D i e   a u f l a g e s t ä r k s t e   Z e i t u n g   d e s   O b e r w a l l i s

      
German Escher
Die Zerreissprobe

 

Seit letzter Woche wissen wir es: Der Spitalstreit geht in eine neue Runde. Die Initiative „Pflege für alle“ ist angeschoben. Die Sammlung der benötigten 4000 Unterschriften kann beginnen. Und das Unterfangen wird gelingen. Zu gross ist der Unmut in den von der Spitalplanung benachteiligten Regionen. Zu gross die Verunsicherung beim Personal und Patienten. Aber all das muss noch lange nicht heissen, dass die Initiative vor dem Wahlvolk auch eine Chance haben wird.

Tatsache ist: Die staatsrätliche Spitalplanung ist über weite Strecken berechtigt. In der Umsetzung fehlt aber das Fingerspitzengefühl. Statt die gut funktionierenden und kostenbewusst geführten Oberwalliser Krankenhäuser unter einem (organisatorischen) Dach schrittweise zu verbessern, fuhr die Kantonsregierung gleich mit dem Bulldozer durch die Spitallandschaft. Zurück blieben unerwartete Defizite und grosse Gräben, in denen sich die verschiedensten Interessensvertreter verschanzen. Dazu gehören auch die gar spät erwachten Protagonisten der nun lancierten Initiative, die mit ihrem Volksbegehren den selben Fehler machen – im irren Glauben, ihrer Region (Brig-Goms, Martinach, Monthey) einen Dienst zu erweisen. Wer per Volksentscheid die Abwertung der Spitäler von Siders und Visp verlangt, darf nicht erwarten, dass eine solche Vorlage westlich der Kehrichtverbrennungsanlage von Gamsen überhaupt noch eine Chance hat. Hier nämlich tut sich in beängstigender Weise immer mehr ein Graben auf, der das Oberwallis entzweit. Das ist nicht gut, aber auch zu erklären. Im Verteilkampf zwischen der Lonza- und der Simplonstadt ging das Briga dives oft leer aus. Manche Beschlüsse – etwa beim Bahnhof – sind nachvollziehbar. In anderen Fällen – etwa bei den Spitälern – überzeugten die sachlichen Argumente weniger.

Die Tatsache, dass der obere Teil des Oberwallis im Staatsrat keine Stimme hat, mag eine Erklärung dafür sein. Wer dem Oberwallis weitere harte Zerreissproben ersparen will, sollte deshalb für die nächste Staatsratswahl zumindest eine gerechte geografische Verteilung der Kandidaten prüfen...

 

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