| Klassisches Eigentor
Das Verdikt ist enttäuschend. Die Nationalräte Odilo Schmid
(CSPO) und Peter Jossen (SPO) sind abgewählt. Das Oberwallis reibt
sich die Augen und muss sich eingestehen: Wir sind selber schuld.
Im Gegensatz zum Welschwallis ist bei uns die Stimmbeteiligung gesunken.
Diese lag zwar bei guten 52,71 Prozent. Aber das sind 5,3 Prozent weniger
als vor vier Jahren. Peinlichstes Beispiel: In Brig, das nebst Nationalrat
Odilo Schmid drei weitere NR-Kandidaten und Ständerat Rolf Escher
im Rennen hatte, gingen nur 44,1 Prozent an die Urne. Die Botschaft der
Mandatsinhaber, dass zwei Sitze akut gefährdet sind, wurde von weiten
Bevölkerungskreisen und etlichen Politstrategen als billige Panikmache
abgetan. Am Sonntag haben sie die Quittung bekommen.
Warum ist die Stimmbeteiligung gesunken? Die Parteien und Kandidaten
führten einen zu lauen Wahlkampf. Angstmache alleine genügt
nicht. Prägnante inhaltliche Forderungen und den politischen Disput
suchte man vergeblich. Hier trifft vielleicht auch uns Medien eine Schuld,
welche die Kandidaten pointierter hätten herausfordern können.
Letztlich führen Parteispitzen und Kandidaten den Wahlkampf.
Und hier sind Strategiefehler passiert (siehe S. 13). Hätte sich
die CVPO gegenüber der CSPO nicht derart nachtragend gezeigt, wäre
die Listenverbindung zustande gekommen und Odilo Schmid wäre heute
gewählt. Nun muss der verdiente CSPO-Mann zu Hause bleiben und die
CVP-Bundeshausfraktion schrumpft weiter. In ihrer kurzsichtigen Politeifersüchtelei
hat die CVPO dazu beigetragen, ihren eigenen Bundesrat zusätzlich
zu gefährden. Wird Bundesrat Joseph Deiss
abgewählt, hat die CVP definitiv das Verlierer-Image. Und dann wird
die Erosion auch in den CVP-Hochburgen des Landes stärker werden.
Noch ist die CVPO mit einem gelben Auge davon gekommen.
Nicht so das Oberwallis. Wir haben am Wochenende zwei wichtige Stimmen
in Bern verloren. Schade
|