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Mehrere Wohnhäuser und ein Hotel müssen in Visp dem neuen Bahnhof weichen
Ungewisse Zukunft für Anwohner

 
Visp / Der neue Oberwalliser Bahnvollknotenpunkt heisst Visp. Was für die einen Anlass zu grosser Freude ist, bringt andere in arge Bedrängnis. Zwei Wohn- und Geschäftshäuser und ein Hotel müssen abgerissen werden. „Wir wissen immer noch nicht recht, woran wir sind“, seufzt eine Bewohnerin. Die Zeit jedoch drängt. Erste Umbauarbeiten am Bahnhof Visp sind für nächsten Herbst geplant.

Von Ruth Seeholzer

„Seit April haben wir nichts mehr von den Zuständigen der SBB gehört“, erklärt Dolores Gsponer. Für die Besitzerfamilie des Hotels Touring, das direkt neben dem Bahnhof von Visp liegt, ist es keine sehr angenehme Situation. Das Haus wird abgerissen, daran besteht kein Zweifel mehr. Der neue Bahnvollknotenpunkt Visp braucht Platz. Wesentlich mehr Platz, als der alte und tatsächlich nicht mehr sehr ansehnliche Bahnhof gebraucht hat. Nicht nur das Hotel mit seinen 37 Zimmern soll abgerissen werden. Neben mehreren Wirtschaftsgebäuden müssen auch zwei Wohn- und Geschäftshäuser dem Bahnhof- und Geleiseneubau weichen. Doch es herrscht Unsicherheit bei den betroffenen Wohnungs- und Geschäftsbesitzern. „Wir wissen nicht, bis wann wir Buchungen entgegen nehmen können“, meint Hotelbesitzerin Gsponer. Denn noch ist völlig unklar, wann genau mit den Abbrucharbeiten begonnen wird.

Noch nichts definitiv
Gar nicht erfreut war die Familie Dani-Seematter, als sie von den Ausbauplänen der SBB erfuhren. Erst 1998 hatten sie die Wohnung an der Balfrinstrasse 1 gekauft und ein halbes Jahr lang total renoviert und saniert. Sogar die Strom- und Wasserleitungen mussten neu verlegt werden. Entstanden ist eine grosszügige und helle 4-Zimmer-Wohnung mitten im Zentrum von Visp. „Das ist jetzt alles für die Katz“, brummt Dario Dani. Seine drei Buben, der Älteste ist fünf Jahre alt, schauen ihn mit grossen Augen an. Sie verstehen die Aufregung noch nicht. „Mündlich hat man uns gesagt, dass wir per 31. Dezember 2004 draussen sein müssen“, erklärt Christine Dani. „Schriftlich und definitiv haben wir noch nichts erhalten.“ Ein weiterer Ärger für die Familie Dani: Die Höhe der Entschädigung von Seiten der SBB. Den ersten Vorschlag empfand Christine Dani als „absolut ungenügend“. „Schliesslich möchten wir im Zentrum von Visp eine gleichwertige Wohnung kaufen und dabei mit der Entschädigung der SBB über die Runden kommen“, ergänzt ihr Mann. Die Wohnungssuche in Visp gestalte sich momentan tatsächlich ziemlich schwierig, erklärt Visps Gemeindepräsident René Imoberdorf. Er ist im September selber vorstellig geworden bei den SBB. „Sie haben mir bestätigt, dass sie die Sache mit den Anwohnern noch im Oktober bereinigen wollen.“

Erfolglose Suche
Auch ein Arzt ist an der Balfrinstrasse 1 einquartiert. Der Allgemeinmediziner Christoph Kaisig hat die Praxis vor vier Jahren gekauft und komplett renoviert. Die jetzige Situation ist „ziemlich mühsam“ für ihn. Ebenfalls mühsam ist es für die Familie Werlen, die ein Bébé-Fachgeschäft sowie eine Polsterei in einem der Abbruchhäuser betreiben. „Wir suchen bereits seit einem halben Jahr eine geeignete Lokalität im Raum Visp“, so Renata Werlen. Bis jetzt ohne jeden Erfolg. „Mir wird es langsam Angst“, bricht es aus der Geschäftsfrau heraus. Die Abriss- und Ausbaupläne der SBB in Visp bringen auch das Leben von Anita Gasser durcheinander. „Per Ende Oktober 2003 wurde mir gekündigt“, erklärt die Salgescherin. Der Grund: Das Liquidationsgeschäft NettoNetto, ihr Arbeitgeber, schliesst seine Pforten für immer wegen den Abrissplänen der SBB. Wie auch das Hotel Touring. Dolores Gsponer: „Mir tut es vor allem leid um die langjährigen Angestellten, die wir gehen lassen müssen.“



 

 

      
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