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Sitten / Visp / Brig / Trotz Spitalreform
schreiben die Walliser Krankenhäuser rote Zahlen. Bis Ende Jahr rechnet
das Gesundheitsnetz Wallis mit einem Spitaldefizit von 17 Mio. Franken.
Staatsrat Burgener führt als Hauptgrund den massiven Rückgang
der Patienten an. Seine Kritiker sehen die Ursachen in einer verfehlten
Spitalplanung.
Von German Escher
Während die Ausgaben in den Walliser Spitälern im ersten Halbjahr
um 2,1 Prozent anstiegen, brachen die Einnahmen überraschend ein.
Vor allem im Akut- und Geriateriebereich wurden weniger Patienten behandelt.
Das geht aus den am Montag von Staatsrat Burgener präsentierten Statistiken
hervor: So sind im ersten Halbjahr 2004 im Spitalzentrum Oberwallis 6,1
Prozent weniger Akutfälle behandelt worden. Die Anzahl Pflegetage
ging um 10,7 Prozent zurück. Der markante Rückgang der Hospitalisierung
führte gesamtkantonal zu Einbussen von fünf Millionen. Bis Ende
Jahr erwartet das Gesundheitsdepartement Mindereinnahmen von 10 und ein
Defizit von 17 Millionen.
Neues Hospitalisierungsdenken
Die Konkurrenzsituation zwischen den Spitälern dürfte
in der Vergangenheit zu nicht immer unbedingt nötigen oder unangemessen
langen Spitalaufenthalten geführt haben, mutmasst das Gesundheitsdepartement.
Die Neubesetzung von Chefarztposten hat innerhalb der Spitäler
zu einem Umdenken der Hospitalisierungsphilosophie geführt.
Der Staatsrat betont, dass die Zahl der von der Dienststelle genehmigten
ausserkantonalen Behandlungen stabil geblieben sei. Es sind also keine
Patienten abgewandert.
Verfehlte Spitalplanung?
Für Regionssekretär Josef Kuonen, der im Auftrag der 36
Regionsgemeinden in Brig-Aletsch-Goms das Aktionskomitee Pro Versorgungsregion
Oberwallis koordiniert, kommen die Defizite nicht überraschend. Er
verweist auf eine Publikation von Dr. Wolf Zimmerli in der Schweizerischen
Ärztezeitung. Darin geht der Experte auf die Spitalplanung im Kanton
Bern ein. Die Berner haben von 1998 bis 2000 neun kleine Akutspitäler
geschlossen oder umgewandelt. Für den gleichen Zeitraum sind die
Spitaldefizite im Kanton Bern von 192 auf 380 Millionen Franken gestiegen.
Je grösser ein Spital, desto aufwändiger werde der Patient behandelt,
schlussfolgert Dr. Zimmerli: Ein überblickbarer Betrieb arbeitet
effizienter und sparsamer.
Mit Referendum Druck machen
Das Aktionskomitee fordert deshalb den Abbruch der Spitalplanung.
Als erste Massnahme wird das Referendum gegen den Abänderungsbeschluss
des Dekrets über das Gesundheitsnetzes geprüft. Darin hat der
Grosse Rat dem Gesundheitsnetz einen Kredit von 120 Mio. zugesichert.
Gegen diesen Beschluss kann bis am 14. Oktober das Referendum eingereicht
werden. Dazu werden lediglich 3`000 Unterschriften benötigt. Damit
wäre die Spitalplanung wohl blockiert.
Drei Spitalregionen gefordert
Es gehe nicht um Blockade, sondern um eine vernünftige Spitalpolitik,
wird seitens des Briger Komitees betont. Sie haben mit spitalinteressierten
Kreisen im Unterwallis eine kantonale Initiative für eine Spitalversorgung
für alle vorbereitet. Die Initiative wird demnächst vorgestellt.
Die Stossrichtung ist bereits bekannt: Es sollen drei unabhängige
Spitalregionen mit je einem Akutspital entstehen. Für den Standort
sollen die geografische Lage und Erreichbarkeit den Ausschlag geben. Zudem
wird eine klare Kostentransparenz gefordert.
Privatklinik als Alternative?
Die Initiative bezweckt zudem die Wahrung der Interessen der Spitalgemeinden.
Die Gemeinden würden die Spitalliegenschaften sowie deren Infrastruktur
neu nur im Baurecht zur Verfügung stellen. Der Beweggrund ist klar:
Das Aktionskomitee prüft derzeit im Auftrag der Spitalgemeinden des
Briger Krankenhauses verschiedene Alternativangebote. Das stimmt.
Wir haben bereits Gespräche mit Gesundheitsökonomen und Vertretern
von Privatkliniken geführt. Dabei stehen unter anderem eine
private Geburtsabteilung sowie verschiedene Spezialdisziplinen im Vordergrund.
Ombudsstelle ab Oktober
Laut Kuonen mehren sich die Stimmen unzufriedener Patienten und Pflegenden.
Deshalb wird im Oktober eine Ombudsstelle eröffnet. Ausserhalb der
Öffnungszeiten der Ombudsstelle werden die Anrufe zur zuständigen
Ombudsperson heimgeleitet. Zur Frage, wer diese Ombudsfunktion übernehmen
soll, verriet Josef Kuonen bisher lediglich: Es handelt sich um
medizinisch kompetente Persönlichkeiten.
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Meinung interessiert uns!
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