| Brig / Immer wieder
werden Kinder ein Opfer von Gewalt. Die Zahl von Kindsmisshandlungen und
sexuellem Missbrauch nimmt nicht ab. Auch bei uns.
Von Walter Bellwald
Die Schicksale sind grausam und aufrüttelnd. Schläge und sexuelle
Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen sind auch bei uns gang und gäbe.
Die Kinderschutzgruppe Oberwallis hat sich darum zum Ziel gesetzt, die
Öffentlichkeit zu sensibilisieren und noch mehr Aufklärungsarbeit
zu leisten.
Alarmierende Zahlen
Seit drei Jahren läuft der Aufbau der regionalen Kinderschutzgruppen
im Wallis. Dabei sollen unter anderem vermehrt Öffentlichkeitsarbeit
geleistet und die Zahlen der Verfehlungen an Kindern statistisch erfasst
werden. Darin eingebunden sind verschiedene Institutionen und Fachleute,
die sich mit Kindern auseinandersetzen. Nach den bisherigen Erfahrungswerten
muss heute schweizweit jedes vierte Mädchen und jeder achte Bub eine
sexuelle Annäherung und/oder Ausbeutung über sich ergehen lassen,
erklärt die Kinderpsychologin Therese Zenhäusern. Dabei ist
das Spektrum der sexuellen Machart sehr breit. Von Voyeurismus über
Exhibitonismus bis hin zu pornografischen Übergriffen finden Verfehlungen
statt.
Hohe Dunkelziffer
Die Täter stammen meist aus dem engeren Familienkreis. In
achtzig bis neunzig Prozent der Fälle kommt der Täter aus der
Familie oder dem engeren sozialen Umfeld des Kindes, weiss Therese
Zenhäusern. Damit verbunden ist oft jahrelanges Leiden und Schweigen
der Opfer. Der Druck auf die Kinder ist enorm, weil sie sich oftmals
nicht trauen, ihre engsten Bezugspersonen anzuzeigen, weiss die
Kinderpsychologin. Genauso verhält es sich bei Kindsmisshandlungen.
Die Täter bleiben meist unerkannt, weil der Geheimhaltungsdruck auf
die Betroffenen enorm ist. Die Kinder und Jugendlichen sind häufig
erst im Erwachsenenalter in der Lage, über ihre Vergangenheit zu
reden. Darum gelangt nur ein kleiner Teil der Vergehen an die Öffentlichkeit.
Wir sind uns bewusst, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt,
so Zenhäusern.
Fachtagung im Jodernheim
Der Gründe für die Vergehen an den unschuldigen und wehrlosen
Opfern gibt es viele. Zenhäusern: In erster Linie ist es ein
Machtgefälle zwischen Stärkeren und Schwächeren, das heisst,
zwischen Erwachsenen und Jugendlichen. Aber auch gesellschaftliche oder
finanzielle Probleme sind vielfach der Auslöser für die Übergriffe.
Die Folgen für die betroffenen Kinder sind fatal: Entwicklungsverzögerungen,
Leistungsschwierigkeiten oder psychosomatische Beschwerden sind keine
Seltenheit. Mit der Fachtagung vom 22. November im Bildungshaus
St. Jodern in Visp will die Kinderschutzgruppe Oberwallis aufrütteln
und alle interessierten Personen und Fachkreise über ihre Arbeit
informieren. Weitere Infos und Anmeldungen unter www.tagungsss@yahoo.de
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