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Die Kehrseite des schönen Februarwetters
„Unser Spital war übervoll“

 
Brig / Visp / Das schöne Skiwetter der vergangenen Wochen hat auch eine Kehrseite. Die Zahl der Skiunfälle ist gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Die Folge: Die Spitäler in Visp und Brig waren im Februar überfüllt. Die politische Konsequenz: Ein weiterer Abbau der Akutbetten lässt sich kaum verantworten.

Von German Escher

Blauer Himmel über der weissen Skiarena - ein idyllisches Bild, wenn da nicht die zahlreichen Skiunfälle wären. „Wir hatten im Februar über 150 Rettungseinsätze, das sind mehr als 2002“, fasst Air Zermatt-Direktor Bernard Vogel zusammen. Ähnlich die Einschätzung von Karin Zerzuben, Sanität Oberwallis: „Vom 1. Dezember bis 28. Februar wurden wir zu 151 Skiunfällen gerufen. Das sind 17 Skiunfälle mehr als im Vorjahr.“ Ebenso erschreckend die Liste der Verletzungen, die die Sanitäter erstellt haben: 68 Ober- und Unterschenkelfrakturen, 15 Rückenverletzungen, 27 Schädel-Hirntraumata, 23 Ober- und Unterarm-, 18 Schulter- und zwei Thoraxverletzungen.

Spitäler am Leistungslimit
Die steigende Zahl der Skiunfälle stellt die Spitäler vor Probleme. „Wir waren verschiedentlich gezwungen, zusätzliche Betten in die Zimmer zu stellen“, sagt der Visper Spitaldirektor Hermann Arnold. Während den ersten zwei Monaten nahm die Zahl der Patienten im Akutbereich in Visp um zehn Prozent zu. „Wir waren nahe daran, die Wochenklinik, die nur vom Montag bis Freitag in Betrieb ist, auch an den Wochenenden zu betreiben.“

Engpässe auch im Krankenhaus in Brig. „Unser Spital war während Wochen übervoll“, gesteht Direktor Hugo Burgener und schiebt gleich die Statistik nach: Im Februar betrug die Belegung auf der Chirurgie 116,8 Prozent; auf der gesamten Akutabteilung waren es 110,6 Prozent. In der Tagesklinik stieg die Patientenzahl im Januar und Februar sprunghaft an (Chirurgie: +41 Fälle, Notfälle: + 85). Pro Tag wurden in Brig 25 bis 30 Notfälle aufgenommen. Das wiederum führte zu einer Überlastung der drei Operationssäle. Laut Chefarzt Charles Simon hat man in den ersten zwei Monaten 638 schwere Operationen durchgeführt. Das sind 90 Operationen mehr als letztes Jahr. Rein rechnerisch waren die drei Operationssäle vom 1. Januar bis 28. Februar täglich neun Stunden belegt. Der Vergleich: Gemäss schweizerischer Norm gilt ein Operationssaal mit achtstündiger Besetzung als voll belegt. Eine Verschiebung der sogenannten planbaren Operationen halten die Fachleute aus volkswirtschaftlicher und medizinischer Sicht in den wenigsten Fällen für sinnvoll.

Knapp an Personal
Das Hauptproblem sind nicht so sehr die fehlenden Betten oder Operationssäle, sondern der Personalbestand, der nicht auf solche Überbelegungen ausgerichtet ist. „Natürlich könnten wir stillgelegte Abteilungen in Betrieb nehmen,“ erklärt der Visper Direktor Hermann Arnold. „Aber selbst wenn wir den Platz noch hätten, würde uns das Personal fehlen.“ In dieselbe Kerbe schlägt auch sein Briger Amtskollege Hugo Burgener: „Der Personalbestand wird auf eine durchschnittliche 85-Prozent-Belegung berechnet.“

Abbau kaum zu verantworten
Für Spitaldirektor Hugo Burgener ist der Leistungsauftrag klar: „Wir müssen die Gesundheitsversorgung für Einheimische und Gäste das ganze Jahr sicherstellen.“ Das sieht auch Air Zermatt-Direktor Vogel so: „Der Tourismusfaktor ist wichtig. Deshalb müssen wir 365 Tage im Jahr zwei Crews und zwei Maschinen auf Pikett haben - selbst wenn es im Mai oder November stiller ist.“ Auch in Zukunft wird es laut Visper Spitaldirektor Hermann Arnold im Oberwallis 170 bis 200 Akutbetten brauchen. Heute sind es rund 190. Diese Einschätzung teilt auch Hugo Burgener in Brig: „Wenn man den Leistungsauftrag nicht verändert, darf im Akutbereich weder Bettenzahl noch Personalbestand massgeblich reduziert werden.“


 

 

      
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