| Zermatt / Das weltberühmte
Dorf am Fusse des Matterhorns ist ein heisses Pflaster. Die Bodenpreise
in Zermatt sind im Vergleich zum restlichen Kanton in exorbitante Höhen
geklettert. Mit einem Sonderreglement soll der Bauspekulation und der Preistreiberei
ein Riegel geschoben werden. Die RZ hat sich in Zermatt umgesehen.
Von Ruth Seeholzer
Wenn wir diesem überhitzten Bauboom nicht Einhalt gebieten,
ist Zermatt in wenigen Jahren komplett zubetoniert. Thomas Abgottspon,
Zermatter Hotelier, spricht Klartext. Er gehört zu einer Gruppe von
Zermatterinnen und Zermattern, die in diesem Frühling mittels einer
Petition nicht nur eine Änderung des Baureglements, sondern auch
die Einführung einer Planungszone verlangt hatten. Die Änderung
des Baureglements kommt nun an diesem Wochenende zur Abstimmung. Die Planungszone,
die faktisch einem Baubewilligungsstopp für ganz Zermatt gleich gekommen
wäre, wurde vom Gemeinderat abgelehnt.
Moralisch verwerflich!
Dieses neue Baureglement ist ein netter Versuch, mehr nicht.
Auch Mario Julen, Gemeinderat und Präsident der Baukommission, geizt
nicht mit deutlichen Worten. Eine Verminderung der Bautätigkeit
in Zermatt wird damit jedoch nicht erreicht. Auch Julen ist dafür,
dass Zermatt mit seinen Reserven schonend umgehen soll. Jedoch: Das
neue Gesetz ist eine Einschränkung des Privatbesitzes. Das ist nicht
zulässig und moralisch verwerflich. Diesmal gilt es
ernst in Zermatt. Es wird mit harten Bandagen gekämpft.
Zermatt ist noch nicht gebaut
Bei einem Rundgang diese Woche durch den weltberühmten Nobelkurort
sticht die rege Bautätigkeit sofort ins Auge. Abgesehen von der Bahnhofstrasse,
die löblich umfahren wird, herrscht auf den Matter Strassen ein ständiges
Kommen und Gehen von Elektrofahrzeugen. Aber nicht diejenigen der Hotels,
sondern der verschiedenen Bauhaupt- und Nebengewerbe sind es, die in diesen
Tagen den grössten Verkehr ausmachen. Ab und zu schafft es auch noch
ein grosser Kipper durch die engen Gassen und Strassen. Und auch in den
hintersten Aussenquartieren sind die Geräusche der regen Bautätigkeit
nicht zu überhören. In Zermatt wird gebaut, was das Zeug hergibt.
Ein Dauerbrenner
Der Zermatter Spekulationsbau ist ein Dauerbrenner, erklärt
Abgottspon. Schon anfangs der Neunziger Jahre versuchte man, dem einen
Riegel zu schieben. Die jetzige Regierung, die schon seit über
zehn Jahren am Hebel ist, hat nichts unternommen, um diese Überhitzung
zu unterbinden, so Abgottspon weiter. Darum müsse das Volk
jetzt halt selber die Initiative ergreifen. Wir müssen unseren
Kindern eine Chance auf ein intaktes Zermatt lassen.
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