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Jedem sein Raclette

Ruth Seeholzer
Jetzt haben auch noch die Österreicher das Gefühl, das Raclette erfunden zu haben. Einige österreichische Produzenten überlegen, so die NZZ am Sonntag, den Schweizer Markt zu erobern. Das ‚Raclettieren‘ sei in unserem östlichen Nachbarland sehr beliebt, und eigentlich verbinde niemand diese Speise mit der Schweiz oder gar dem Wallis. Raclette sei einfach ein fetter Halbhartkäse aus dem Alpenraum, tönt es von Osten.

Die Deutsch- und Westschweizer wurden ebenfalls seit Jahrzehnten im Glauben gelassen, Raclette sei Raclette, woher auch immer es stamme. Auch ich habe den grösseren Teil meines Lebens im Glauben verbracht, dass Raclette einfach dieser kubisch geformte Käse sei, der, in Scheiben geschnitten, genau und wie abgemessen auf die kleinen herzigen Raclette-Pfännchen passt. Das war allerdings zugegebenermassen immer ein kleines Fest für uns Kinder, wenn wir unser Essen selber ‚kochen‘ durften und das, wohlverstanden, nur im Winter!

Das wahre Raclette-Erlebnis hatte ich aber im Sommer, eines schönen Tages hoch über dem Turtmanntal. Ein offenes Feuer mit Fichtenholz, dazu eine spezielle Einrichtung, um einen halben runden richtigen Raclette-Käse darauf zu legen und ihn Schicht um Schicht schmelzen zu lassen – ein Hochgenuss. Seitdem kann ich keine Pfännchen mehr unter Heizschlangen schieben. Und doch bin ich dafür: Jedem Schweizer sein Raclette! Und den Österreichern dazu! Denn ein Raclette wird für mich auch in Zukunft nur ein Walliser Raclette sein, wenn es über dem offenen Feuer gebraten wird. Wovon die Deutschschweizer natürlich keine Ahnung haben – aber die müssen uns ja nicht alles nachmachen, oder?



 

 

      
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