| Inden / Lax / Oberwallis
/ Kaum ein Dorfladen im Oberwallis, der nicht um seine Existenz bangen muss.
Während je länger, desto mehr Kunden bei den Grossverteilern in
den Zentren ihre Einkäufe tätigen, kämpfen die Giros,
Konsums und Dorfläden ums Überleben.
Von Ruth Seeholzer
Es geht tatsächlich ums Überleben bei der Konsumgenossenschaft
Inden. Wir brauchen einen Jahresumsatz von mindestens 100000
Franken, damit wir einigermassen über die Runden kommen, so
Marianne Müller, Präsidentin der Indner Konsumgenossenschaft.
Das ist weiss Gott wenig. Und doch jedes Jahr wieder eine hohe Hürde.
Letztes Jahr schaffte es der Dorfladen auf knapp 115000 Franken.
Wir wissen nicht, wie lange wir das noch durchhalten, so die
39-jährige Marianne Müller. Die Vorstandsmitglieder arbeiten
ehrenamtlich. Nur die Verkäuferinnen bekommen einen Lohn. Aber auch
diese machen mehr als nur Dienst nach Vorschrift. Ohne diesen Einsatz
aller würde überhaupt nichts mehr funktionieren, erklärt
Marianne Müller.
Die Migros in Kleingemeinden
Eher eine Erfolgsgeschichte kann die Konsumgenossenschaft Ernen-Binn
erzählen. Wir machen 3,3 Millionen Umsatz pro Jahr, erklärt
Geschäftsführer Ulrich Grichting nicht ohne Stolz. Nur dass
hier nicht mehr von einem Dorfladen alter Schule die Rede ist. Ernen und
Binn sind sogenannte Detaillisten mit Migrosprodukten, eine Verkaufsstrategie,
die vor allem anfangs der Achtziger Jahre Schule machte im Wallis. Heute
hat es im ganzen Wallis sechzehn solche Detaillisten, erklärt
Bruno Inderkummen, Verkaufsleiter der Migros Wallis, gegenüber der
RZ. Tendenz steigend? Eher nicht, so Inderkummen zögernd.
Die Gewinnmarge sei für die Migros nicht gerade berauschend. Immerhin
wird die Filiale Binn gleich häufig mit frischer Ware beliefert wie
das MMM in Sitten. Die Migros Wallis erhält immer wieder Anfragen
von Gemeinden, ihren Konsum zu beliefern. Doch wer nicht einen gewissen
Mindestumsatz Inderkummen spricht von rund 2,5 Millionen
aufweist, kommt gar nicht erst in die Ränge. Dass Lax letzte Woche
den Zuschlag der Migros erhalten hat, verdankt das Dorf dem Umstand, dass
die Konsumgenossenschaft Ernen-Binn den Laxer Dorfladen übernommen
hat. Lax liegt verkehrstechnisch günstig, so Ulrich Grichting.
Er hofft, den Jahresumsatz auf längere Frist hin noch um eine Million
erhöhen zu können.
Mut zur Veränderung
Man muss Ziele haben, lächelt der 46-jährige
Grichting. Und den Mut, etwas zu verändern. Mit fünfzehn Angestellten,
die sich sieben Vollzeitstellen teilen, macht Grichting nicht nur Umsatz
durch Verkauf von Produkten. Wir haben zusätzlich einen Party-Service
eingerichtet. Während den toten Zeiten bereiten
die Verkäuferinnen kalte Platten und feine Häppchen vor. Der
Dorfladen in Inden geht andere Wege. Mit einem Raclette- und Grillfest
am kommenden Samstag, den 17. Juli, will man die IndnerInnen und alle
zugewandten Orte, wie Marianne Müller schmunzelnd beifügt,
darauf aufmerksam machen, dass es noch nicht zu spät ist für
ihren Dorfladen. Und sie ist überzeugt, dass auch diesmal
die grosse Solidarität der Leute wieder zum Tragen kommen wird. Wie
lange das jedoch noch so weitergehen kann, wissen die Sterne.
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