Gleich bin ich an der
Reihe. Ich sterbe fast vor Angst, meine Knie schlottern. Was, wenn die mich
abweisen? Da stehe ich kurz vor meinem Ziel New York, wo ich das nächste
halbe Jahr bei der Auslandsredaktion verschiedener deutscher Magazine arbeiten
werde und werde ausgerechnet dem finstersten Typen der Einreisekontrolle,
der gerade dabei ist, die arme Frau vor mir anzubrüllen, zugeteilt.
Naja, nach zwei Wochen, in denen so ziemlich alles schief gelaufen ist,
was schief laufen kann, passt das ja. Erst verliert die US-Botschaft in
Bern meine Unterlagen fürs Visum, dann kippt die Fluggesellschaft meinen
Flug aus der Reservationsliste und im letzten Moment krieg ich noch eine
Absage für ein Zimmer, das ich eigentlich schon auf sicher hatte. NEXT!
schreit der Mann und schaut mich böse an. Jetzt bloss nichts falsch
machen. Pass! Ich versuche mir meine Nervosität nicht anmerken
zu lassen, während Pass und Visum gründlich inspiziert werden.
Finger her! Oh Gott, was, wenn ich per Zufall einen Verbrecherfinger
habe? Schweissperlen bilden sich auf meiner Stirn, als mein linker Zeigefinger
ein zweites Mal sanft auf die Ablage gedrückt und gescannt
wird. Kamera! Der gute Mann braucht demnächst eine Halswehtablette,
wenn er so weiter schreit. Aha, nun gibts also noch ein Video von
mir. Ich schaue gequält in die Kamera und sehe meine Felle über
eine mögliche Filmkarriere samt Job in New York schon davon schwimmen,
als das Geschreie wieder losgeht. Was ist denn jetzt schon wieder! Welcome
to the USA! Na also, geht doch! Jetzt nichts wie raus hier, bevor
er sich's noch anders überlegt oder ihm der Duft meiner Schmuggelware,
einem Notvorrat an Schweizer Schokolade, in die Nase steigt.