| Naters / Entlang des
Kelchbachs sollen aufwändige Hochwasser-Schutzmassnahmen getroffen
werden. Diesen Variantenentscheid zugunsten des sogenannten Gerinneausbaus
fällte der Natischer Gemeinderat an seiner letzten Sitzung. Die Kosten
belaufen sich voraussichtlich auf rund zwanzig Millionen Franken, wovon
fünf Prozent zu Lasten der Gemeindekasse gehen.
Von German Escher
Der Hochwasserschutz ist in Naters seit Jahren ein Thema. Eine erste
grosse Etappe, das Rückhaltebecken in der Fromatte, wurde bereits
erstellt. Wo aber die Wassermengen bei einem Unwetter schliesslich abgeleitet
werden sollen, darüber war man sich lange Zeit uneinig. Ursprünglich
stand die Stollenvariante im Vordergrund. Das Wasser wäre in einen
125 Meter tiefen Wirbelschacht gestürzt und dann durch einen rund
zwei Kilometer langen Stollen durch den Berg nach Westen und schliesslich
in den Rotten geflossen. Hydraulische Versuche an der ETH Zürich
haben die Machbarkeit belegt. Trotzdem hegte das Bundesamt für Wasserwirtschaft
grosse Bedenken. Der Stollen bewege sich im Weltrekordbereich, erklärte
bereits vor Jahren der verantwortliche Sektionschef gegenüber der
RZ. Der Bund beschränkte deshalb die Subventionierung auf den Pauschalbetrag
von zwölf Millionen Franken. Schwer abschätzbare Baurisiken
wären zulasten der Gemeinde gegangen.
Schadenpotenzial von 180 Mio.
Die Unwettererfahrungen haben gezeigt, dass die Abflusskapazität
des Kelchbachs nicht ausreicht. Der geringe Abflussquerschnitt und die
zu kleine Neigung des Bachbetts führen zu Auflandungen. Bei einem
Abflussvolumen von rund vierzig Kubik pro Sekunde reicht die Kapazitäts
des Kelchbachs nicht mehr aus. Bei einem hundertjährigen Hochwasser
müsste der Kelchbach aber 69 Kubik pro Sekunde, beim Jahrtausendhochwasser
und von einem solchen wird ausgegangen gar 105 Kubik pro
Sekunde bewältigen. Ohne umfassende Schutzmassnahmen müsste
Naters bei solchen Ereignissen mit enormen Folgen rechnen. Laut Auskunft
von Gemeindepräsidentin Edith Nanzer wird das Schadenspotenzial auf
rund 180 Millionen Franken geschätzt. Grund genug also, entlang des
Kelchbachs grössere Schutzbauten ins Auge zu fassen.
Bachbett unterirdisch verbreitet
Als Alternative liess die Gemeinde den Gerinneausbau am
Kelchbach prüfen. Die hydraulischen Versuche an der ETH Lausanne
kamen zu einem positiven Ergebnis. Das Projekt sieht folgende bauliche
Massnahmen vor: Auf dem Abschnitt Schloss bis Marktplatz wird das Bachbett
abgesenkt. Zwischen Marktplatz und Kantonstrasse wird das Bachbett aufgrund
der engen Platzverhältnisse auf einer Länge von 170 Metern mit
Auskargungen unterhalb der bestehenden Fahrbahn und Fussgängerzone
verbreitert. Von der Kantonsstrasse bis zum Rotten bleibt die Verbreiterung
auf einer Länge von 300 Metern offen.
Städtebaulich interessant
Das nun vorliegende Konzept eröffnet auch städtebauliche
Möglichkeiten. Zwischen Marktplatz und Kantonsstrasse soll der Verkehr
auf die rechte Uferseite im Gegenverkehr angeordnet werden. Das linke
Ufer wäre für Fussgänger und Velofahrer reserviert. Nachdem
sich die Gemeinde mit dem Bund auf den Perimeter, innerhalb welchem die
wasserbaubedingten Arbeiten subventioniert werden, einigen konnte, hat
der Gemeinderat diese Woche dem Projekt im Grundsatz zugestimmt. Als nächstes
wird das Auflageprojekt erarbeitet. Die Gesamtkosten werden auf rund zwanzig
Millionen Franken geschätzt. Davon übernimmt der Bund 65 und
der Kanton dreissig Prozent. Aufgrund des heutigen Projektstandes bleiben
der Gemeinde ohne allfällige städtebauliche Aufwertungsmassnahmen
Restkosten von rund einer Million Franken.
|