D i e   a u f l a g e s t ä r k s t e   Z e i t u n g   d e s   O b e r w a l l i s

      
Grobe Vorwürfe an Behörden nach dem Bau einer Flurstrasse in Ernen
Missbrauch von Steuergeldern?

 

Ernen / Der Bau der Flurstrasse Brunnematte – Leh in Ernen sorgt weiter für heisse Köpfe. Jetzt erhebt die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz schwere Vorwürfe an die Behörden hinsichtlich der Subventionierung der Strasse.

Von Walter Bellwald

Die Flurstrasse Brunnematte – Leh ist umstritten. Seit vier(!) Jahren kämpft der einheimische Bauer Walter Stucky gegen das seiner Meinung nach „unsinnige“ Projekt (die RZ berichtete). Ohne Erfolg. Jetzt hat die Rangelei um den Flurstrassenbau in Ernen auch die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz auf den Plan gerufen. Ihr Vorwurf: Missbrauch von Bundes- und Kantonsgeldern unter dem Deckmantel der Landwirtschaftsförderung!

Fragwürdiger Nutzen
Die Erschliessung der Flurstrasse Brunnematte–Leh kostet rund 450’000 Franken. Davon entfallen 200’000 an Bundes- und Kantonssubventionen, rund 137’000 Franken zahlen die Grundeigentümer, 100’000 Franken sind Spendegelder (Berghilfe und Coop Patenschaft) und knapp 20’000 Franken bleiben der Gemeinde an Restkosten. „Es besteht der Verdacht, dass der östliche Teil der Strasse nur gebaut wurde, um die Baulanderschliessung zu finanzieren“, erklärt Richard Patthey, stellvertretender Direktor der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SLS), gegenüber der RZ. Überdies sei der landwirtschaftliche Nutzen höchst zweifelhaft. Darum hat die SLS einen sofortigen Baustopp der Strasse gefordert und die Schweizer Berghilfe ersucht, ihren Spendebeitrag zu überdenken. „Die Schweizer Berghilfe wurde von der Gemeinde Ernen schlecht informiert. Darum haben wir sie aufgefordert, das Dossier nochmals zu überprüfen.“

Umweg statt Erleichterung
Die Flurstrasse Brunnematte–Leh dient der Erschliessung der Bauzone Brunnematte und der Landwirtschaftszone Chumma/Waldacher. Dabei führt die Strasse rund 250 Meter über das Privatgrundstück von Walter Stucky. Dieser wehrte sich gegen das Vorhaben, weil durch den Strassenbau ein Teil seines Bodens und die historische Wasserleite Chummera zerstört wurden. „Anstatt mir die Arbeit zu erleichtern, muss ich künftig einen Umweg von zwei Kilometern in Kauf nehmen, um zu meiner Stallung zu gelangen und mein Heu einzufahren. Und dafür werde ich auch noch mit 20’000 Franken zur Kasse gebeten“, ärgert sich Bauer Stucky.

Fakten überprüfen
„Die Strasse ist von öffentlichem Interesse und dient der Landwirtschaft“, widerspricht Kreisingen-ieur Gerhard Schmid vom Meliorationsamt. Der landwirtschaftliche Nutzen der Strasse sei von den kantonalen Behörden und auch vom Bundesgericht bestätigt worden und somit keinesfalls ein Missbrauch von Bundes- und Kantonsgeldern. Auch die Schweizer Berghilfe will an ihrem Beitrag für die Flurstrasse festhalten. „Unsere Experten haben unabhängig von den staatlichen Instanzen eine Beurteilung vorgenommen und das Projekt als unterstützungswürdig erachtet“, rechtfertigt sich Bal-thasar Wicki, Geschäftsführer der Schweizer Berghilfe. „Trotzdem werden wir nochmals mit der Gemeinde Ernen und den Einsprechern zusammenkommen und prüfen, ob inzwischen neue Fakten hinzugekommen sind.“ Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz bleibt indessen bei ihrem Vorwurf des Subventionsmissbrauchs. Richard Patthey von der SLS: „Ernen ist ein schlechtes Beispiel, das man im Auge behalten sollte.“

Ihre Meinung interessiert uns!


 

 

      
Heute & morgen

/

/


RZ-Newsletter
Email-Adresse eingeben und Sie werden informiert:
Suchen


Have a look at: