| Jetzt haben auch noch
die Österreicher das Gefühl, das Raclette erfunden zu haben. Einige
österreichische Produzenten überlegen, so die NZZ am Sonntag,
den Schweizer Markt zu erobern. Das Raclettieren sei in unserem
östlichen Nachbarland sehr beliebt, und eigentlich verbinde niemand
diese Speise mit der Schweiz oder gar dem Wallis. Raclette sei einfach ein
fetter Halbhartkäse aus dem Alpenraum, tönt es von Osten.
Die Deutsch- und Westschweizer wurden ebenfalls seit Jahrzehnten im
Glauben gelassen, Raclette sei Raclette, woher auch immer es stamme. Auch
ich habe den grösseren Teil meines Lebens im Glauben verbracht, dass
Raclette einfach dieser kubisch geformte Käse sei, der, in Scheiben
geschnitten, genau und wie abgemessen auf die kleinen herzigen Raclette-Pfännchen
passt. Das war allerdings zugegebenermassen immer ein kleines Fest für
uns Kinder, wenn wir unser Essen selber kochen durften und
das, wohlverstanden, nur im Winter!
Das wahre Raclette-Erlebnis hatte ich aber im Sommer, eines schönen
Tages hoch über dem Turtmanntal. Ein offenes Feuer mit Fichtenholz,
dazu eine spezielle Einrichtung, um einen halben runden richtigen Raclette-Käse
darauf zu legen und ihn Schicht um Schicht schmelzen zu lassen
ein Hochgenuss. Seitdem kann ich keine Pfännchen mehr unter Heizschlangen
schieben. Und doch bin ich dafür: Jedem Schweizer sein Raclette!
Und den Österreichern dazu! Denn ein Raclette wird für mich
auch in Zukunft nur ein Walliser Raclette sein, wenn es über dem
offenen Feuer gebraten wird. Wovon die Deutschschweizer natürlich
keine Ahnung haben aber die müssen uns ja nicht alles nachmachen,
oder?
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