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Daniel Albrecht, Skirennfahrer
„Es ist eine Herausforderung, alle Disziplinen zu fahren“

 
Fiesch / Er ist gerade mal 20 Jahre jung und auf dem Sprung in die Ski-Nationalmannschaft. Daniel Albrecht aus Fiesch hat im vergangenen Winter den Durchbruch geschafft und bei der Junioren-WM gleich dreimal die Goldmedaille geholt. Im RZ-Interview spricht er über die Zeit danach, gibt Einblick in sein Privatleben und sagt: „Nur meine Mama bringt mich manchmal aus der Fassung.“

Von Walter Bellwald und Ruth Seeholzer

Das Trainingslager in Saas Fee musste wegen den misslichen Wetterbedingungen unterbrochen werden. Wie verbringen Sie die freie Zeit?
Ich nutze die Zeit, um vorwiegend Kondition zu büffeln. Das heisst, ich bin vorwiegend im Fitnesscenter oder in der Turnhalle anzutreffen.

Und wenn Sie nicht im Training sind?
Dann verbringe ich die freie Zeit mit meiner Freundin, gehe ins Kino oder schaue ein bisschen fern.

In einer Woche beginnt die Weltcupsaison in Sölden. Fahren Sie heuer erstmals im Weltcup mit?
Keine Ahnung. Mal schauen, ob mich Karl Frehsner aufbietet (grinst). Ich hoffe schon, dass ich im Weltcup starten darf, damit ich ein bisschen Erfahrung sammeln kann. Aber es ist halt schwierig, sich unter den besten Dreissig zu klassieren.

Sie werden also vorwiegend in FIS- und Europacuprennen eingesetzt?
Ja. Ich werde vor allem Europacup-rennen fahren. Die ersten Rennen finden anfangs Dezember statt.

Sind Sie für die neue Saison gerüstet?
Die nächsten drei Wochen muss ich noch ein bisschen an meiner Technik feilen. Ansonsten bin ich für die Rennen bereit. Ich hoffe, dass ich einen guten Saisonstart hinkriege, dann ergibt sich der Rest von selbst.

Was für Ziele haben Sie sich auf die neue Saison hin gesteckt?
In erster Linie werde ich versuchen, im Europacup vorne mitfahren. Ein weiteres Fernziel ist es, bei einem Weltcuprennen unter die besten Dreissig zu fahren.

Sie sind seit einem Jahr im B-Kader der Schweizer Skimannschaft. Was denken Sie, wann schaffen Sie den Sprung in die Nationalmannschaft?
Ich hoffe, dass ich es in drei bis fünf Jahren schaffe. Aber dazu braucht es auch ein bisschen Glück. Wenn ich ohne Verletzungen durchkomme, ist alles möglich.

Sie sind ein sogenannter Allrounder und fahren alle Disziplinen. Ist das für Sie eher eine Belastung oder eine Herausforderung?
Ich denke, sowohl als auch. Natürlich ist es sehr streng, alle vier Disziplinen zu bestreiten. Auch die Abfahrtstrainings vor Ort sind sehr zeitintensiv. Wenn man in allen Disziplinen einigermassen mitfahren will, muss man schon sehr hart arbeiten. Anderseits ist es auch eine gewisse Herausforderung, wenn man in allen Disziplinen präsent sein will.

Was fahren Sie am liebsten?
Momentan gefällt mir die Abfahrt ganz gut. Aber auch der Slalom hat etwas. Wenn man ganz vorne starten kann, ist das sehr schön. Wenn man dagegen erst im hinteren Teilnehmerfeld ist, wird die Fahrt eher ein Krampf.

Macht das bei dem gedrängten Wettkampf-Kalender überhaupt noch Sinn, auf mehrere Disziplinen zu setzen?
Man gewöhnt sich daran. In der letzten Saison bin ich fast 60 Rennen gefahren. Die ganze Zeit über ist man nur unterwegs und hetzt von einem Ort zum anderen. Das ist ganz schön anstrengend. Anderseits ist es auch nicht einfach, nur auf eine Disziplin zu setzen. Ich sehe es eher als Vorteil, wenn man in mehreren Disziplinen starten kann. Das gibt einen gewissen Ausgleich. Wenn es in einer Disziplin nicht läuft, kann man sich auf die nächste konzentrieren.

Sie haben bei den Juniorenweltmeisterschaften in Serre Chevalier gleich 3mal die Goldmedaille gewonnen. Was hat sich in Ihrem Leben seither verändert?
Eigentlich nicht viel. Ich bin immer noch derselbe, der ich vorher war.

Haben Sie neue Freunde dazu gewonnen?
Die Vertreter der einzelnen Skimarken sind jetzt relativ freundlich zu mir (lacht). Aber ansonsten geben sich die meisten Menschen gegenüber mir genauso wie früher.

Aber die Leute erkennen Sie auf der Strasse?
Ja, natürlich werde ich ab und zu angehauen oder die Leute grüssen mich freundlich. Aber ich glaube, dass war schon immer so. Vielleicht werde ich nach meinen Erfolgen an der Junioren-WM auch ein bisschen mehr wahrgenommen.

Empfinden Sie die Anmache eher als angenehm oder als lästig?
Momentan ist es noch recht angenehm. Es ist ja auch nicht so, dass ich von einer Menschenmasse verfolgt werde. Soweit kennen mich die Leute noch nicht. Manchmal werde ich nach dem Namen gefragt oder um ein Autogramm gebeten.

Bekommen Sie auch Fan-Post?
Ein, zwei Briefe habe ich schon bekommen. Der Schrift nach zu urteilen, sind die Briefe vorwiegend von jüngeren, weiblichen Fans.

Sind auch Liebeserklärungen darunter?
Der Grossteil meiner Fans bittet mich um ein Autogramm. Einzelne fragen direkt nach privaten Sachen. Aber auch Zeichnungen oder sogar kleine Kunstwerke bekomme ich zugeschickt. Die Fans geben sich wirklich Mühe.

Beantworten Sie Ihre Fan-Post selber?
Ich beantworte meine Fan-Post selber und nehme die Wünsche und Anliegen zur Kenntnis. Aber ich muss eingestehen, dass ich ein bisschen schreibfaul bin. Ich bin aber gerne bereit, ein signiertes Autogramm zu schicken.

Ihre weiblichen Fans werden es nicht gerne hören, aber Sie haben schon eine feste Freundin?
Das stimmt, wir sind schon seit zwei Jahren zusammen.

Leidet Ihre Beziehung unter den vielen Verpflichtungen und Terminen ihrerseits?
Es ist sicher nicht immer einfach, weil dadurch vielfach der Zeitplan durcheinander gerät. Aber ich gebe mir Mühe, die wenige Zeit, die wir miteinander verbringen können, so schön wie möglich zu gestalten.

Drehen wir Ihrem Privatleben den Rücken und kehren zurück auf die Skipiste. Verschiedene Fachleute sehen in Ihnen einen zweiten Bode Miller. Können Sie diesem Vergleich etwas abgewinnen?
Ansatzweise kann dieser Vergleich sicher standhalten, wobei ich eher ein ruhiger und feiner Fahrer bin als der Draufgänger. Aber von meiner Körperhaltung und Position her bin ich Bode Miller sicher ähnlich.

Schmeichelt es Ihnen als jungem Rennfahrer, wenn Sie mit einem derart routinierten Crack verglichen werden?
Er ist schnell unterwegs und ist ein cooler Typ. Wenn die Medien meinen, dass ich ihm im Fahrstil ähnlich sehe, ist das sicher keine schlechte Werbung für mich.

Ist Bode Miller Ihr Vorbild?
In gewisser Weise sicher. Er ist ein ruhiger Mensch und fährt technisch sehr gut. Da kann ich sicher noch einiges dazulernen. Auch was die Fahrfehler anbelangt, haben wir viele Gemeinsamkeiten (lacht).

Neben der Piste machen Sie einen sehr ruhigen und ausgeglichenen Eindruck. Können Sie auch mal so richtig auf die Pauke hauen?
Normal bin ich eher ein ruhiger Typ. Ich lasse mich nicht so schnell aufregen, ausser von meiner Mama. Das sind halt so Phasen, die wohl jeder Jugendliche durchmacht.

Sind Sie eher der stille Geniesser oder können Sie auch schon mal die Sau rauslassen?
Gut, ich hatte auch schon ein paar Riesenfeten. Aber hier in Fiesch bin ich nicht so der Partylöwe, da halte ich mich zurück. Unter Kollegen kommt es schon mal vor, dass wir über die Stränge hauen (grinst).

Um sich an die Spitze der Ski-Elite zu bringen, braucht es viel Knochenarbeit. Haben Sie die Plackerei nicht manchmal satt?
Natürlich gibt es Momente, wo man nicht so gern ins Training geht. Aber aufhören wollte ich noch nie.

Woher holen Sie Ihre Motivation?
Die Motivation hole ich mir über meine Zielsetzung. Je nach Situation muss man sich auch mal kurzfristige Ziele setzen, um weiterzukommen.

Hilft Ihnen bei der Umsetzung Ihrer Ziele das sportliche oder private Umfeld?
Beides. Das sportliche Umfeld ist wichtig für die Motivation untereinander. Auf mein privates Umfeld kann ich mich verlassen, wenn es nicht so gut läuft.

Seit nunmehr zwei Jahren schwingt der eiserne Karl wieder das Zepter in der Schweizer Herrenmannschaft. Wie gut kommen Sie mit Ihm klar?
Ich komme gut mit ihm klar. Er weiss genau, was er will und ist sehr korrekt. Wenn ich ein Anliegen oder Problem habe, kann ich immer mit ihm reden.

Glauben Sie, dass er die Schweizer-Skinationalmannschaft wieder zurück an die Spitze bringen kann?
Ich glaube schon. Er ist ein sehr versierter Trainer und versteht es ausgezeichnet, aus jeder Situation das Beste zu machen. Er sorgt für tadellose Trainingsbedingungen und setzt uns junge Fahrer bei einem Rennen nicht unnötig unter Druck. Das ist wichtig.

Was denken Sie, wie gut verkraftet das Schweizer Herren-Team den Wegfall des Teamleaders Michael von Grünigen?
Es wird sicher schwer, einen Mike von Grünigen zu ersetzen. Aber mit der Zeit wird sicher ein neuer Mann seine Leaderrolle übernehmen.

Wem trauen Sie diese Rolle zu?
Vom sportlichen her traue ich Didier Cuche diese Rolle zu. Aber auch die jungen Wilden wie Ambrosi Hoffmann oder Tobias Grünenfelder werden ihre Ambitionen anmelden.

Werden Sie dereinst in diese berühmt-berüchtigten Fussstapfen treten?
Ich hoffe es. Aber bis dahin ist noch ein langer Weg. Wichtig ist für mich, was die nächsten drei, vier Jahre passiert und wo meine Leistungsgrenze liegt. Das herauszufinden, ist mein vordergründiges Ziel.


 

 

      
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