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Managementplan für das Unesco-Weltnaturerbe Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn beim Bund eingereicht
„Entwicklung kontrovers diskutieren“


 

Naters / Die Projektleitung reicht zum Jahresende den Entwurf des Managementplanes für die Unesco-Weltnaturerbegebietes Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn beim Bund ein. Als nächstes sollen Kerngruppen die Umsetzung einzelner Projekte vorbereiten. Dabei müsse die nachhaltige Entwicklung zwischen Schützer und Nutzer kontrovers diskutiert und definiert werden, erklärt Projektleiter Beat Ruppen gegenüber der RZ. Die von den Bergbahnen gewünschte Verbindung von der Riederalp zur Belalp dürfte zum Fallbeispiel werden.

Von German Escher

Das Spannungsfeld ist abgesteckt: Die Umweltverbände bemängeln den ungenügenden Schutz. Für den Bundesrat ist das Weltnaturerbe ausreichend geschützt. Die Touristiker wünschen sich bessere Erschliessungen und eine Vermarktung. Der Managementplan, der nun im Entwurf vorliegt, liefert erste Antworten. „Der Managementplan ist kein Schutzkonzept, sondern soll den Weg in Richtung nachhaltiger Entwicklung aufzeigen“, erklärt Projektmanager Beat Ruppen gegenüber der RZ. Zum einen dokumentiert das umfangreiche Dossier den Ist-Zustand in der Naturlandschaft, aber auch im Kultur- und Wirtschaftsraum Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn. Zum anderen werden die im Rahmen verschiedener Foren gemeinsam mit interessierten Kreisen aufgearbeiteten 21 Themenbereiche und die dazugehörenden Massnahmen dargelegt und das weitere Vorgehen erörtert. Über Kerngruppen will man die nach Prioritäten festgelegten Projekte angehen und umsetzen. Dazu gehören beispielsweise die integrale Verkehrsgestaltung oder gelenkte Outdoor-Aktivitäten ebenso wie touristische Angebotsgestaltung. Aber Beat Ruppen warnt vor falschen Erwartungen: „Natürlich haben wir ein Interesse an der Förderung des rentablen, naturnahen Tourismus, der sich an den Natur- und Kulturwerten orientiert. Dies ist auch ganz im Sinne des Unesco-Weltnaturerbes. Aber wir sind keine Vermarktungsorganisation.“

„Ein ständiger Prozess“
Im Zentrum des Unesco-Weltnaturerbes steht die nachhaltige Entwicklung. Nachhaltig bedeutet dass naturschützerische Gedanken, wirtschaftliche Argumenten und gesellschaftspolitische Aspekten ge-genübergestellt werden müssen. „Es ist wichtig, dass die einzelnen Themen kontrovers diskutiert und ausgehandelt werden. Nur so kann eine nachhaltige Entwicklung ausgelöst werden“, ist Ruppen überzeugt. „Wir alle müssen begreifen, dass das Weltnaturerbe unser Erbe ist. Das ist ein ständiger Prozess.“ Gerade deshalb hat das Unesco-Projektmanagement die Themen und Massnahmen gemeinsam mit interessierten Kreisen erarbeitet. Der Gedanke der Partizipation und Mitsprache liegt auch der nun folgenden Umsetzung zu Grunde. Diese Arbeitsweise mag zwar etwas langatmig erscheinen. Aber umso grösser ist laut Ruppen der spätere Rückhalt in der Bevölkerung. Denn für ihn ist klar: Nachhaltige Entwicklung ist keine Aufgabe von zwei oder drei Jahren, sondern eine permanente Herausforderung für zwanzig Jahre.“

Bahnprojekt als Fallbeispiel
Was noch sehr theoretisch klingen mag, dürfte in den nächsten Monaten zur konkreten Herausforderung werden. „Das Bahnprojekt zwischen Riederalp und Belalp wird zum Fallbeispiel“, ist Projektmanager Beat Ruppen überzeugt. Er begrüsst deshalb die frühe Integration der Naturschutzkreise in das Vorhaben. Ob das Vorhaben aus der Sicht des Unesco-Weltnaturerbes realisiert werden kann, will Ruppen derzeit bewusst offen lassen. „Das Unesco-Weltnaturerbe hat keinen rechtsverbindlichen Schutz zur Folge. Entscheidend ist die nationale Gesetzgebung.“ In diesem konkreten Fall sind es die Schutzbestimmungen des Bundesinventars der Naturdenkmäler und Landschaften von nationaler Bedeutung (BLN). Das geplante Bahnprojekt tangiert dieses BLN-Gebiet. Allerdings: Laut Natur- und Heimatschutzgesetz soll für BLN-Objekte „die ungeschmälerte Erhaltung oder aber grösstmögliche Schonung“ angestrebt werden. Hier wird es letzten Endes also um eine Interessensabwägung gehen. Der absolute Schutz darf nämlich nur zugunsten eines anderen ebenfalls national bedeutungsvollen Projekts gelockert werden.

Selbst wenn das Unesco-Label rechtlich nicht bindend ist, unterstreicht es doch die Bedeutung des Gebietes und beinhaltet laut Ruppen die ideele Verpflichtung, das Gebiet den kommenden Generationen ungeschmälert zu vererben.

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