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Die Gemeinde Täsch will aus dem Hotel Täschhorn ein Wohnprojekt für ältere Leute machen
Vom Klasse-Hotel zum Altersheim

 
Täsch / Genau hundertjährig ist die Geschichte des Hotels Täschhorn in Täsch. Das Haus hat viele Turbulenzen erlebt. Nun soll es der neue Sitz des Sozialmedizinischen Zentrums von Zermatt und Umgebung werden.

Von Ruth Seeholzer

„Die Lage ist einmalig“, schwärmt Kilian Imboden, Gemeindepräsident von Täsch. Und tatsächlich, das ehemalige Hotel Täschhorn liegt nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt. Das hundertjährige Gebäude hat eine ziemlich strube Geschichte hinter sich. Das fing schon vor dem Bau um die Jahrhundertwende an. Eigentlich hätte zuerst eine Kirche gebaut werden sollen. Der hochwürdige Herr Pfarrer Kronig hatte sogar für den Täscher Kirchenbau eine Summe von 2’300 Franken in seinem Testament vorgesehen. Doch die Täscher wollten etwas Handfesteres. Sie beschlossen, ein eigenes Hotel zu bauen.

Kein Glück mit dem Prunkbau
Das „Täschhorn“, ein imposanter Bau, wurde 1904 mit Pauken und Trompeten eingeweiht. Doch die Begeisterung währte nicht lange. Die Geschäfte liefen hundsmiserabel. Die Gemeinde verschuldete sich hoch. 1916 bekamen die Täscher gar einen staatlichen Verwalter vorgesetzt. Erst 1928, nach dem Verkauf des „Täschhorns“, wurden die Täscher wieder aus der Vogtei entlassen. Nach einem Aufschwung während der Kriegsjahre dümpelte das Hotel wieder dahin. Letzte Besitzerin war die Vereinigung der Schweizerischen Familienherbergen. Auch sie wollte das „Täschhorn“ schon seit längerem abstossen.

Orthodoxe Juden unerwünscht
Und dann kam das Ultimatum der Besitzerin. Entweder die Gemeinde kaufe nun das Gebäude, oder es werde an eine andere Interessengruppe verkauft. Bei der schriftlichen Abstimmung wurde die Vorlage zum Kauf des „Täschhorns“ mit grossem Mehr von der Täscher Bevölkerung angenommen. War ein Grund für die hohe Zustimmung derjenige, dass es sich bei der anderen Interessengruppe um orthodoxe Juden handelte? „Es kann sein, dass das für gewisse Bevölkerungsteile den Ausschlag gegeben hat“, gibt Kilian Imboden zögernd zu. Doch für die Gemeindeverwaltung sei dieser Aspekt nie zum Tragen gekommen. Für 1,3 Millionen kam das „Täschhorn“ wieder zurück an seine Erbauer. Weitere zwei Millionen soll die Innenrenovation kosten.

Täsch als regionales Zentrum
Die Frage bleibt, was Täsch mit einem solch riesigen Haus anzufangen gedenkt. „In diesen Tagen steht der Vormietvertrag mit dem SMZ Zermatt und Umgebung zur Unterschrift bereit“, erklärt ein strahlender Gemeindepräsident. Und tatsächlich: Das Sozialmedizinische Zentrum Zermatt will aus dem Weltkurort ausziehen. „Unsere Räumlichkeiten sind uns zu eng geworden“, erklärt Zentrumsleiter Thomas Bucher. Zudem sieht man vor, im zweiten Stock des „Täschhorns“ eine Etage mit betreuten Alterswohnungen anzubieten. „Wir müssen schauen, ob und wie das Angebot genutzt wird“, so Bucher. Der Täscher Gemeindepräsident ist zuversichtlich. „Wenn alles gut läuft, ist das ‚Täschhorn’ in drei Jahren eigenwirtschaftlich.“ So möge es denn heute besser gelingen als vor hundert Jahren.

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