| Blatten / Lötschental
/ Die Genossenschaft Anenhütte steht vor dem Konkurs. Wenn die Genossenschafter,
der Kanton und die geldgebende Bank nicht auf das Sanierungskonzept eingehen,
muss die Hütte versteigert werden.
Von Walter Bellwald
Dicke Post für die Genossenschafter der Anenhütte: In einem
Schreiben von Anfang April wurde die brisante finanzielle Lage schonungslos
aufgezeigt. Ohne Abschreibungen in der Höhe von rund 600000
Franken und neuem Kapital über 250000 Franken ist die Genossenschaft
nicht überlebensfähig.
Tor zu den Berner Alpen
Anfangs der neunziger Jahre entschied sich der Bergführerverein
Lötschen, eine Berghütte in den Anen, östlich der Fafleralp,
zu bauen. Der Kostenpunkt: Rund 1,43 Millionen Franken. Weil der Bergführerverein
selber nur ein Eigenkapital von knapp 10000 Franken aufweisen konnte,
wurde eine Genossenschaft gegründet. Damit sollte allen interessierten
Kreisen eine Beteiligung ermöglicht und der Baukredit möglichst
klein gehalten werden, erklärt André Henzen, Präsident
der Verwaltung. Insgesamt kamen so rund 340000 Franken Genossenschaftskapital
zusammen. Dank den Investitionshilfe-Geldern (IHG) des Kantons (300000
Franken), der Finanzhilfe der Lotérie Romande (100000 Franken)
und den Gratis-Helikoptertransporten durch die Association François-Xavier
Bagnoud in der Höhe von 220000 Franken konnte der Bau
der Hütte 1993 in Angriff genommen werden. Im Juli 1995 wurde die
Hütte, die 51 Personen Platz bietet, feierlich eingeweiht.
Zunehmende Geldprobleme
Trotz anfänglichem Optimismus bekam die Genossenschaft bald einmal
Liquiditätsprobleme. Dies nicht zuletzt deshalb, weil der ursprüngliche
Pachtzins stark reduziert werden musste, um überhaupt einen Pächter
zu finden, und die Hütte weniger stark frequentiert wurde als geplant.
Die Folge: Neben zwei Hypotheken über 350000 und 50000
Franken mussten private Bürgen noch eine zusätzliche Hypothek
von knapp 28000 Franken aufnehmen. Trotzdem steht die Genossenschaft
nun vor dem Knock-Out und kann ihren finanziellen Verpflichtungen nicht
mehr nachkommen. Darum droht jetzt die Zentralbank der Raiffeisenbanken
in St. Gallen, die privaten Bürgschaften einzukassieren und die Betreibung
der Genossenschaft einzuleiten.
Rettung in letzter Sekunde?
Das hat die Verwaltung der Anenhütte auf den Plan gerufen. Mit
einem Sanierungskonzept wollen die Verantwortlichen den Konkurs der Hütte
buchstäblich in letzter Sekunde abwenden. Das Konzept sieht vor,
das Genossenschaftskapital mit einem Kapitalschnitt von 342000 auf
3420 Franken herabzusetzen. Weiter sollen die Bank und der Kanton
je 100000 Franken Abschreibungen machen. Die definitive Zusage der
Bank steht allerdings noch aus und die Verhandlungen mit dem Kanton waren
bislang ohne Erfolg. Auch die 168 Genossenschafter sind gefordert: Sie
müssen nicht nur die gezeichneten Anteilscheine praktisch abschreiben,
sondern auch ein neues Aktienkapital über 275000 Franken einbringen.
Davon sind gemäss Henzen rund 50000 Franken zugesichert. Trotz
der schwierigen Ausgangslage und den bevorstehenden Verhandlungen gibt
sich der Präsident der Verwaltung zuversichtlich: Ich hoffe,
dass die Opfersymmetrie spielt und die Gläubiger Gnade vor Recht
ergehen lassen.
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