| Der Countdown läuft.
Wer kann, hält sich den Termin frei. In Büros werden TV-Geräte
installiert - wie einst zu Zeiten als Collombin und Klammer über die
Abfahrtspiste rasten.
Auch diesmal gibts ein Medienspektakel, zu dem sich 450 Journalisten
angemeldet haben. Doch an diesem Tag, Mittwoch, den 10. Dezember, gehts
nicht um Titel oder Medaillen. Es geht um Köpfe, Konkordanz und vor
allem um eines: um Macht.
Die Frage, wer in den nächsten Jahren unser Land regieren wird,
beschäftigt seit acht Wochen das Land, das durch die Blocher-Frage
geradezu gelähmt wird. Alles starrt nach Bern, wo sich Strategen,
Bundesräte und alle, die es gerne werden möchten, vor den Kameras
und Mikrophonen inszenieren. Politshow in Reinkultur, die immer wieder
die leeren Worthülsen, aber keine wirklichen Antworten liefert.
Und das ist das Problem: Inhalte sind im Bundesratswahlkampf kein
Thema. Schlagworte statt Lösungsszenarien werden abgeliefert. Das
hohe Lied auf die Konkordanz wird gesungen. Welche Probleme man im Bundesrat
gemeinsam wie angehen will, ist für Parteistrategen kein Thema. Mit
welcher Strategie werden wir das Problem der Sozialversicherungen angehen?
Wo und wie wird gespart? Wie löst die Schweiz in Zukunft die Verkehrsprobleme?
Und wie wenn überhaupt nähern wir uns der EU an?
Das sind die Fragen, welche das Stimmvolk interessiert. Nur die Parlamentarier
kümmerts wenig. Sie haben ihre Show - und alle andern die altbekannten
Probleme von Wirtschaftsflaute, Arbeitslosigkeit, Krankenkassenprämien
etc.
Wird der 10. Dezember daran etwas ändern? Wohl kaum. Egal, ob
Deiss, Metzler, Blocher, Merz oder Beerli gewählt werden. Egal, ob
SVP oder SP vollends zur Opposionspartei mutieren. Eine klare Strategie
zur Lösung der brennenden Probleme wird dadurch nicht sichtbarer
und das Vertrauen in die Landesregierung kaum wachsen. Im Gegenteil: Die
Fronten werden noch härter. Und da bleibt eine Frage im Raum: Ist
es Zeit, den Sonderfall Schweiz zu vergessen und ein System mit Regierung
und Opposition anzupeilen? Doch dazu fehlt uns wohl die Debattierkunst.
Der Wettstreit der Ideen hat in unserem Land keine Tradition. Daran wird
auch der 10. Dezember nichts ändern. Mit oder ohne Blocher: die Blockade
in den Bundesratsköpfen wird wohl bleiben.
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