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Per Bergamin, wissenschaftlicher Mitarbeiter Fernstudien Schweiz
„Weiterbildung schafft Beziehungen“

 

Brig / Weiterbildung ist heute von zentraler Bedeutung. Per Bergamin, wissenschaftlicher Mitarbeiter Fernstudien Schweiz, verrät, wie man seine eigene Laufbahn und Biografie aktiv gestaltet. Arbeit und Privatleben lassen sich nach eigenen Zielvorstellungen entwickeln.

Von Susanne Perren

Lebenslanges Lernen und aktive Lebensgestaltung sind mittlerweile Modebegriffe. Wie setzt man das im Alltag um?
Per Bergamin: Ich unterscheide zwei Ebenen: die berufliche Qualifikation und die persönliche. Beruflich gibt es zahlreiche Angebote, die zu Zertifikaten oder Diplomen führen und die den Wissensstand der Arbeitstätigen vertiefen oder verbreitern, wie auch immer. Auch in der beruflichen Ausbildung sollte die Persönlichkeitsentwicklung einen hohen Stellenwert erhalten. Das ist in der Realität mangels Angeboten oft nicht der Fall. Zudem zählen im persönlichen Bereich beispielsweise Informationssendungen über Gesundheit am Fernsehen oder Beiträge in Zeitungen zur weiterbildenden Lebensgestaltung. Ebenso können Besuche von Kulturgütern den Horizont erweitern. Wichtig ist, wachsam zu bleiben.

Tiefgreifende Veränderungen in der Wirtschaft stellen neue Anforderungen an die Mitarbeitenden. Unterstützen die Walliser Unternehmen das Erwerben von neuen Fähigkeiten?
Viele Unternehmen sind sehr offen, was die Weiterbildung betrifft. Vermutlich haben jedoch die Walliser Klein- und Mittelunternehmen mehr Realisationsprobleme in diesem Bereich als solche in Städten – sie können nicht mit derselben Stärke auf dem Markt auftreten. Oft fehlen den einheimischen Firmen aus wirtschaftlichen Gründen wie beispielswesie einem hohen Margendruck die Mittel und die Zeit, ein wünschenswertes Angebot zur Mitarbeiterförderung zu unterstützen.

Was raten Sie den Unternehmen, respektive deren lernwilligen Angestellten?
Die öffentliche Hand hat just in wirtschaftlich relevanten Bereichen in den vergangenen Jahren ein breites Angebot auf die Beine gestellt.
Die Fernfachhochschule, die Fachhochschulen, Berufsschulen und andere öffentliche Angebote unterstützen die persönliche und fachliche Laufbahngestaltung.

Sprachen, Computer, Persönlichkeitsbildung oder Kochkurs: In welchen Bereichen sollte man sich weiterbilden?
Persönlichkeitsbildung ist sehr wichtig. Wir lernen dabei, mit Stress oder der veränderten Umwelt umzugehen. Berufstätige erlangen durch die fachspezifische Ausbildung neue Kompetenzen. Das wiederum kann sich positiv auf ihre Arbeitsmarktsituation auswirken. Und: Jede Weiterbildung schafft neue Beziehungen. Man lernt Leute kennen, Gleichgesinnte. Auf diese Art entstehen Netzwerke. Der soziale Faktor einer Weiterbildung ist nicht zu unterschätzen.

Das Studienzentrum Brig bietet zusammen mit der Volkshochschule Oberwallis einen neuen Italienischkurs. An welches Zielpublikum richtet sich das Angebot?
Wer nicht wöchentlich ein Kursmeeting absolvieren kann oder will, findet bei diesem Angebot Gelegenheit, ein Sprachzertifikat online zu erarbeiten. Der italienische Sprach- und Wirtschaftsraum liegt uns sehr nahe.

Welche Bedeutung messen Sie Sprachen generell zu?
In der Berufsbildung werden Sprachen sehr gefordert. Bei Personen, welche den Weg über die Berufsbildung gewählt haben, stellen wir in der Informatikbranche zum Beispiel einen Nachholbedarf in Englisch fest.

Wie beurteilen Sie das Bildungsangebot im Oberwallis?
Grundsätzlich ist es gut. Im Bereich Grundlagenkurse bieten zwar viele Institutionen ähnliche Programme an. Da gibt es zum Teil Doppelspurigkeiten. Wenig abgedeckt sind, wohl aufgrund der mengenmässig kleinen Nachfrage, spezifische Fach-
kurse wie Informationstechnologien oder Kulturthemen. Das ist eine Stärke der Städte. Vielleicht könnte man ja noch einige interessante Angebote über das Internet finden?

Doch: Obwohl wir Oberwalliserinnen und Oberwalliser in einer Randregion leben – oder vielleicht gerade deshalb – sind wir sehr sensibilisiert, was die Weiterbildung betrifft.

Wie motivieren Sie sich, eine Weiterbildung in Angriff zu nehmen?
Zuerst sollte man seine persönliche Situation im Beruf und im Privatleben analysieren. Wo stehe ich? Was brauche ich in fünf bis zehn Jahren? Ich nenne dies einen ‚natürlichen Gwunder’ entwickeln. Danach kann man das Angebot prüfen, indem man mit Freunden darüber spricht, oder die Angebote (Weiterbildungsseiten) in den Printmedien überprüft oder sich an die kantonalen bzw. privaten Berufs- oder Karriereberatungen wendet.

Bilden Sie sich auch aktiv weiter?
Jedes zweite Jahr absolviere ich eine vier- bis zwölfmonatige Weiterbildung. Derzeit bin ich an einem Nachdiplomstudium für Jungunternehmerberatung.

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