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Sestrière / Ried-Brig / Na also! Nach dem
verpatzten Slalom in Beaver Creek hat Silvan Zurbriggen (23) im italienischen
Sestrière eine Klasse-Leistung hingelegt und die Konkurrenz geschockt.
Mit einem fulminanten zweiten Lauf liess er fast alle Fahrer hinter sich
und katapultierte sich vom zehnten Zwischenrang auf den zweiten Schlussrang.
Im RZ-Frontalinterview spricht Silvan über seinen Exploit, die Stimmung
im Team und sagt: Ich bin total happy!
Von Walter Bellwald
Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Super-Auftitt
in Sestrière. Haben Sie nach Ihrer tollen Leistung gut geschlafen?
Danke, ich habe sehr gut geschlafen.
Haben Sie von Ihrem fantastischen zweiten Lauf
geträumt?
(lacht) Nein, nicht wirklich.
Noch beim Slalom-Auftakt in Beaver Creek hatten
Sie Anlaufschwierigkeiten. Was war der Grund für die Probleme in
Übersee?
Es gab zwei wesentliche Unterschiede zum Slalom in Sestrière:
Die Schneebeschaffenheit war total anders und auch das Material.
Und die Einstellung?
War eigentlich in beiden Rennen sehr gut. Ich hatte einfach grosse
Probleme mit dem Schnee in Beaver Creek und hatte schon beim Einfahren
grosse Mühe. Die Verhältnisse waren sehr speziell und alles
andere als einfach. Es gab auch sehr viele Ausfälle im Rennen und
ich hatte auch keine ideale Startnummer. Aber nichts desto trotz habe
ich versucht, das Beste aus der Situation zu machen und Gas zu geben.
Aber leider hat es nicht gereicht.
Waren Sie nach diesem Rennen verunsichert?
Nein, ich habe sofort versucht, das Rennen zu vergessen und mich auf
die nächsten Slaloms in Europa zu konzentrieren. Auch in Val dIsère
beim Abfahrtslauf musste ich mit einer hohen Nummer starten und hatte
dadurch praktisch keine Chance, nach vorne zu fahren. Es gibt nun mal
Rennen, wo die äusseren Bedingungen nicht stimmen. Wichtig ist einfach,
dass man das schnellstmöglich vergisst, sich sofort auf die nächsten
Rennen konzentriert und probiert, die nächste Chance zu packen. Ich
habe im Training immer schon sehr gute Leistungen gezeigt und darum war
ich eigentlich sehr optimistisch, dass es in einem anderen Rennen besser
geht.
Haben Sie sich speziell auf das Rennen in Sestrière
vorbereitet?
Ich habe wieder auf das alte Material zurückgegriffen. Umso überraschter
war ich, dass es gleich so gut funktionierte. Das ist nicht selbstverständlich
und konnte nicht erwartet werden.
Nach dem ersten Lauf waren Sie an zehnter Stelle.
Waren Sie zufrieden?
Ich war eigentlich ganz zufrieden mit meiner Vorstellung. Der Hang
war nicht ganz einfach zu fahren und die Unterlage war sehr eisig. Leider
ist mir im unteren flachen Streckenteil ein Fehler passiert und ich war
ein bisschen zu wenig aggressiv unterwegs, ansonsten war meine Fahrt in
Ordnung.
Haben Sie darum im zweiten Durchgang so forsch
angegriffen?
Ich hatte nichts zu verlieren und habe versucht, meine Leistung vom
Training im Rennen umzusetzen. Das ist mir auch durchaus gelungen.
Hatten Sie bei der Zieldurchfahrt ein gutes Gefühl?
Als ich über die Ziellinie gefahren bin, habe ich sofort auf
die Anzeigetafel geschaut. Es war ein wunderschönes Gefühl,
endlich einmal vor der Zeitangabe ein Minus zu sehen und nicht immer ein
Pluszeichen. Als ich das registriert habe, war ich total happy und empfand
eine Riesenfreude.
Im 2. Lauf haben Sie sogar dem Klasse-Mann Bode
Miller 0,22 Sekunden abgenommen. Hat Ihnen Bode zu diesem Super-Lauf gratuliert?
Ja, er hat mir nach dem Rennen gratuliert...
Was hat er Ihnen gesagt?
Er hat anhand meiner Laufzeit mitbekommen, dass ich eine guten Lauf
hingelegt habe und bis zu seiner Fahrt an der Spitze des Klassements war.
Auch zur Laufbestzeit im zweiten Durchgang hat er mir anerkennend gratuliert.
Bode ist ein sehr lustiger Typ und wir kommen sehr gut miteinander aus.
Und Ihre Teamkollegen, wie haben die auf Ihren
Exploit reagiert?
Die waren alle schon auf dem Heimweg, noch bevor das Rennen fertig
war. Urs Imboden habe ich noch im Zielraum angetroffen und er hat sich
riesig mit mir gefreut.
Hand aufs Herz, haben Sie sich dieses Resultat
zugetraut?
Ich bin eigentlich schon in Beaver Creek mit grossen Erwartungen an
den Start gegangen. Leider hat es nicht geklappt. Darum habe ich probiert,
ruhig zu bleiben und weiterhin an meine Stärken zu glauben. Dass
es schlussendlich so schnell klappte, hätte ich nicht gedacht.
Wie haben Sie gefeiert?
Ich habe zusammen mit meinem Servicemann Bod-Bescar Robert, dem Herrenchef
Ruffener und Hans Spring eine Champagnerflasche geköpft.
Ihr neuer Servicemann hat sich mächtig mit
Ihnen gefreut...
Er hat mir erzählt, dass er über meinen Erfolg so gerührt
war, dass er nach dem Rennen weinen musste. Er war vorher Servicemann
von Fritz Strobl und musste seither lange auf einen Podestplatz warten.
Nach meinem Rennen war er so überwältigt, dass er seinen Tränen
freien Lauf liess.
Wie lange haben Sie gefeiert?
Ungefähr bis Mitternacht. Ich bin erste gegen 23 Uhr von der
Dopingkontrolle ins Hotel zurückgekommen. Da haben wir zusammen gegessen
und ein bisschen gefeiert.
Die neu formierte Slalomgruppe unter Sepp Brunner,
dem früheren Privattrainer von Sonja Nef, scheint Ihnen mächtig
Auftrieb zu geben?
Es ist natürlich ein grosser Vorteil, dass ich nicht mehr allein
trainieren muss, obwohl ich auch in der letzten Saison sehr konstant gefahren
bin und sechsmal unter die besten Zehn kam. Vielfach fehlte auch ein Quäntchen
Glück, dass ich nicht aufs Podest gekommen bin. Jetzt hat es endlich
einmal gereicht.
Was ist das Geheimrezept der Slalomtruppe?
Wir sind eine sehr harmonische Truppe und können von der Erfahrung
Sepp Brunners viel profitieren. Mit Daniel Albrecht, Raphael Fässler
und Urs Imboden habe ich Leute um mich, die mich nach vorne pushen.
Am Wochenende finden die nächsten Rennen
In Val Gardena statt. Bestreiten Sie sowohl den Super-G wie auch die Abfahrt?
Nein. Geplant sind nur die beiden Abfahrtstrainings auf der Saslong.
Ich bin noch nie in Val Gardena gefahren und probiere, mich langsam an
die Piste heranzutasten. Alles weitere wird fortlaufend entschieden.
Ist mit Silvan Zurbriggen früher oder später
auch in der Abfahrt zu rechnen?
Es ist noch ein bisschen früh, mich in den schnellen Disziplinen
mit den Besten zu messen. Vor allem in der Abfahrt zählt die Erfahrung
und Routine, und da muss ich noch hart an mir arbeiten. Darum fahre ich
in Val Gardena, um mir eine gewisse Erfahrung anzueignen. Natürlich
möchte ich künftig auch in den schnellen Disziplinen mithalten.
Aber das braucht eine gewisse Zeit und Geduld.
Sie haben in der laufenden Saison noch keinen
Riesenslalom bestritten. Werden Sie am kommenden Montag in Alta Badia
an den Start gehen?
Nein, ich habe sehr schlechte Punkte im Riesenslalom und muss mich
diesbezüglich stark verbessern. Dazu kommt, dass ich im Riesen momentan
zu wenig in Form bin. Aber ich hoffe, dieses Manko noch wettmachen zu
können. Der Riesenslalom ist eine sehr wichtige Disziplin und ich
möchte wieder mehr trainieren. Aber momentan fehlt mir schlicht die
Zeit, weil ich zuviel in die anderen Disziplinen investiere.
Stimmt Ihr Fahrplan im Hinblick auf die Weltmeisterschaften
in Bormio von Ende Januar?
Doch, ich bin bis jetzt sehr zufrieden und ich hoffe, dass es im gleichen
Rahmen weitergeht. Dann ist in Bormio alles möglich.
Nach den Rennen in Italien gehts nach Flachau,
bevor Sie über die Feiertage eine kurze Pause einschalten können.
Verbringen Sie die Feiertage zu Hause bei Ihrer Familie?
Ja, ich werde die Feiertage bei meiner Familie verbringen. Aber ich
muss am 26.Dezember wieder einrücken,weil am 29. Dezember in Bormio
die Abfahrt auf dem Programm steht. Darum bleibt mir nicht viel Zeit,
die Festtage zu geniessen.
Was wünschen Sie sich auf Weihnachten?
Gesundheit. Das ist die wichtigste Voraussetzung, um Leistung zu bringen
und zufrieden zu sein.
Ihre
Meinung interessiert uns!
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