D i e   a u f l a g e s t ä r k s t e   Z e i t u n g   d e s   O b e r w a l l i s

      
von Denise Jeitziner
NYC M@ilbox

 
Gleich bin ich an der Reihe. Ich sterbe fast vor Angst, meine Knie schlottern. Was, wenn die mich abweisen? Da stehe ich kurz vor meinem Ziel New York, wo ich das nächste halbe Jahr bei der Auslandsredaktion verschiedener deutscher Magazine arbeiten werde und werde ausgerechnet dem finstersten Typen der Einreisekontrolle, der gerade dabei ist, die arme Frau vor mir anzubrüllen, zugeteilt. Naja, nach zwei Wochen, in denen so ziemlich alles schief gelaufen ist, was schief laufen kann, passt das ja. Erst verliert die US-Botschaft in Bern meine Unterlagen fürs Visum, dann kippt die Fluggesellschaft meinen Flug aus der Reservationsliste und im letzten Moment krieg ich noch eine Absage für ein Zimmer, das ich eigentlich schon auf sicher hatte. „NEXT!“ schreit der Mann und schaut mich böse an. Jetzt bloss nichts falsch machen. „Pass!“ Ich versuche mir meine Nervosität nicht anmerken zu lassen, während Pass und Visum gründlich inspiziert werden. „Finger her!“ Oh Gott, was, wenn ich per Zufall einen Verbrecherfinger habe? Schweissperlen bilden sich auf meiner Stirn, als mein linker Zeigefinger ein zweites Mal „sanft“ auf die Ablage gedrückt und gescannt wird. „Kamera!“ Der gute Mann braucht demnächst eine Halswehtablette, wenn er so weiter schreit. Aha, nun gibt’s also noch ein Video von mir. Ich schaue gequält in die Kamera und sehe meine Felle über eine mögliche Filmkarriere samt Job in New York schon davon schwimmen, als das Geschreie wieder losgeht. Was ist denn jetzt schon wieder! „Welcome to the USA!“ Na also, geht doch! Jetzt nichts wie raus hier, bevor er sich's noch anders überlegt – oder ihm der Duft meiner Schmuggelware, einem Notvorrat an Schweizer Schokolade, in die Nase steigt.

dj©nyc-mailbox.com



 

 

      
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