| Das Oberwallis steht
erwartungsvoll vor einem neuen Eisenbahnzeitalter. Die NEAT katapultiert
uns ins Pendler-Grossbern. Für Tagesausflügler wird der Ferien-
und Erholungsraum Oberwallis rascher zu erreichen sein. Erwartungen hegen
nicht bloss die Touristiker. Auch manches Dorf in der Nähe des neuen
Visper Bahnhofs sieht sich als aufstrebende Wohngemeinde. Dazu zählen
sich auch Ausserberg und Eggerberg.
Doch die Realität ist wohl eine andere: Das neue Lärmschutzdossier
für die BLS-Südrampe (siehe Artikel oben) zeigt, dass manche
Wohngebiete im neuen Eisenbahnzeitalter ent- statt aufgewertet werden.
Auf die grosse Erwartungen folgt nun das böse Erwachen.
Das Beispiel zeigt: Das Oberwallis hat sich mit den Chancen und möglichen
Gefahren des Jahrhundertbauwerks NEAT zu wenig auseinander gesetzt. Die
Politiker streichen lieber die Vorteile hervor, viele Wirtschaftsleute
lassen es einfach auf sich zukommen. Was die NEAT für uns wirklich
bedeutet, wird nur in Insiderkreisen wie in der von Thomas Gsponer präsidierten
IG NEAT thematisiert.
Zurück zu Ausserberg und Eggerberg, wo nachts trotz NEAT bald
einmal noch mehr Güterzüge durchs Dorf rattern werden. Wir sind
perplex weil wir schlecht informiert sind. Aus der früheren
Finöv-Botschaft des Bundesrates geht klar hervor, dass man künftig
mit 110 Güterzügen rechnet, aber davon lediglich 72 durch den
Basistunnel schleusen kann. Der Rest rollt über die Bergstrecke.
Da drängt sich für mich eine Frage auf: Wäre es nicht
klüger, den Basistunnel durchgehend zweispurig auszubauen, um die
Bergstrecke weitgehend zu entlasten und alle Lärmschutzmassnahmen
auf die Tallinie zu konzentrieren? So könnte man den Forderungen
der Anwohner am Berg und im Tal eher gerecht werden. Denn eines muss trotz
NEAT-Euphorie klar sein: Lärmschutz darf nicht Flickwerk sein!
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