| Go West young
man! Was Jahrzehnte, ja über ein Jahrhundert lang als etwas vom
Anziehendsten, Abenteuerlichsten und Traumhaftesten galt, mit coolen Cowboys,
männlich-schönen Indianern, den unendlichen Weiten des mittleren
Westens mit wilden Pferdeherden, die in der Prärie weiden, mit tiefen
Schluchten und einmaligen Canyons, mit dem Sonnenuntergang hinter der Golden
Gate Bridge, mit einem Geruch von Freiheit und Abenteuer dieser amerikanische
Mythos scheint langsam zu verblassen. Wie freuten wir uns über die
ersten Hamburger, wie toll waren Lassie und Unsere kleine Farm. Anything
goes alles ist möglich, hiess das Motto der USA. Nach
dem Zweiten Weltkrieg erschienen sie dem übrigen Europa als der Retter
schlechthin. Der Kalte Krieg teilte die Welt in Gute und Böse, in Amerikaner
und Russen. Noch im Bosnien-Krieg, als wir Europäer nicht fähig
waren, vor unserer Haustüre zu helfen und aufzuräumen, sah man
die Amerikaner gerne.
Heute sind die Amerikaner im Irak. Kriegen gegen einen Feind, der
nie eine Bedrohung für sie war. Jedoch ziemlich reich an Erdöl.
Vizepräsident Cheney hat seiner ehemaligen Erdölfirma Halliburton
im Irak einen milliardenschweren Auftrag zugeschanzt. Alle sollen etwas
kriegen vom Kriegskuchen. Jedoch Michael Moore findet keinen US-Verleiher
für seinen Film Fahrenheit 9/11, eine kritische Dokumentation
über Bush und Konsorten, der u.a. die Folterungen der Amerikaner
im Irak thematisiert. Derweil gingen am letzten Sonntag 80000 Harley-Fahrer
auf die Strasse nicht für Moore, sondern für Bush.
Ade, du amerikanischer Traum. Ade, coole Biker und Route 66. Wieder
ein Mythos geplatzt. Freiheit für alle? Nein, den Egoisten
gehört die Welt. Amerika, hör auf mit Deiner Scheinheiligkeit!
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