| Die Patienten strotzen
vor Vitalität und werden trotzdem operiert. Gemeint sind die
beiden Spitäler in Brig und Visp. Konkret: Das Oberwalliser Kreisspital,
das vergangene Woche die letzte Jahresrechnung präsentierte, weist
einen Betriebsgewinn von anderthalb Millionen Franken aus. Das Regio-nalspital
Sta. Maria wird an der DV vom 2. Juli einen Betriebsüberschuss von
einer Million Franken vorlegen. Beide Krankenhäuser verdienen sich
somit Höchstnoten. Im Börsenjargon würde dies wohl heissen:
Die Performance stimmt. Darauf können Pflegepersonal, Ärzteteams
und Administration in beiden Spitälern zu Recht stolz sein.
Trotzdem: An den gesunden Spitälern hat der Staatsrat das Skalpell
angesetzt. Eingespielte Teams werden auseinandergerissen, Abteilungen
verlegt, Mitarbeiter wie Patienten verunsichert und all das in
der Hoffnung Millionen Franken zu sparen. Die Absicht ist löblich,
die angewandte Therapie nicht unumstritten.
Fakt ist: Zwei Spitäler, die zugegebener Massen in einem zu harten
und imageträchtigen Wettkampf standen, werden in ihre Einzelteile
zerlegt und dann zu einem neuen Ganzen zusammengefügt. Was auf dem
Papier noch sinnvoll erscheinen mag, wird in der Praxis zur risikobehafteten
Operation, deren Narben wohl noch eine Weile schmerzen werden.
Jenen, die einen guten Job gemacht und ihren Anteil zu den positiven
Jahresrechnungen geleistet haben, ist dies nur schwer zu erklären.
Gerade der Wettstreit der beiden Krankenhäuser trug zu
diesen erfreulichen Ergebnissen bei. Ein Blick ins Unterwallis zeigt:
Hier schreiben die Spitäler seit Jahren Defizite in Millionenhöhe.
Die Gefahr der nun verordneten Kantonalisierung liegt auf der Hand: Das
neue, wohl auch künftig gut geführte Spitalzentrum Oberwallis
wird die Unterwalliser Krankenhäuser quersubventionieren. Hier ist
Transparenz gefragt. Ansonsten werden Millionenüberschüsse definitiv
Geschichte sein!
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