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Die Anwohner im Kastel ob Brig klagen über Strassenlärm
„Wir geben nicht auf!“

 
Brig / Seit Jahren fordern die Anwohner der Simplonstrasse im Gebiet Kastel in der Gemeinde Brig-Glis Lärmschutzmassnahmen. Immer wieder werden sie vertröstet oder gar belächelt. „Wir werden einfach nicht ernst genommen“, erklärt eine Anwohnerin gegenüber der RZ, währenddem 20 Meter neben dem Haus ein 40-Tönner nach dem andern durchdonnert.

Von Ruth Seeholzer

Ins Kastel, an der Gemeindegrenze von Brig-Glis zu Ried-Brig gelegen, kommt man vor allem im Winter nicht so ohne Weiteres. Von der Simplonstrasse biegt scharf rechts ein schmales Strässchen ab, steil den Hang aufwärts. Ohne Allrad ein kaum überwindbares Hindernis. Dann halt unten an der Simplonstrasse irgendwo parkieren und zu Fuss hinauf. Leichter gesagt als getan. Links und rechts der Strasse türmen sich die Schneemassen, von einem Trottoir keine Spur. Ein Kindergartenschüler, unübersehbar gekennzeichnet mit dem typischen Leuchtband, kämpft sich mit seinen kleinen Beinen zwischen den Schneebergen und den vorbeifahrenden Autos durch.

Kleines Quartier am Rande
„Irgendwie scheint man uns hier vergessen zu haben“, meint eine Anwohnerin halb verwundert, halb resigniert. Vergessen, so sieht das einst idyllische Quartier tatsächlich aus. Die A9, eine Nationalstrasse, die zu 90 Prozent vom Bund finanziert und unterhalten wird, führt mitten durch. „Wir sind halt nicht so viele hier“, erklärt ein anderer Anwohner gegenüber der RZ, „vielleicht dreissig Bewohner.“ Das ist für die Betroffenen auch die einzige Erklärung, warum immer noch keinerlei Lärmschutzmassnahmen entlang der A9 getroffen worden sind. „Seit 1986 sind wir am Schreiben, Telefonieren, Einsprechen und Reklamieren“, erklären die Anwohner. Geholfen hat es nichts bisher.

Gleichbehandlung gefordert
„Wir möchten gleich behandelt werden wie das Holzji!“ Was vernünftig tönt – die Lärmbelastungen im Holzji können nicht höher sein als diejenigen im Kastel –, muss für die Behörden noch lange kein Grund zum Handeln sein. Währenddem die Anwohner vom Gstipf bis zur Napoleonsbrücke schon seit 1989 grösstenteils vom Verkehrslärm der Nationalstrasse verschont werden, harren die Bewohner des Kastel immer noch der Dinge, die da kommen. Und hören sich immer wieder die unglaublichsten Ausflüchte und Vertröstungen der Behörden an. So schrieb noch im März 2001 der damalige Chef Nationalstrassen Oberwallis, Charles Schwarzen, den Anwohnern, dass Immissionsgrenzwertüberschreitungen durch eine Expertise belegt worden seien, und dass sämtliche Beteiligten nächstens zu einer Sitzung eingeladen würden. Bis heute haben die Anwohner nichts mehr von Charles Schwarzen gehört. Der zwischenzeitlich pensionierte Dienstchef wurde letzten Herbst abgelöst von Christian Pfammatter. Der allerdings hat (bis Redaktionsschluss) nicht viel mehr zur ganzen leidigen Angelegenheit zu sagen als sein Vorgänger: „Die Vergangenheit lasse ich ruhen und widme mich voll und ganz der Zukunft.“ Was immer das auch heissen soll, für die Anwohner des Kastels bedeutet das, dass die Behörden keinerlei Gehör für Lärmschutz haben.


 

 

      
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