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Oberwallis / Sitten / Die Gemeinderatswahlen
stehen vor der Tür. Immer schwieriger wird es, Interessenten für
das nicht mehr so attraktive Amt als Gemeinderat zu gewinnen. Eigentlich
wäre das jetzt der Zeitpunkt für die Frauen, aufzutrumpfen.
Von Ruth Seeholzer
Es ist eine gute Erfahrung für mich, erklärt Marina
Zurbriggen mit einem Lächeln. Die junge Gliserin ist auf der Gemeinderatsliste
der CSPO Brig-Glis-Gamsen-Brigerbad. Mit erfrischender Unbekümmertheit
hat sie auf Anfrage der Partei zugesagt, auf die Liste zu gehen. Sie glaubt
zwar nicht ganz daran, gewählt zu werden. Doch immerhin werde
ich der Partei ein paar Stimmen bringen, ist die 19-Jährige
überzeugt. Ihr ist es wichtig, dass mehr Junge und mehr Frauen in
den politischen Gremien vertreten sind.
Keine Selbstverständlichkeit
Marina Zurbriggen ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt.
Über ein Drittel der Walliser Gemeinden haben immer noch keine einzige
Frau in ihrem Gemeinderat. Beim Präsidenten-Amt sieht es noch viel
prekärer aus: Gerade mal sechs Frauen sind es, die momentan im Oberwallis
die Geschicke ihrer Gemeinde leiten. Und wenn man Ausschau hält nach
Walliser Gemeinden, bei denen die Frauen im Gemeinderat in der Überzahl
sind, dann braucht man keinen einzigen Finger mehr zum Zählen.
Dass Politisieren auch Frauensache ist, war lange keine Selbstverständlichkeit.
Auf schweizerischer Ebene können Frauen erst seit rund dreissig Jahren
in politische Ämter gewählt werden und selbst wählen. Männern
steht die direkte Demokratie seit mehr als 150 Jahren offen.
Die Parteien sind gefordert
Heute seien vor allem die Parteien gefordert, erklärt Sylvie
Zumofen-Jung vom Walliser Gleichstellungsbüro. Die Parteien
fördern die Frauen zu wenig, ist die Familienfrau, die im Leukerbadner
Gemeinderat sitzt, überzeugt. Darum fordert sie eine Listenquote.
Das heisst, dass zum Beispiel jede Partei mindestens fünfzig Prozent
Frauen auf ihrer Liste haben müsste. Eine Untersuchung des Gleichstellungsbüros
beweist: 75 Prozent der Frauen, die auf den Listen waren, wurden in den
letzten Gemeinderatswahlen auch gewählt. Quoten waren jedoch seit
jeher unbeliebt und wurden immer wieder abgelehnt. Doch auch da wehrt
sich Sylvie Zumofen-Jung: Wir haben schon häufig Quoten, doch
nicht unbedingt geschlechts-
spezifisch. Es gibt Klauseln betreffend den Sprachregionen, zum Beispiel
bei Staatsratswahlen, wo nur ein Staatsrat pro Bezirk gewählt werden
darf. Das Walliser Gleichstellungsbüro startete auf die Gemeinderatswahlen
hin eine Aktion. In einer Broschüre wurden die Ortsparteien aufgefordert,
Frauen auf die Listen zu setzen. Obs bei diesen Wahlen wirken wird,
wird sich am 5. Dezember herausstellen
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