| Seit Jahren klagen Fachkreise über
den Mangel; seit Jahren thematisiert die Presse den sich abzeichnenden Notstand.
Geschehen ist wenig, die Quittung haben wir jetzt: Dutzende von betagten
Mitmenschen finden keinen Altersheim-Platz.
Das ist keine Panik-Mache. Besonders wer in der Region Brig wohnt
und einen Pflegeplatz für einen betagten Angehörigen sucht,
stellt fest: Es braucht Geduld. In manch einem Steuerzahler kommt Ärger
hoch. Und das zu recht. Seit Jahren leisten sich die Politiker einen prestigeträchtigen
Spitalstreit. Die Folge: Die Krankenhäuser in Brig und Visp sparen
sich fast zu Tode, um eine ausgeglichene Rechnung zu präsentieren.
Derweil produzieren die Unterwalliser Spitäler munter Millionen-Defizite,
die im Zuge der indirekten Kantonalisierung über das neue Gesundheitsnetz
allen Wallisern in die Schuhe geschoben werden. Leidtragende dieser Gesundheitspolitik
sind die Oberwalliser. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht.
Erstens: Während die Oberwalliser Spitäler wie Zitronen
ausgepresst werden, droht unsere medizinische Versorgung Schaden zu nehmen.
Zweitens: Der Spitalstreit hat dazu geführt, dass sich sowohl
Brig wie Visp als Akut- und nicht als Geriatriespital sehen. Betten und
Abteilungen wurden gestrichen, ohne an die Betagten zu denken. Sie stehen
praktisch auf der Strasse.
Drittens: Auch auf kantonaler Ebene geriet die Alterspflege in Vergessenheit.
Zwar wurden jetzt rund 130 neue Pflegebetten bewilligt. Aber bis diese
Betten endlich bereit sind, wird es noch Jahre dauern. Jahre des Wartens
für Betagte und deren Angehörigen, die allmählich an ihre
Grenzen stossen und sich zu recht fragen: Was läuft hier eigentlich
falsch? Warum kann eine Gesellschaft, die heute in Wohlstand lebt, ausgerechnet
jener Generation, die uns diesen Wohlstand überhaupt erst ermöglicht
hat, keinen würdigen Lebensabend ermöglichen?
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