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Ried-Brig / Die Oberwalliser Malermeister sehen
rot: Sie sind verärgert, dass der Malerauftrag des Altersheims Ried-Brig
zu einem Dumpingpreis an ein in Zürich domiziliertes Malerunternehmen
geht, das zu einem deutschen Handwerkskonzern gehört.
Von German Escher
Die Zahlen sind eindeutig; der Preisunterschied eklatant:
Die Oberwalliser Betriebe gaben bei der öffentlichen Ausschreibung
für die Malerarbeiten des neuen Altersheims in Ried-Brig Offerten
im Bereich von 127000 bis 135000 Franken ein. Den Zuschlag
erhält nun die Heinrich Schmid AG aus dem Kanton Zürich. Sie
ist bereit, die Malerarbeiten für 99000 Franken auszuführen.
Nun läuft das Malergewerbe Sturm: Bereits beim Wiederaufbau-Projekt
in Gondo kam dieselbe Zürcher Firma zum Zug. Jetzt hat die Heinrich
Schmid AG die Malerarbeiten in Ried-Brig weggeschnappt. Und bei den nächsten
subventionierten Bauten in der Region, dem Altersheim in Naters, werde
wohl wieder dasselbe Spiel abgehen, befürchten verschiedene Oberwalliser
Malerunternehmer.
GAV nicht eingehalten?
Wir sind für einen offenen Markt aber bitte mit
gleich langen Spiessen, erklärt Anselm Mutter, Präsident
der Oberwalliser Sektion des Maler- und Gipserverbandes, der RZ auf Anfrage.
Bei solch einem Dumpingpreis kann der Gesamtarbeitsvertrag unmöglich
eingehalten werden. Allein die Reise- entschädigung und Unkosten
für Unterkunft und Verpflegung seien derart hoch, dass die Rechnung
einfach nicht aufgehen könne. Mutter verweist denn auch auf die Tatsache,
dass die Heinrich Schmid AG in keiner kantonalen Handwerksliste aufgeführt
sei. Die angegebene Selbstdeklaration des Unternehmens zweifeln die Oberwalliser
Maler an. Sie fordern deshalb eine scharfe Kontrolle und erwägen,
allenfalls gegen die Arbeitsvergabe zu rekurrieren.
Keine andere Chance
Solche Bedenken werden vom mandatierten Architekturbüro klar
entkräftet. Die eingereichten Preise, die Deklarationen und Unterlagen
der Sozialkassen- abrechnungen seien überprüft und als in Ordnung
befunden worden, betont die Bauleitung gegenüber der RZ. Wir
hätten die Arbeiten auch lieber an einen Handwerksbetrieb aus der
Region vergeben, meint Gemeindepräsident Michael Zurwerra.
Für uns war klar, dass wir die Aufträge nach den Vorschriften
des öffentlichen Beschaffungswesens vergeben müs-
sen. Wir hatten keine andere Möglichkeit. Ansonsten würde der
Kanton die Arbeitsvergabe nicht homologieren. Dass es sich bei den
Oberwalliser Betrieben um Unternehmungen handelt, die hier auch Steuern
zahlen und Mitarbeiter beschäftigen, anerkennt zwar auch die Bauherrschaft,
spielt bei der Vergabe aber keine entscheidende Rolle.
Deutscher Konzern
An der Qualität des Unternehmens mag
Zurwerra nicht zweifeln. Die Referenzliste ist lang und imposant.
Das erstaunt auch nicht, gehört die Heinrich Schmid AG doch zum gleichnamigen
deutschen Handwerkskonzern, der nebst den neunzig Filialen im eigenen
Land auch in der Schweiz, Österreich, Spanien und in den USA tätig
ist. Die Baugruppe beschäftigte letztes Jahr 2500 Mitarbeiter und
erzielte einen Umsatz von 205 Millionen Euro. Im Konkurrenzkampf gegen
solche Baukonzerne wird es für die kleinen Oberwalliser Handwerksbetriebe
immer härter. Selbst wenn GAV-konforme Löhne bezahlt werden,
haben derart grosse Baubetriebe im Bereich Wareneinkauf, Logistik, Weiterbildung
und Administration unbestrittene Vorteile gegenüber den kleinen Oberwalliser
Firmen. Da könnte die Marktöffnung und die Vorgaben des öffentlichen
Beschaffungswesens dazu führen, dass hiesige Malerbetriebe ähnlich
wie in der Elektrobranche Allianzen eingehen oder bald einmal den Pinsel
abgeben...
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