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Frontal-Interview:
„So böse wie Dieter Bohlen könnte ich nie sein!“


Michel Villa
 
Leuk / Der Teufel hat ihn nicht geritten, als er mit seinem „Tiifel“ bekannt wurde. Und es bis heute immer noch ist. Aber als er als 16jähriger das Walliser Schlagerfestival ins Leben rief, musste er doch ziemlich viel ‚Watz im Ranzen‘ gehabt haben. Heute ist Michel Villa vor allem Wirt in seiner Beiz in Leuk und schweizweit bekannter und immer gern gesehener Entertainer. Michel Villa (46) spricht mit der RZ über den Prix Valais und die erfolgreiche Sendung „Deutschland sucht den Superstar“.

Von Ruth Seeholzer und Walter Bellwald

In sieben Wochen geht zum dreissigsten Mal der Prix Valais über die Bühne. Was hatte Sie als damals 16jähriger motiviert, das Schlagerfestival ins Leben zu rufen?

Meine musikalische Karriere begann, als ich mit der Jungwacht Leuk am Kantonstreffen in Stalden auftrat. In Zürich gab es damals zudem das „Sprungbrett“, organisiert von der Showszene Schweiz. Ich nahm an den verschiedenen Wettbewerben teil. Als dann die Glückskette Wallis als Verein zur Nachbarschaftshilfe Walliser Künstlerinnen und Künstler aufrief, in Altersheimen aufzutreten, um so zu Spenden zu gelangen, dachte ich, dass man das eigentlich mit einem Walliser Gesangswettbewerb verbinden könnte. Alex Oggier, die treibende Kraft bei der Glückskette Wallis, fand das eine gute Idee. Und so organisierten wir zusammen das erste Walliser Schlagerfestival mit Nella Martinetti und Simone Drexel als Stargäste.

Wie sah das Schlagerfestival damals aus?

Die ersten Male gab es keine Vorausscheidungen. Wer sich meldete, durfte auftreten. Wir hatten natürlich keine Ahnung, ob diese Idee einschlägt oder floppen würde. Als dann tatsächlich 700 Zuschauer kamen, war ich total happy.

Das Schlagerfestival boomte. Hatten Sie den Nerv der Walliser getroffen?

Einerseits trafen wir den Nerv. Andererseits muss man auch sagen, dass das Oberwallis damals zwar nicht eine musik-kulturelle Wüste war, aber dass neben Jean-Pierre d’Alpaos, der im Briger Pfarreizentrum sehr gute jazzige Sachen machte, und den Rockkonzerten mit Stars wie Gianna Nannini und Stephan Eicher, die ich in der Simplonhalle organisierte, selten ein Musikstar auftrat. So entwickelte sich das Schlagerfestival mit seinen Stargästen damals bald einmal zu einem richtiggehenden Höhepunkt im Kulturkalender der Oberwalliser.

Das Niveau der Kandidatinnen und Kandidaten war immer wieder sehr unterschiedlich?

Wir sind bald einmal dazu übergegangen, Vorausscheidungen zu organisieren. Wir wollten den Leuten ersparen, dass sie sich vor dem Publikum blamieren. Heute wird aus diesen Blamagen schon wieder Kapital geschlagen, wenn man zum Beispiel an die Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ denkt. Aber das Niveau war und ist zum Teil immer wieder sehr beachtlich. Zudem denke ich, dass der Prix Valais wirklich die erste Sprosse einer langen Leiter ist.

In der Jury zu sitzen und quasi wie Cäsar mit erhobenem oder gesenktem Daumen über das Schicksal eines Jungstars zu entscheiden bedeutet auch Macht?

Ich selber wollte nie in der Jury sitzen. Dafür haben mir die Leute viel zu sehr leid getan. Und diese Macht wollte ich auch nie ausüben. Im Prix Valais ist meine Aufgabe die Programmgestaltung. Dabei kommt man automatisch im Vorfeld mit den Kandidatinnen und Kandidaten in Kontakt. Daraus entwickeln sich schon erste Sym- oder Antipathien. Und das würde sich negativ auf mein Urteil auswirken.

Die Fernseh-Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ ist momentan ein Renner. Könnten Sie sich vorstellen, an Stelle von Dieter Bohlen zu sitzen und über die Kandidaten zu richten?

Wenn es einen Schweizer Ableger dieser Sendung geben würde, würde ich das sehr gerne moderieren. Ich finde das immer so herzig, wenn Michelle Hunziker mit lieben Worten versucht, die Kandidaten, die vorher von der Jury richtiggehend fertiggemacht wurden, wieder aufzustellen. Auch wenn ihr das beileibe nicht immer gelingt. Nein, ich denke, so böse wie der Dieter Bohlen könnte ich nicht sein. Andererseits ist Bohlen einfach der Show-Man. Und ich muss zugeben, dass er mir im Laufe dieser Sendung immer sympathischer geworden ist.

Das ist interessant. Wie kommt das?

Dieter Bohlen war für mich immer ein guter Unterhalter mit einer super Stimme. Aber er war mir als Person nicht sympathisch. Ich stufte ihn als Bluffer und Frauenheld ein. Klar musste er bei den ersten Kandidaten von „Deutschland sucht den Superstar“ dick auftragen und Gemeinheiten von sich geben, um mit der Sendung in die Schlagzeilen zu kommen. Aber das ist Showbusiness! Er ist ein Phänomen. Mit der Zeit konnte man doch auch den Menschen Dieter Bohlen hinter seiner Fassade durchschimmern sehen.

Wie erklären Sie sich den Grosserfolg dieser Sendung?

Das kleine Prix-Valais-Schlagerfestival-Zeug, das im Wallis funktioniert, funktioniert eben auch weltweit. Das Publikum will hautnah dabei sein, wenn Stars geboren werden. Zudem hat Papa Bohlen mit seinen Kommentaren die Boulevard-Presse regelrecht gefüttert. Und mit Speck fängt man Mäuse. Wie übrigens mit Michelle Hunziker auch!

Die Leute sind auch sehr begabt?

Diejenigen Kandidatinnen und Kandidaten, die jetzt noch im Rennen sind, sind wirklich begabt. Die haben alle, ausser Daniel, eine Superstimme.

Solche Auftritte von potentiellen Kandidaten sind Exhibitionismus und zum Teil auch Masochismus pur?

Logisch. Die Fernsehwelt von heute ist doch brutal! Je mehr daneben geht, desto grösser ist die Unterhaltung für das Publikum. Darum suche ich auch das Medium Fernsehen nicht mehr unbedingt. Diese Brutalität muss ich nicht mehr haben.

Muss man einfach so viel investieren, wenn man ein Star werden will?

Ja, das ist schon so. Man muss sich auch an jeder nur erdenklichen Party zeigen, immer den Kopf rausstrecken, und das interessiert mich schlichtweg nicht. Ich hatte auch nie Freunde aus der Szene.

Härtet so eine Show auch ab gegen den rauen Wind, der naiven Jungtalenten im Showbiz entgegenbläst?

Das denke ich schon. Zudem sind die Kandidaten bei „Deutschland sucht den Superstar“ jung. Die verkraften das schon. Die wollen ja unbedingt ins Fernsehen. Und dafür sind viele bereit, sehr viel auf sich zu nehmen.

Muss es Sie als langjähriger Sänger und Entertainer nicht frustrieren, wenn Sie heute die Halbwertszeit eines solchen Shootingstars sehen? Heute topp und morgen flop?

Diese Kandidaten haben etwas auf dem Kasten! Ebenso wie die Kandidaten beim Prix Valais. Dieses Jahr waren praktisch alle 40 wirklich gut. Auch die ‚Tears’, die beim diesjährigen Prix Valais auftreten, sind durch solche Wettbewerbe zusammen gekommen. Und sie sind gut.

Aber die Chance ist gross, dass sich in fünf Jahren niemand mehr an die ‚Tears’ erinnert.

Das schon. Aber heute ist nicht nur das Showbusiness schnelllebiger geworden. Das ganze Leben geht nur noch schnell. Und ist bald wieder vergessen. An dieser Entwicklung kann man nicht gross rütteln. Darum aber sind überhaupt so Sendungen wie „Deutschland sucht den Superstar“ erst möglich. Es muss heute gut sein. Was morgen ist, interessiert das grosse Publikum kaum noch. Darum muss ich auch sagen, dass ich froh bin, meinen Hit hinter mir zu haben (lacht). ‚Dr Tiifel isch gschtorbu’ war gut. Ich singe ihn heute noch. Aber damit hat es sich. Und dank diesem ‚Tiifel’ habe ich viele Jobs erhalten, die ich zum Teil heute noch mache, und die mir grossen Spass machen.

Wagen Sie eine Prognose: Wer wird „Deutschlands Superstar“?

Also, mir gefällt Juliette sehr gut. Sie hat eine wunderbare Stimme. Und sie kann sich auch verwandeln, je nachdem, was gefragt ist. Allerdings muss ich hinzufügen, dass Daniel zwar nicht der Super-Sänger ist, jedoch vom Publikum heiss geliebt wird.

Wenn solche Quoten-Renner auch in der Schweiz ein Hit werden, haben Wettbewerbe wie der Prix Valais das Nachsehen?

Für junge Leute wird es immer interessant sein, in der Region aufzutreten. Ich denke aber, dass die Schweiz keine solche Sendung auf die Beine stellen wird. Da fehlen eindeutig die Privat-Fernseh-
sender.


 

 

      
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