| Brig-Gils / Die Swisscom
kann auf Dauer die Lehrwerkstätte für Informatiker, Mediamatiker
und Elektroniker nicht mehr weiterbetreiben. Jetzt werden Alternativen
unter anderem die Integration in die Berufsfachschule Visp geprüft,
wie das kantonale Amt für Berufsbildung und die Swisscom gegenüber
der RZ bestätigen.
Von German Escher
Das Lokal ist geräumig und klimatisiert. Überall stehen Computer.
Knapp die Hälfte der Arbeitsplätze ist besetzt. Gelegentlich
hört man leise Stimmen oder ein Telefon. Kein Zweifel: Hier wird
gearbeitet. Die Lehrwerkstätte oder Berufsbildungscenter der Swisscom
an der Gliserallee in Brig-Glis beschäftigt derzeit 39 Lehrlinge
in den Sparten Informatik, Elektronik und Mediamatik. Die ersten zwei
Ausbildungsjahre verbringen die Jugendlichen mehrheitlich in der Lehrwerkstätte,
später kommen Stage oder längere Praktikas dazu. Mitte August
werden fünf weitere Jugendliche ihre Ausbildung in der Lehrwerkstätte
der Swisscom in Angriff nehmen. Es werden wohl die letzten sein. Wir
werden sicher die bestehenden Verpflichtungen erfüllen, betont
Sepp Huber gegenüber der RhoneZeitung. Aber der Mediensprecher der
Swisscom macht gleichzeitig klar: Das Bedürfnis der Swisscom an sogenannten
ICT-Berufsleuten (Information and Communication Technology) im Oberwallis
ist zu gering. Heute beschäftigt die Swisscom in dieser Sparte rund
dreissig Personen. Also macht es aus Sicht der Swisscom keinen Sinn, an
die vierzig Jugendliche in einem Berufsbildungcenter zu schulen. Die Konsequenz
ist laut Mediensprecher Huber klar: Wenn wir keine Lösung finden,
werden wir das Ausbildungsangebot schrittweise herunterfahren.
Wirtschaft kaum interessiert
Weil das Oberwallis ein Interesse daran haben muss, dass für
diese zukunftsorientierten Berufe Lehrstellen in der Region angeboten
werden, hat das kantonale Amt für Berufsbildung gemeinsam mit der
Swisscom nach Lösungen gesucht. Ende Mai traf man sich mit Vertretern
potentieller Lehrmeisterbetriebe zu einer Informationsveranstaltung. Die
Idee: Die Betriebe sollten eine neue Trägerschaft für das Berufsbildungscenter
gründen. Die Basisausbildung hätte man den Jugendlichen in den
Lehrwerkstätten vermittelt. Ab dem dritten Lehrjahr wären sie
von den jeweiligen Betrieben eingesetzt worden. Doch das Echo auf die
anschliessend durchgeführte Befragung war gering. Die Wirtschaft
ist offenbar nicht bereit, Jugendliche in den ICT-Berufen auszubilden.
Und das bereitet mir Sorgen, schlussfolgert Serge Imboden vom kantonalen
Berufsbildungsamt.
Alternativen gefragt
Weil die Leiter der Lehrwerkstätte an die positiven Perspektiven
dieser Berufe im Oberwallis glauben, prüfen sie ihrerseits jetzt
Alternativen. Doch vorerst können sie sich dazu nicht öffentlich
äussern. Eines ist klar: Auch der Kanton ist gefordert. Als letzte
Variante sieht Serge Imboden die Integration der Lehrwerkstätte in
die Berufsfachschule in Visp, wo ebenfalls ICT-Lehrlinge ausgebildet werden.
Gemäss Konzept sollte diese Schule aber nicht weiter aufgebläht
werden, damit die nötige Flexibilität nicht verloren geht. Dies
ist eine der Voraussetzungen, damit die Berufsfachschule eine ihrer Aufgaben
überhaupt erfüllen kann nämlich das kurzfristige
Bedürfnis der Wirtschaft abzudecken.
Noch besteht kein eigentlicher Zeitdruck. Zeichnet sich aber in absehbarer
Zukunft keine Lösung ab, wird die Lehrwerkstätte der Swisscom
in Glis wohl ersatzlos geschlossen. Und das wäre schade für
die Jugendlichen und den Wirtschaftsraum Oberwallis.
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