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RZ-Augenschein im Walliser Krematorium in Sitten
Asche zu Asche, Staub zu Staub

 

Sitten / Waren früher Erdbestattungen die Regel, werden heute mehr und mehr Menschen nach ihrem Tod kremiert. Im Oberwallis trifft dies bereits auf rund sechzig Prozent der Verstorbenen zu. Grund genug für die RZ, einen Blick hinter die Mauern des Sittener Krematoriums zu wagen.

Von Markus Pianzola

„Krematorium der Stadt Sitten“ steht in französischer Sprache beim eisernen Tor am Eingang geschrieben. Das äussere Erscheinungsbild erinnert eher an ein Fabrikgebäude. Trotzdem kommt vor dem Betreten des Gebäudes ein mulmiges Gefühl auf. Was erwartet den Besucher im Inneren?

Gespenstisches Szenario
Als erstes betritt man einen grösseren Vorraum. Er wirkt leer, nur auf einem Regal zum Abholen bereit gestellte Urnen erinnern daran, dass man sich in einem Krematorium befindet. Weiter geht’s durch einen kleinen Gang in Richtung Verbrennungsofen. Von weitem ist leise Musik zu hören. Auf dem Weg befindet sich ein Kühlraum, hier werden die von den verschiedenen Bestattungsunternehmen angelieferten Särge bis zur Kremierung aufbewahrt und konserviert. Das Szenario wirkt ein wenig gespenstisch, unwirklich. Schlussendlich im Raum mit dem Verbrennungsofen angekommen, macht sich zuerst ein wenig Enttäuschung breit. Mitten im Raum steht der grosse Ofen, daneben das Kontrollpult mit diversen Schaltern und Messgeräten. Ansonsten wirkt der Raum leer und kalt. Kein besonderer Geruch oder ähnliches.

Täglich mit dem Tod konfrontiert
„Die Leute haben oft total falsche Vorstellungen von einem Krematorium“, erklärt der Verantwortliche. „Es steht jedem frei, uns hier einmal nach Voranmeldung einen Besuch abzustatten und sich ein Bild zu machen.“ Luyet ist sein Name, mehr will er nicht verraten. Ist es nicht komisch, tagtäglich mit dem Tod konfrontiert zu werden? „Man darf das alles nicht zu sehr an sich herankommen lassen, sonst macht man diese Arbeit nicht lange“, verrät er. Sagts und nimmt ein kleines Blatt Papier zur Hand. „Das ist es, was für mich zählt“, sagt er lächelnd. Auf dem Zettel sind die wichtigsten Angaben wie Name, Alter, Name des Bestattungsunternehmens sowie, sehr wichtig, die Identifikationsnummer der zu kremierenden Verstorbenen vermerkt. Sind also alles nur Nummern für ihn? Jetzt wird er doch ein wenig nachdenklich: „Mühe habe ich eigentlich nur, wenn kleine, weisse Särge gebracht werden. Diese Kleinkinder haben vom Leben gar nichts gesehen. Solche Fälle geben mir schon manchmal zu denken.“

Nicht beängstigend, eher irreal
Rund eine Stunde und fünfzehn Minuten, bei 900 bis 1’000 Grad Celsius, dauert eine Kremierung. Ausnahmen bestätigen die Regel. „Es ist schon vorgekommen, dass die Verbrennung bei besonders schwergewichtigen Personen bis zu zweieinhalb Stunden gedauert hat“, erzählt er von seinen Erfahrungen. Durch ein winziges Guckloch kann der Verbrennungsvorgang beobachtet werden. Gerade ist zu sehen, wie ein menschliches Skelett langsam aber sicher zu Asche wird. Das Ganze wirkt befremdend, nicht beängstigend, eher irreal. Nach erfolgter Kremierung lässt man die Asche vor dem Abfüllen in die Urne eine halbe Stunde abkühlen. Damit endet auch unser Besuch im Krematorium unserer Kantonshauptstadt. Um einiges Wissen reicher und auch um einige Vorurteile ärmer, verlassen wir den Ort des Geschehens.


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