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Ruth Seeholzer
Memento mori

 
Es weihnachtet so sehr. Tausende Lichter beleuchten unsere Dörfer und Städte. Weihnachtskrippen in allen Formen und Farben sind auf Strassen, Plätzen und vor den Häusern platziert. Sogar die amerikanisch beleuchteten Rentiere mit den amerikanisch glänzenden Schlitten haben in unseren Tälern Einzug gehalten. In jedem Geschäft glänzt und glitzert und funkelt es und lädt uns ein, zu kaufen, kaufen, kaufen. Die Menschen hasten und hetzen den letzten Geschenken hinterher. Jetzt hab ich noch die Tante Marie vergessen! Und für die Grossmama wollte ich doch eigentlich noch diesen speziellen Engel suchen...

Eine Umfrage in Deutschland beweist es: Ein Drittel der Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren hat keine Ahnung, warum wir überhaupt Weihnachten feiern. ‚Weil die Grosseltern zu Besuch kommen‘, war eine Antwort. Oder ‚weil die ganze Familie fein essen will‘. Was feiern wir eigentlich wirklich? Sind es die paar freien Tage, die uns nun zur Verfügung stehen? Ist es der Besuch der vielen Verwandten, die man sonst das ganze Jahr kaum sieht? Oder ist es tatsächlich die Geburt Christi, die uns – wie zum Beispiel auch Pfarrer Kenneth, siehe Frontalinterview – so dermassen erfreut, dass wir jauchzen und jubilieren?

Bei alldem sollten wir nicht vergessen, dass diese festliche Zeit nicht nur die Freude, sondern auch Kummer und Schmerz verstärken kann. Leid und Trauer machen vor Weihnachten nicht halt. Leben und Sterben gehen weiter. Ob wir uns dessen immer so bewusst sind? Heidi S., eine Oberwalliserin, die ihren Tod näher kommen fühlt, ist es.

Memento mori – bedenke Mensch, dass du sterben wirst. In diesem Sinn: Frohe Weihnachten.



 

 

      
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