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Die ABC-Reportage diese Woche aus U wie Unterbäch
Das Rütli der Schweizer Frau

 
Unterbäch / Der Weg führt durch enge Kurven, zum Teil schmale, aber auch gut ausgebaute Strassen vorbei an idyllischen Bergwiesen und –wäldern den Berg hinauf. Das Ziel liegt eine gute Viertelstunde Autofahrt von Visp entfernt. Wir befinden uns in Unterbäch.

Von Markus Pianzola

Das Dorf Unterbäch nennt sich auch „Das Rütli der Schweizer Frau“. Damit wollen die BewohnerInnen an ihre besondere politische Geschichte erinnern. In den 50-er Jahren, als das Frauenstimmrecht in der Schweiz noch kaum diskutiert wurde, gingen die Frauen von Unterbäch erstmals an die Urne.

Ein echtes Dorforiginal
Einer, der diese Zeit direkt miterlebt hat, ist Albin Zenhäusern. Der heute 82-Jährige ist ein echter Dorfkenner. Praktisch sein gesamtes Leben verbrachte er in Unterbäch. Aufgewachsen ist er als jüngstes von zehn Kindern im Weiler „Wyspiel“, was keltisch ist und soviel wie grüne Wiese heisst. „Ich erinnere mich noch genau, wie es damals hier ausgesehen hat. Ich sehe noch alle Häuser und Leute genau vor mir“, erklärt Zenhäusern. Während der Schulzeit musste er, wie zu der Zeit in vielen Oberwalliser Dörfern üblich, nebenbei im elterlichen Landwirtschaftsbetrieb zur Hand gehen. Als der junge Albin dreizehn Jahre alt war, erhielt die Familie eines abends unverhofft Besuch vom Dorfpfarrer. Dieser machte den Vorschlag, der Jüngste solle nach Altdorf gehen und dort bei den Mariannhillern studieren. Die Mutter überliess diesem die Entscheidung: „Ich habe mich dagegen entschieden. Für die Familie lag eine solche Ausbildung finanziell nicht drin“, begründet Zenhäusern seinen damaligen Entschluss.

Militärdienst als Trompeter
Die weltpolitischen Veränderungen der folgenden Jahre beeinflussten auch das Leben Zenhäuserns. 1939 wurde er in den Militärdienst berufen. Hier sorgte er als Trompeter des öfteren für die Aufheiterung der Truppen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges verdingte sich Zenhäusern einige Zeit im Berner Oberländischen Wengen als Hotelangestellter, kehrte jedoch ins Wallis zurück, als er eine neue Stelle bei der Lonza in Visp fand.

Tourismuswerbung der anderen Art
Ein Schicksalsschlag ereilte die Gemeinde Unterbäch im November 1946, als Teile des Dorfes durch einen Brand zerstört wurden. Auch das Elternhaus Zenhäuserns wurde ein Raub der Flammen. Doch die Unterbächer gaben nicht auf: Mit dem Bau der Luftseilbahn Raron-Unterbäch Ende der vierziger Jahre wurde eine bessere Verbindung zum Talgrund geschaffen und die Gemeinde wurde auch für Touristen attraktiver. Anfangs der fünfziger Jahre lernte Zenhäusern seine zukünftige Frau Edith, die in Unterbäch arbeitete, kennen. Mittlerweile sind die beiden bereits seit 49 Jahren verheiratet. Im Jahre 1957 geriet Unterbäch in die nationalen Schlagzeilen, als man als erste Schweizer Gemeinde das Frauenstimmrecht einführte. Als netter Nebeneffekt dieser Gratiswerbung kamen auch vermehrt Touristen, was dem kleinen Dorf einige gute Jahre bescherte.

Ungewisse Zukunft
Doch das alles ist Vergangenheit, in der Zwischenzeit ist es ruhiger geworden in Unterbäch. Mit ein wenig Besorgnis sieht Zenhäusern Gegenwart und Zukunft. „Viele Junge zieht es spätestens nach der Ausbildung ins Tal oder gar in die Deutschschweiz“, bedauert er. Zenhäusern selber ist auch noch in seinem hohen Alter sehr aktiv. 1997 veröffentlichte er die Unterbächner Dorfchronik mit dem Titel „Land und Leute von Unterbäch“. Das Buch ist ein Fundus an Geschichten und Anekdoten aus vergangenen Zeiten. Und wohl kaum jemand anderer hätte sich besser dafür geeignet, die Geschichte der Gemeinde niederzuschreiben, als der Dorfkenner Albin Zenhäusern.


 

 

      
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