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Die Schweiz ist ein reiches Land. Eine
Tatsache, mit der unsere Generation aufgewachsen ist. Ich erinnere mich
noch, als bei uns zu Hause der Fernseher Einzug hielt. Ende der Sechziger
Jahre wars. Wir waren die ersten im Quartier. Die Nachbarn kamen vorbei,
um auch ein bisschen was von den laufenden Bildern zu ergattern. Damals
war Fernsehen noch ein soziales Ereignis. Alles und jedes wurde kommentiert.
Viel Gelächter und Geschrei erfüllte die gute Stube. Doch das
hörte sehr bald wieder auf. Jeder und jede hatte nun den eigenen
Fernseh-Kasten. Danach kamen die Autos. Bald gehörte es zum guten
Ton, dass jede Familie eines besass. Als nächstes waren die Ferienreisen
dran Mallorca, Rimini und Lido di Jesolo liefen jeder Alphütte
den Rang ab. Und es ging immer weiter aufwärts in der Luxusspirale.
Vergessen die Zeiten, als viele Küchen noch mit einem Landboden ausgestattet
waren, als bis zu drei Geschwister ein Bett teilen mussten, als eine höhere
Ausbildung für keines der Kinder drin lag. Doch als in den Neunziger
Jahren des letzten Jahrhunderts die Arbeitslosenzahlen plötzlich
in die Höhe schnellten, erwachten einige abrupt aus dem reichen
Traum. Arbeitsplatzsicherheit musste man nun wieder mit einem Fragezeichen
versehen. Und das Wort Armut fand seinen Weg in die Schlagzeilen.
Doch eigentlich wollte niemand der Sache so recht auf den Grund gehen.
Diejenigen, die zur Armutsrisikogruppe gehörten (Arbeitslose, geschiedene
oder ledige Mütter etc.), hatten genug mit sich selber zu tun. Und
allen anderen ist das Wort Armut auch heute noch ein Gräuel.
Als ob die Armut eine ansteckende Krankheit wäre. Dabei wachsen auch
heute noch bei uns Tausende von Kindern in Armut auf. Ein Teufelskreis,
aus dem sie auch im Erwachsenenalter kaum ausbrechen können. Die
Nicht-Armen sind gefordert. Zum Beispiel am nächsten Sonntag, dem
internationalen Tag der Armen...
Ihre
Meinung interessiert uns!
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