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Immer häufiger fallen Handwerker-Lehrlinge durch die Lehrabschlussprüfungen
Zu dumm fürs Handwerk?

 

Wallis / Ein provokativer Titel. – Fakt ist jedoch: Immer häufiger bestehen Lehrlinge nach ihrer jahrelangen Ausbildung die Schlussprüfungen nicht. Die Schuld daran tragen sicher nicht nur die betroffenen Jugendlichen. Jedoch deren Folgen. Und die können gravierend sein.

Von Ruth Seeholzer

„Schon wieder durchgefallen!“ Daniel H.*, Maler- und Gipserlehrling, schüttelt verzweifelt den Kopf. Mit viel Elan und gutem Willen stürzte er sich zum zweiten Mal in die Lehrabschlussprüfung. Und wieder war aller Einsatz für nichts. Ein schwacher Trost: Er ist nicht allein. Dieses Jahr sind im Wallis sage und schreibe 42 Prozent der Maler- und Gipserlehrlinge durch die Abschlussprüfungen gerasselt. Was ist los mit unserer Jugend?

Vielschichtige Gründe
„Diese Zahlen bereiten uns ernsthafte Sorgen“, erklärt Rolf Fussen, Chefexperte bei den Walliser Malern und Gipsern. Wer ist denn nun Schuld an der ganzen Misere? „Die Gründe sind vielschichtig“, so Fussen. Die Anforderungen an die handwerklichen Berufe haben sich in den vergangenen Jahrzehnten drastisch gesteigert. „War die Arbeit des Gipsers früher vor allem feucht (Wasser, Gips, Feuchtputze), so muss er heute beinahe ein Experte in Montagetechnik sein.“ Damit sind natürlich auch die schulischen Anforderungen gestiegen.

Besser informieren
Doch nicht nur bei den Malern und Gipsern, auch in anderen handwerklichen Sparten geben die Durchschnittsnoten der Lehrabschlussprüfungen keinen Anlass zur Freude. Manfred Kuonen, Direktor des Oberwalliser Amtes für Studien- und Berufsberatung, sieht eines der Probleme im Image der handwerklichen Berufe. „Die gewerblichen Berufe haben Rekrutierungsschwierigkeiten. Das Ansehen des Handwerks ist in den letzten Jahren leider gesunken.“ Und dies sogar mehr bei den Eltern als bei den Jugendlichen, so Kuonen weiter. „Wir müssen besser informieren“, schlussfolgert Kuonen. „Und zwar nicht die Jugendlichen, sondern deren Eltern.“

Zwischenprüfung als Messlatte
Für Rolf Fussen, der nicht nur Prüfungsexperte, sondern auch Gewerbeschullehrer ist, muss sich künftig einiges ändern. „Wir wollen versuchen, künftig Zwischenprüfungen durchzuführen.“ Damit ein Jugendlicher nicht erst nach vier Jahren Lehre vor dem Nichts steht, sondern sich bereits beim Nichtbestehen der Zwischenprüfung Gedanken über eine Umschulung machen kann. Doch noch ist es nicht so weit. Änderungen im Schul- und Prüfungssystem brauchen seine Zeit. Die Leidtragenden sind die Lehrabgänger. „Manche von denen tun mir extrem leid“, so Fussen weiter. Denn die Zukunft ohne Lehrabschluss sieht nicht sehr rosig aus.

*Name der Redaktion bekannt

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