| Dieses Wochenende ist
es wieder soweit. Die Menschen ziehts nach Süden oder in die Berge.
Der Ausflugsverkehr schwellt wieder sprunghaft an. An Pfingsten gehts auf
der Strasse am ringsten - das wäre allerdings ein Trugschluss. Staus
auf den Transitachsen sind vorprogrammiert. Und kaum stehen die Automobilisten
am Gotthard mehrere Kilometer hintereinander, gibts Durchsagen am Radio.
Nur von uns spricht niemand. Dabei hätten wir doch im Sommerhalbjahr
jeden Abend zwischen Brig und Visp Pfingsten. Nicht etwa weil zwischen
den beiden Streithähnen der Oberwalliser Kirchturmpolitik der erleuchtende
Geist herabsteigen würde, sondern weil auch wir im Stau stehen.
Vielleicht stehen wir gerne Stossstange an Stossstange auf der Strasse?
Das könnte zumindest auf einen Drittel der Stausteher zutreffen,
wie eine kürzlich in Deutschland durchgeführte Studie vermuten
lässt. Demnach werden 33 Prozent der Umfrageteilnehmer in der Blechlawine
von unkeuschen Gedanken heimgesucht. Zugegeben, das passt nicht unbedingt
zu Pfingsten. Aber Fakt ist Fakt.
Bleibt die Frage: Woran denken die übrigen zwei Drittel? Die
einen sorgen sich gedanklich um ihre Liebsten zuhause, andere rechnen
im Zeitalter der steigenden Benzinpreise den unnötigen Spritverbrauch
im Stau aus. Eine weitere Gruppe studiert mögliche Ausweichrouten.
Und ein doch beachtlicher Anteil der Automobilisten so denke ich
mir wird sich über die seit Jahren überforderten Verkehrspolitiker
ärgern, träumt vom Widerstand, dem Marsch nach Sitten und malt
sich in den kühnsten Gedanken aus, wie sie dereinst auf dem Rücksitz
des Autos ihrer Enkelkinder über die Autobahn durchs Oberwallis fahren
werden.
Die Gedanken sind frei die Strassen leider nicht.
Trotzdem: Schöne Pfingsten.
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