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German Escher
Für mehr Gaudi im Land

 

Für die meisten sind die Sommerferien Geschichte. Mit unterschiedlichsten Urlaubseindrücken kehrt man in den Alltag zurück.

Das geht mir nicht anders. In meinen Gedächtnis haften die Eindrücke von Antonio Gaudìs Bauten in Barcelona. Dieser eigenwillige Architekt hat die Stadt nachhaltig geprägt. Und die Bevölkerung von Barcelona weiss es zu schätzen. Sie sammeln Geld, um Gaudìs unvollendete Kathedrale, eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt, fertig zu erstellen. Ebenso beeindruckend wie das Bauwerk sind das Engagement und die Bereitschaft für ein derartiges Bauwerk und seine städtebauliche Konsequenzen. Wäre das bei uns auch möglich? Wohl kaum. Unser allzu oft kleinkariertes Empfinden lässt Neues, Unkonventionelles nur schwer zu. Solches kulturelles Schaffen und Bauen noch aktiv zu unterstützen, wäre für Helvetiens Krämerseelen wohl zu viel verlangt. Ein Blick durch die Kleinstädte unseres Kantons zeigt: Architektonische Glanzpunkte mit städtebaulicher Ausstrahlung sind Rarität. Da setzt Visp mit dem La Poste und dem neuen Bahnhof schon am ehesten Akzente.

Oder erinnern Sie sich an Zermatt, wo der Bau der modernen Jugendherberge zu Diskussionen Anlass gab? Ähnlich könnte es der neuen Monte Rosa-Hütte ergehen, die gegenwärtig an der ETH in Zürich projektiert wird. Modern, ungewohnt und vielleicht gar hochhausartig wird die neue Hütte daher kommen. Na und? Muss das Projekt deshalb schlecht sein? Haben die ersten Hotelbauten, welche die Engländer in unsere alpine Landschaft stellten, besser hingepasst? Wohl kaum. Heute sind wir auf den Pioniergeist von damals stolz, trauen uns aber nur schwer an Ungewohntes heran. Eigentlich schade: Darum habe ich einen Wunsch aus dem Urlaub in den Alltag mitgenommen: Ich wünsche mir mehr Gaudi für unser Land.


 

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