Des einen Leid
des andern Freud. Der umstrittene amerikanische Spielfilm über
die letzten zwölf Stunden im Leben von Jesus Christus ist eine einzige
Leidens-orgie. Da wird gefoltert mit einer wahren Freude, bis das Blut in
Strömen über den Steinboden fliesst. It is, as it was,
soll der Papst gesagt haben. Der Vatikan dementierte allerdings Tage später.
Ob es so gewesen ist, wie uns Regisseur Mel Gibson in seinem Brutalo-Film
The Passion of the Christ weismachen will, weiss ich nicht.
Viel interessanter ist die Tatsache, dass Gibson mit einem sehr durchschnittlichen
Film, was Handlung und Schauspieler anbelangt, eine fast überirdisch
hohe Gage heraushaut. Hemmungslose Gewalt und eine Polemik über einen
allfälligen Antisemitismus genügen anscheinend um aus dem Film
einen Gassenhauer zu machen. Dabei erschlägt einen die übergrosse
Banalität des Films beinahe. Römer, denen man das sadistische
Heidentum schon an den schlechten Zähnen ansieht, hauen Jesus die Haut
in Fetzen; ein dämonendurchgeistertes Judentum liefert den Gottessohn
ans Kreuz; und als es vollbracht ist und der jüdische Tempel wackelt,
krächzt der lebendige Satan seine Niederlage in den Himmel. Und mit
der erbarmungslosen dramatischen Eintönigkeit, mit der Mel Gibson seinen
Jesus vom Judentum trennt, aus dem er stammt, erlaubt The Passion
of the Christ einigen niederen antijüdischen Instinkten, sich
auszutoben. Wenn dieser Film nicht das Werk eines bösartigen Propagandisten
ist, so doch das eines bigotten Simpels, und das ist sehr bedauerlich für
einen Mann, der uns als Actionheld sonst viel Freude gemacht hat. Es gibt
viele wunderbare Filme über das Leben und Leiden von Jesus. Filme,
die, wenn man sie gesehen, einem etwas gegeben und nicht etwas genommen
haben.