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Niederwald / Bern / Ihre Berichte sind
häufig auf den vordersten Seiten des TagesAnzeigers platziert. Als
Bundeshausjournalistin ist Bettina Mutter tagtäglich mit der schweizerischen
Politik konfrontiert. Ich wurde bereits zu Hause am Mittagstisch
politisiert, erklärt die 39-jährige Gommerin.
Von Ruth Seeholzer
Kommt nicht in Frage. Lieber kein Foto in der Zeitung. Das
Gespräch über ihre Heimat, das Goms, und über ihren journalistischen
Werdegang war angeregt und interessant. Wenn auch mitten in der
Session nicht völlig entspannt. Doch immer offen. Es gehe
schliesslich nicht um ihre Person bei ihrer Arbeit, sondern um die Inhalte,
die sie dabei zu vermitteln versuche. Doch schliesslich willigt sie in
einen kurzen Fototermin ein, eher widerwillig, und ja nicht auf dem Bundesplatz,
nur schnell bei der Eingangskontrolle ins Bundeshaus. Ist ja wirklich
nicht wichtig, welches Gesicht sich hinter meinen Zeilen verbirgt, oder?
Ein Lehrerhaushalt
Bettina Mutter ist in Niederwald aufgewachsen. Der Vater und die Mutter
beide Lehrer. Der Vater Gemeindepräsident. Bettina liest die kleine
Niederwalder Schulbibliothek von vorne nach hinten durch, dann jene von
Fiesch. Zwar keine Ferien am Meer, aber Bücher und intensive Diskussionen
habe es in ihrer Familie immer gegeben. Und am Mittagstisch wird laut
debattiert und mitunter auch politisiert. Ich wusste schon bald,
dass ich Journalistin werden möchte. Die Mutter schrieb früher
selber Kolumnen für den Walliser Boten. Die pädagogische Matura
absolviert Bettina in Brig, zuerst im Internat, doch bald danach in einer
Wohngemeinschaft. Wegen der grossen Unabhängigkeit. Der Abstecher
an die Universität in Fribourg bleibt kurz, über Umwege sucht
sie den Weg in den Journalismus, sie arbeitet als Bibliothekarin an der
Universitätsbibliothek in Bern, schreibt nebenbei und sie engagiert
sich für feministische und umweltpolitische Anliegen.
Die Chance packen
Als der Walliser Bote anfangs der Neunziger Jahre eine Praktikantin
sucht, meldet sie sich spontan. Sie wollten mich nicht was
ich sehr gut verstehen kann. Als Kolumnistin darf sie dennoch ab
und zu einen Beitrag im Walliser Bote publizieren. Einige Zeit später
bekommt sie die Gelegenheit, als freie Mitarbeiterin für das Nachrichtenmagazin
Facts zu schreiben. Geschichten über den Wolf, die Walliser Aprikosen
oder etwa den Hotelbau von Peter Bodenmann kommen in der Redaktion in
Zürich gut an. Bei der Überschwemmung in Brig kann Bettina Mutter
ihre Berichte in rund einem Dutzend Schweizer Zeitungen publizieren. Als
Facts ihr schliesslich eine Festanstellung in Zürich anbietet, überlegt
die junge Journalistin nicht lange. Danach folgen Stationen beim Schweizer
Fernsehen und wieder beim Facts. Seit letztem Juni arbeitet Bettina Mutter
als Bundeshausredaktorin für den TagesAnzeiger.
Vielleicht ein Traumberuf?
In unserem Team kommt es nicht drauf an, ob du eine Frau oder
ein Mann bist. Wir haben alle dasselbe Anliegen: Kritische Distanz wahren
und dann eine gute Zeitung machen. Für Bettina Mutter muss
eine Journalistin als Voraussetzung eine gewisse Stress-Resistenz und
Akribie mitbringen. Dass sie oder er im gegebenen Moment keinerlei
Beisshemmungen haben darf, ist selbstverständlich. Mutter sieht
die Presse nicht nur einfach als Informationskanal, sondern vor allem
als kritische Instanz. Was die Medien lange genug schreiben, wird
wahrgenommen und wahr. Das darf kein Medienschaffender vergessen.
Vor allem nicht in einer Zeit, wo es politisch drunter und drüber
geht. Mutters Arbeitstage sind mitunter lang. Doch die Arbeit macht
ihr enormen Spass. Ich habe nie nach der Kategorie Traumberuf
getrachtet aber vielleicht kommt Journalistin sein dem tatsächlich
nahe. Selbst dann, wenn der letzte Buchstabe manchmal erst abends
um 22 Uhr getippt ist.
Ihre
Meinung interessiert uns!
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