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Ruth Seeholzer
Für Freud und Leid!

 
Des einen Leid – des andern Freud‘. Der umstrittene amerikanische Spielfilm über die letzten zwölf Stunden im Leben von Jesus Christus ist eine einzige Leidens-orgie. Da wird gefoltert mit einer wahren Freude, bis das Blut in Strömen über den Steinboden fliesst. „It is, as it was“, soll der Papst gesagt haben. Der Vatikan dementierte allerdings Tage später. Ob es so gewesen ist, wie uns Regisseur Mel Gibson in seinem Brutalo-Film „The Passion of the Christ“ weismachen will, weiss ich nicht. Viel interessanter ist die Tatsache, dass Gibson mit einem sehr durchschnittlichen Film, was Handlung und Schauspieler anbelangt, eine fast überirdisch hohe Gage heraushaut. Hemmungslose Gewalt und eine Polemik über einen allfälligen Antisemitismus genügen anscheinend um aus dem Film einen Gassenhauer zu machen. Dabei erschlägt einen die übergrosse Banalität des Films beinahe. Römer, denen man das sadistische Heidentum schon an den schlechten Zähnen ansieht, hauen Jesus die Haut in Fetzen; ein dämonendurchgeistertes Judentum liefert den Gottessohn ans Kreuz; und als es vollbracht ist und der jüdische Tempel wackelt, krächzt der lebendige Satan seine Niederlage in den Himmel. Und mit der erbarmungslosen dramatischen Eintönigkeit, mit der Mel Gibson seinen Jesus vom Judentum trennt, aus dem er stammt, erlaubt „The Passion of the Christ“ einigen niederen antijüdischen Instinkten, sich auszutoben. Wenn dieser Film nicht das Werk eines bösartigen Propagandisten ist, so doch das eines bigotten Simpels, und das ist sehr bedauerlich für einen Mann, der uns als Actionheld sonst viel Freude gemacht hat. Es gibt viele wunderbare Filme über das Leben und Leiden von Jesus. Filme, die, wenn man sie gesehen, einem etwas gegeben und nicht etwas genommen haben.



 

 

      
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