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RZ- Vorschau auf die Nationalratswahlen vom kommenden Wochenende
SVP-Sitzgewinn zulasten des Oberwallis?

 
Der Wahlkampf ist abgeschlossen, die Urnen sind geöffnet. Bleibt die Frage: Wer macht das Rennen? Die RZ hat sich umgehört, analysiert und wagt eine Prognose: Die SVP ist äusserst nahe am ersten Walliser Nationalratssitz.

Von German Escher

Bereits vor vier Jahren endeten die Nationalratswahlen im Wallis mit einem Fotofinish: Die SP schnappte der FDP hauchdünn den zweiten Sitz weg; der CVPO-Mann Jean-Michel Cina kippte Ruth Kalbermatten mit einem Unterschied von 339 Stimmen aus dem Amt. Und trotzdem hiess die Wahlsiegerin SVP. Sie ging zwar leer aus, kam bei ihren ersten Nationalratswahlen aber auf neun Prozente. Diesmal könnte es für mehr reichen.

SVP: Macht der Arithmetik
„Es könnte für uns der grosse Durchbruch werden“, hofft SVP-Spitzenkandidat Oskar Freysinger. „Die Hauptliste ist stärker besetzt als vor vier Jahren. Und die übrigen Listen geben uns zusätzlichen Schub.“ Eine Einschätzung, die durchaus zutreffen könnte. Denn Wahlen sind letztlich nichts anderes als Arithmetik. Konkret: 1999 erzielte die SVP mit elf Kandidaten rund 56`000 Parteistimmen. Diesmal tritt die SVP gleich mit fünf Listen und insgesamt 30 Kandidaten an. Man rechne: Erreichen die sechs SVP-Bewerber auf der Hauptliste lediglich im Durchschnitt das Resultat des schwächsten Bewerbers von 1999, nämlich 5000 Stimmen, sind dies 30`000 Parteistimmen. Erhalten die übrigen 24 Kandidaten auf der Oberwalliser, Junioren, Senioren und Frauenliste im Schnitt mindestens soviel wie das schlechteste Ergebnis auf der Oberwalliser SVP-Liste 1999, nämlich 2000 Parteistimmen, kämen zur Hauptliste weitere 48`000 Stimmen hinzu: SVP-Bilanz wäre dann 78`000 Parteistimmen und ein Sitzgewinn. Manche werden dies ebenso wie die Güte einiger Kandidaten als Zahlenspielerei belächeln. Tatsache aber ist: Das SVP-Gedankengut hat Rückenwind – auch im Wallis.

SP Oberwallis muss zittern
Wind spürt auch die SP – aber von der Gegenrichtung. Den Sieg von 1999 zu wiederholen wird kein Spaziergang, zumal die SP Oberwallis diesmal mit einer vergleichsweise auch zahlenmässig schwächeren Liste antritt. Das wird zwar durch den Bonus des Mandatsinhabers Peter Jossen aufgewogen. Aber die Geschichte der Nationalratswahlen im Wallis zeigt: Regelmässig müssen Amtsinhaber über die Klinge springen. 1999 trafs Ruth Kalbermatten und Gilbert Debons. Sie fielen parteiinternen Kämpfen zum Opfer. Eine Gefahr, die dem Oberwalliser SP-Nationalrat auch droht. Legt die SP im Unterwallis zu, wo aufgrund er Kampfstimmung zwischen Stéphane Rossini und Jean-Noël Rey Wähler mobilisiert werden, und die SP Oberwallis verliert, könnte die Linke allenfalls ihren Sitz gar an die Unterwalliser Schwesterpartei abgeben.

CSPO hofft auf CVP
Auch CSP-Nationalrat Odilo Schmid ist noch nicht über den Berg. Die Resultate von 1999 zeigen: Ohne CSP Unterwallis und CSP Frauenliste könnte es trotz der in letzter Minute aus dem gelben Körbchen gezauberten Jugendliste noch eng werden. Allgemein nimmt man an: Odilo Schmid wird von der CVPO-Gefolgschaft wacker nachgetragen. Ob das reicht ist ungewiss. Vorteil der CSP-Liste: Um Platz 2 ist ein spannender Kampf im Gang, bei dem Thomas Gsponer die Nase vorne haben dürfte. Ihm sind Barbara Guntern Anthamatten und Benno Tscherrig dicht auf den Versen.

CVPO: Cina gesetzt
Auf der CVPO-Liste wird allgemein mit einem Top-Ergebnis für Amtsinhaber Jean-Michel Cina gerechnet. Alles andere wäre eine bittere Pille für den Fraktionschef der CVP im Bundeshaus und ein böser Fingerzeig für die Staatsratswahlen 2005, die ohnehin bereits ihre Schatten vorauswerfen. Möchte nämlich Viola Amherd in zwei Jahren für die CVPO in die Kantonsregierung, muss sie am Wochenende das zweitbeste CVPO-Ergebnis erreichen. Die Chancen stehen gut; einzig Beat Abgottspon und ein gewisser Anti-Brig-Reflex könnten ihr hier in die Quere kommen.

FDP und CVPU: neue Köpfe?
Da die FDP ohne zusätzliche Oberwalliser Liste antritt, ist die Rückeroberung des vor vier Jahren verlorenen Sitzes wenig realistisch, zumal Amtsinhalber Charles-Albert Antille nicht mehr antritt. Die besten Chancen werden in Politkreisen dem Weinhändler Jean-René Germanier eingeräumt.

Bliebe da noch die CVP Unterwallis, auf deren Liste der frühere CSPU-Mann Christophe Darbellay den in Bern eher diskret aufgetretenen Maurice Chevrier bedrängen könnte.


 

 

      
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