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Steg / Sitten / Die
Abstimmung über den Neuen Finanzausgleich, harte Budgetdikussionen
und schwierige Staatsratswahlen für die CSPO: Gründe genug,
für ein Interview mit Staatsrat Wilhelm Schnyder.
Von German Escher
Walter Bellwald
Am 28. November stimmen
wir über den Neuen Finanzausgleich ab. Ist der Walliser Finanzminister
bei einem Ja seine Sorgen los?
Ein Finanzminister ist nie alle Sorgen
los. Hat der Finanzminister zuwenig Geld, hat er Probleme. Und hat er
genügend Finanzmittel, hat er noch mehr Probleme.
Konkret: Wieviel Geld
steht beim neuen Finanzausgleich fürs Wallis auf dem Spiel?
Da standen ja bisher unterschiedlichste
Zahlen im Raum. Ursprünglich war von 170 Millionen die Rede und dann
in der Botschaft ans eidgenössische Parlament warens noch 125 Millionen,
die das Wallis mehr bekommen sollte. Jetzt sind es noch 36 Millionen Franken.
Warum das?
Massgebend sind die finanziellen
Ressourcen eines Kantons. Das Wallis ist zwischen der ersten und der dritten,
neuesten Globalbilanz in seinem Resourcenindex stark gestiegen. Andere
Kantone wie Zürich und Genf hatten eine Abflachung. Das bedeutet:
Die Geberkantone zahlen weniger ein, Bezügerkantone erhalten aber
auch weniger.
Bekommt das Wallis vom
Neuen Finanzausgleich genug?
Das Wallis ist kein Profiteur-Kanton.
In der Statistik über die Verteilung der Bundesgelder an die Kantone
ist das Wallis an 10. Stelle und damit knapp über dem schweizerischen
Durchschnitt. Es stimmt, dass 40 Prozent unserer Budgeteinnahmen vom Bund
stammen. Ein grosser Teil geht direkt weiter an die Bürgerinnen und
Bürger, beispielsweise 120 Millionen zur Subventionierung der Krankenkassenbeiträge
oder 110 Millionen Direktzahlungen an die Landwirte.
Und die Nationalstrassengelder?
Das Wallis hat einen hohen Motorisierungsgrad.
Wir sind notgedrungen viel im Auto unterwegs und zahlen entsprechend Treibstoffzollbeiträge
in die Bundeskasse. Das heisst: Die Walliser Automobilisten haben die
Nationalstrasse schon längst vorausbezahlt.
Nicht nur Geld, sondern
auch Kompetenzen werden zwischen Bund und Kanton neu verteilt. Kritiker
befürchten bereits einen Sozialabbau.
Die jüngste Vergangenheit zeigt,
dass der Bund hier so oder so Kürzungen vornimmt. Der Kanton Wallis
ist in die Bresche gesprungen und hat zusätzlich Millionen Franken
gesprochen.
Bei der Budgetberatung
sind Sie heftig kritisiert worden: Die Sparmassnahmen würden zu wenig
konkret umgesetzt?
Die Zahlen belegen das Gegenteil:
Im Vergleich zum Budget 2004 sind die Verwaltungsausgaben zwar um rund
30 Millionen angestiegen. Aber allein im Gesundheits- und Sozialwesen
sowie bei den Pensionskassen betragen die Mehrausgaben über 30 Millionen.
Nur schon in diesen Bereichen sind die Zusatzaufwendungen wesentlich höher
als die Mehrausgaben insgesamt. Das zeigt: Andernorts haben wir kräftig
gespart. Der Staatsrat ist der Finanzkommission auch gefolgt und hat nochmals
zehn Millionen eingespart. Weitere Einsparungen sind nicht mehr vertretbar.
Darunter hätten wichtige zentrale Anliegen des Oberwallis gelitten.
Zum Beispiel?
Der Staatsrat hätte den Betrag
von zehn Millionen Franken zur Sanierung von Oberwalliser Gemeinden wohl
gekürzt.
Hand aufs Herz: Sind
Sie froh, dass dies Ihr letztes Budget war, welches Sie vor dem Grossen
Rat durchboxen mussten?
Überhaupt nicht. Ich habe die
Auseinandersetzung um ein Budget, bei dem es immerhin um vier Milliarden
Franken geht, immer als spannende Aufgabe empfunden.
Eine erneute Staatsratskandidatur
auch im zweiten Wahlgang ist definitiv kein Thema?
Der Schlusspunkt ist absolut zeitgerecht.
Einmal weil zwölf Jahre genug sind und weil ich letztes Jahr die
Auszeichnung als bester Finanzminister der Schweiz und 2004 dasselbe für
die letzten fünf Jahre der Westschweiz erhielt.
Aber Sie könnten
der Retter in der Not sein. Die CSPO steht mit dem Rücken zur Wand?
Die CSPO hat gute Staatsratskandidaten
zum Beispiel Fredy Huber, ehemaliger Gemeindepräsident in
Fiesch, Michael Zurwerra, Gemeindepräsident in Ried-Brig, Franz Michlig,
Dienstchef beim Staat Wallis, Urs Zenhäusern, Direktor Wallis Tourismus
oder René Imoberdorf, Gemeindepräsident in Visp.
Diese passen nicht ins
strategische Strickmuster. Die CVP Wallis will keinen CSPO-Mann auf der
Liste.
Der Unterwalliser CVP-Präsident
will tatsächlich die Gelben nicht. Sein Argument: Die CVP Wallis
wolle nicht mit 50 Prozent der Stimmen 80 Prozent der Sitze beanspruchen.
Aber er möchte mit weniger als 40 Prozent der Stimmen die Mehrheit
in der Walliser Regierung haben. Und für die CVP Unterwallis, deren
Wähleranteil bei etwas über 20 Prozent liegt, möchte er
40 Prozent der Sitze, nämlich zwei Staatsräte. Diese Politik
mag für die Wahlen 2005 noch stimmen. Aber 2009 wird diese Strategie
nicht mehr aufgehen, weil dann die SP Unterwallis den Staatsratssitz beanspruchen
wird. Und dann sollte sich das Oberwallis, wo immerhin 33 Prozent der
Wähler wohnen, mit nur einem Staatsrat zufrieden geben? Wohl kaum.
Deshalb gibt es Leute in meiner Partei, die bereits heute sagen: 2009
braucht es eine Liste mit einem guten Regierungsprogramm, auf das sich
die SP, FDP und die Oberwalliser C-Parteien verpflichten. So liessen sich
die zwei Oberwalliser Staatsratssitze garantieren. Dann würde die
CVP Unterwallis mit etwas über 20 Prozent Wähleranteil nicht
mehr 40 Prozent der Sitze bekommen.
Das werden Ihre Schwarzen
Staatsratskollegen aber nicht gerne lesen...
... das mag sein. Aber es wird sie
2009 wohl kaum mehr persönlich betreffen. Ich war immer der Meinung:
Selbst für drei Staatsratssitze müssten die C-Parteien geschlossen
marschieren. Dann kann man bei 50 Prozent Wähleranteil auch die Mehrheit
in der Regierung beanspruchen.
Bleiben wir vorerst
bei den Staatsratswahlen 2005: Eine CSPO-Allianz mit SP und FDP ist ausgeschlossen.
Also bleibt nur noch der Alleingang mit der CSP Unterwallis?
Diese Eintschätzung trifft zu.
Dann sind die Wahlchancen
aber sehr bescheiden.
Auch das trifft zu.
Also wirds schwierig,
einen Kandidaten zu finden.
Trifft nur bedingt zu. Kandidaturen
ohne Risiken gibt es nicht. Auch ich habe in meiner Vergangenheit verschiedentlich
erfolglos kandidiert beispielsweise für den Natio-nalrat.
In der Politik muss man auch nach dem Motto handeln: Dem Mutigen gehört
die Welt.
Falls die CSPO nach
dem Nationalratsmandat auch noch den Staatsratssitz verliert, steht ihr
eine harte Durststrecke bevor. Ist es Zeit über eine Fusion mit der
CVPO nachzudenken?
Die beiden C-Parteien decken verschiedene
Sensibilitäten ab. Die Fusion der CSPO mit der CVPO wäre ein
Schwächung fürs Oberwallis. Nach 2009 werden wohl einzig die
beiden C-Parteien dem Oberwallis die beiden Staatsratssitze garantieren.
Lokal mag ein Schulterschluss gelegentlich Sinn machen, aber insgesamt
wäre es für beide Parteien eine Schwächung. Und was die
CSPO betrifft: Die CVPO demonstriert, wie man in der Opposition politisieren
und erstarken kann.
Es geht ja nicht nur
um die CSPO, sondern um die Oberwalliser Vertretung. Wie gefährdet
ist der SP-Staatsrat Thomas Burgener?
Jede Kandidatur birgt Gefahren. Es
hängt von Allianzen und anderen Kandidaten ab beispielsweise
von der SVP.
Bleiben wir trotzdem
bei folgendem Szenario: Würde Jean-Michel Cina als einziger Oberwalliser
in den Staatsrat gewählt, wäre der Kantonsteil oberhalb von
Leuk eine weisse Fläche. Was würde das für unseren Kanton
bedeuten?
Das wäre schlecht für das
Oberwallis, aber auch für den ganzen Kanton. Der Verteilkampf würde
sich zuspitzen und das in einer Zeit, in der die Unterwalliser
Abgeordneten immer mehr Mühe mit Oberwalliser Anliegen und Projekten
haben. Bei einer Untervertretung des Oberwallis sind Spannungen programmiert.
Der christlichdemokratischen Familie kann man vieles vorwerfen. Aber heute
wird deutlich: Die CVP hatte eine wichtige Klammerfunktion zwischen Ober-
und Unterwallis. Und das ist heute nicht mehr so.
Das Szenario, bei dem
sich im Oberwallis lediglich Jean-Michel Cina durchsetzen würde,
wäre aber auch für die C-Parteien ein gefährliches Spiel
und ein wahrer Steilpass an die SVP?
Das ist ein höchst gefährliches
Spiel. Deshalb begrüsse ich es auch, dass die beiden möglichen
CVPO-Staatsratskandidaten signalisieren, eine Miteinbindung der CSPO auf
einer C-Liste zu unterstützen. Das heisst aber nicht, dass die C-Parteien
gleich vier Sitze beanspruchen.
Wehrt sich die CVP Unterwallis
gegen eine gemeinsame C-Liste, weil sie um ihre Staatsräte fürchtet?
Wer die Wahllokomotive Jean-René
Fournier kennt und um die Hebelwirkung eines Vorstehers des Baudepartements
Staatsrat Jean-Jacques Rey-Bellet weiss , kommt zum Schluss,
dass diese zwei Staatsräte wohl nichts zu befürchten haben.
Seit den letzten Nationalratswahlen
ist die Walliser Parteienlandschaft nicht mehr dieselbe. Die SVP hat ein
beachtliches Wählerpotenzial und wäre bei einer Staatsratskandidatur
nicht aussichtslos?
Das mag stimmen. Die Walliser Wähler
haben ab und zu das Gefühl: Jetzt muss sich etwas ändern. Das
haben wir 1997 bei der Wahl von Peter Bodenmann in den Staatsrat das letzte
Mal festgestellt. So etwas kann sich durchaus wiederholen. Umso unverständlicher
ist es, dass man die CSPO von der Liste ausschliessen will.
Ebenso wenig nachvollziehbar
ist, dass eine national gebeutelte CVP die Chance in ihrem Stammland nicht
packt. Andernorts würden SVP oder SP wohl kaum auf die CVP Rücksicht
nehmen?
Ganz richtig. Auch Politologen sagen:
Eine Partei, die sich mit dem Erreichten zufrieden gibt, wird mittelfristig
zu den Verlierern gehören.
Als Beobachter hat man
den Eindruck: Den Oberwalliser Parteien sind die cleveren Strategen abhanden
gekommen.
1973 habe ich als Parteisekretär
in einer Bewegung begonnen, bei der damals Dr. Petrig in einer Sitzung
gesagt hat: Vor zehn Jahren hatten wir die stärkeren Leute. Solche
Einschätzungen treffen selten zu. Ich habe in meinen Ämtern
festgestellt, dass meine Nachfolger ebenso gut waren wie ich. Ich war
aber auch immer der Überzeugung, ich hatte meine Aufgabe mindestens
so gut gemacht wie meine Vorgänger... (schmunzelt).
Ihre
Meinung interessiert uns!
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