und Martin Imboden verzweifelt: Die
Ärzte im Bruderholzspital in Basel hätten mein Bein retten können!
Seine Krankenkasse, die CSS, und der Vertrauensarzt des Kantons Wallis
liessen es nicht zu.
Nicht nachvollziehbar
Ob wir das Bein hätten retten können, kann man natürlich
nie mit letzter Sicherheit sagen, meint Professor Niklaus Friederich,
Chefarzt im Bruderholzspital, etwas vorsichtiger. Tatsache aber
ist, dass Martin Imboden wegen auch im Nachhinein schwer nachvollziehbarer
Entscheide des Walliser Gesundheitsdepartementes nicht die optimale Behandlung
erhalten hat, die er verdient hätte. Aber der Reihe nach: Am
26. November 1997, ein Mittwochabend ists, als Martin nach Feierabend
auf dem Weg von der Bude zum Parkplatz über eine Mauer springt. Einen
guten Meter hoch ist sie, diese verflixte Mauer, und Martin und seine
Kollegen nehmen jeden Abend diese Abkürzung zu ihren Fahrzeugen.
Aber schon beim Landen auf dem Boden spürt der junge Maler, dass
etwas mit seinem rechtem Knie nicht mehr stimmt. Es tat weh, und
ich humpelte zum Auto. Der Schmerz lässt nicht nach, der Arzt
diagnostiziert einen Kreuzbandriss mit Komplikationen.
Ausserkantonal?
Der Spezialist im Visper Spital, Dr. Richard Herzog, nimmt sich des
Patienten an. Ein Eingriff folgt, dann ein nächster, die Kreuzbänder
werden ersetzt. Weitere Komplikationen treten auf. Dr. Herzog will die
Meinung eines Spezialisten einholen. Er weist Martin Imboden Professor
Niklaus Friederich zu. Das Bruderholzspital geniesst europaweit einen
exzellenten Ruf im Behandeln von komplexen Knieproblemen. Trotzdem ist
es Martin im ersten Moment nicht sehr wohl: Ich wollte nicht ausserhalb
des Kantons hospitalisiert werden. Ich hatte Vertrauen gefasst zu Dr.
Herzog. Doch er lässt sich vom Visper Chefarzt überzeugen,
dass nur noch die Spezialisten in Basel etwas für ihn tun können.
Endlich Fortschritte!
Sehr schnell fasst Martin auch zu Professor Friederich und seiner Crew
Vertrauen. Und sein Knie beginnt Fortschritte zu machen. Nun ist das Bruderholz-Spital
jedoch kein Vertragsspital des Kantons Wallis. Es braucht also eine sogenannte
Kostengutsprache des Vertrauensarztes des Staates Wallis, damit Martin
ausserkantonal behandelt werden darf. Was die ersten Male auch überhaupt
kein Problem ist. Dan wird es schwierig. Der neu für das Oberwallis
zuständige Vertrauensarztes des Kantons, Dr. Guido Loretan, stellt
sich plötzlich quer. Mit der Begründung: Diese Behandlung
kann auch im Kanton Wallis durchgeführt werden, weist er den
Antrag auf Kostengutsprache ab.
Unglaubliche Verzögerungen
Was nun folgt, gleicht einem Krimi. Zwar ist Martin auch für
ausserkantonale Spitalaufenthalte versichert. Die Mühlen der CSS,
seiner Krankenkasse, mahlen jedoch langsam. Als die CSS endlich reagiert,
verlangt sie zuerst eine Bewilligung des Kantonsarztes. Dieser wiederholt
seine Ablehnung. Das Bein verschlimmert sich zusehends. Nach längerem
Hin und Her organisiert der Vertrauensarzt immerhin einen Aufenthalt in
der neu errichteten SUVA-Rehabilitationsklinik in Sitten. Die Zeit läuft
davon. Doch Martin wartet über drei Monate, bis die Klinik ihn aufnimmt
und ihn wenige Tage später mit den Worten entlässt, dass
er bei ihnen am falschen Platz sei.
Schrecken ohne Ende
An diesem Punkt seiner Erzählung angelangt, kann Martin nicht
mehr an sich halten. Ist das nicht unglaublich! Sie halten mich
davon ab, von Spezialisten behandelt zu werden, mit der Begründung,
hier im Wallis gäbe es genug Behandlungsmöglichkeiten, und dann
folgt der Entscheid, dass sie in Sitten nichts für mich tun können!
Doch damit noch nicht genug. Vertrauensarzt Loretan lehnt trotz Misserfolg
in Sitten ein weiteres Gesuch um ausserkantonale Behandlung ab
diesmal ohne Begründung. Ich habe die Welt nicht mehr verstanden.
Martin schüttelt den Kopf. Heute, fast sieben Jahre nach seinem Misstritt,
ist Martin ein gebrochener Mann. Währenddem ich Ärzte
gefunden habe, die alles Menschenmögliche für mich getan haben,
haben der Kanton Wallis und meine Krankenkasse versagt. In einem kläglichen
Hin und Her wollten sie die Kosten für meine Behandlung gegeneinander
abschieben. Der Leidtragende ist Martin Imboden. Sein rechtes Bein
ist inzwischen, mangels richtiger Behandlung, steif und nicht mehr heilbar.
Tag und Nacht hat er Schmerzen. Seine Zukunft ist ungewiss. Ein Verfahren
gegen die CSS läuft. Martin hat sie eingeklagt.
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