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Betagte Menschen warten bis zu zwei Jahre auf einen Altersheim-Platz
„Es herrscht absoluter Notstand“

 
Brig / Oberwallis / Die Situation in der Betagtenbetreuung im Oberwallis hat sich massiv verschärft. Gegenüber der RhoneZeitung sprechen die Fachleute von „akutem Handlungsbedarf“ und „absolutem Notstand“. Der Grundtenor ist klar: Bis zur Inbetriebnahme der neuen Altersheimbetten in Naters, Ried-Brig und Brig-Glis müssen dringend Übergangslösungen gefunden werden.

Von German Escher

„Wir haben tagtäglich Leute bei uns, die sich nach einem Pflegeplatz erkundigen. Die Situation ist wirklich extrem“, stellt Paul Rogenmoser fest. Der Leiter des Briger Altersheims schiebt gleich die Zahlen hinterher. Auf der sogenannten Interessenliste stehen inzwischen 342 Namen, auf der eigentlichen Warteliste befinden sich 41 Personen, die dringend einen Platz suchen.

Zwei Jahre gedulden
Betroffen ist vor allem die Region Brig, aber auch in anderen Gegenden hat sich die Situation verschärft. Verena Sarbach, die im Auftrag des Kantons und der Oberwalliser Altersheime die Koordination übernimmt, bestätigt: „Wir führen eine Liste dringender Fälle mit 150 Namen. Davon benötigen 70 Personen umgehend einen Pflegeplatz.“ Das knappe Angebot hat zur Folge, dass betagte Menschen aus der Region Brig auch andernorts nicht mehr aufgenommen werden. Die Konsequenzen für Betagte und Angehörige sind enorm, wie Koordinatorin Verena Sarbach bestätigt: „Wer heute einen Platz in einem Altersheim benötigt, muss sich rund zwei Jahre gedulden.“

Übergangslösungen gefragt
Der Staatsrat hat den Bedarf erkannt und für die Region Brig-Aletsch 132 Pflegebetten bewilligt. Die neuen Alters- und Pflegeheime in Naters und Ried-Brig sind aber voraussichtlich erst in zwei bis drei Jahren bereit. Und mit der Erweiterung des Alters- und Pflegeheims in Brig, für das in den nächsten Wochen der Wettbewerb ausgeschrieben wird, wird frühestens 2005 begonnen. „Ohne Übergangslösungen geht es nicht“, schlussfolgert Esther Waeber, Stadträtin und Baukommissionspräsidentin. Bereits heute bestehen in Brig, Visp und Leukerbad insgesamt 19 sogenannter Wartebetten. Das reicht laut Verena Sarbach aber bei weitem nicht aus: „Es brauchte mindestens nochmals so viele Wartebetten, um die Situation nur einigermassen zu entschärfen.“

Spitalbetten umnutzen?
Auf der Suche nach Linderung wur-de in Brig auch der Miteinbezug der neuen Seniorenresidenz geprüft, aber aus betrieblichen Gründen verworfen. Für den Briger Stiftungsratspräsidenten Peter Planche wären auch andere Übergangslösungen denkbar: „Man könnte das Reha-Zentrum teilweise als Pflegeheim ausbauen.“ Bereits heute befinden sich im Reha-Zentrum acht Wartebetten. Hier wäre mehr möglich, lautet der Grundtenor. Doch statt zu einem Ausbau kam es zu einem Abbau. Aus Kostengründen hat das Reha-Zentrum Betten geschlossen. Ebenso sind im Spital Visp ganze Abteilungen aus Spargründen still gelegt worden. „In diesen Spitälern muss es doch irgendwie möglich sein, Wartebetten einzurichten“, klagt Planche. „Aber der Stiftungsrat kann nicht in den Spitälern aktiv werden.“ „Pflegebetten werden nicht auf die gleiche Art finanziert“, erklärt Spitaldirektor Hugo Burgener. Es handle sich um einen gesundheitspolitischen Entscheid, für den der Staatsrat zuständig sei. Der Hintergrund der zögerlichen Haltung ist klar: Während des jahrelangen Streits, wer Akut- oder Geriatriespital wird, hat sich die Situation in der Betagtenpflege schleichend verschärft. Jetzt hoffen viele auf das neue Gesundheitsnetz, das ab Neujahr voll zum Tragen kommt und zu einer Entkrampfung beitragen soll. Denn in einem Punkt ist man sich einig: Diese Situation ist den älteren Mitmenschen nicht mehr länger zuzumuten.


 

 

      
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