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Daniel Albrecht, Skirennfahrer
„Die WM ist mir nicht allzu wichtig“


 

Fiesch / Mit dem vierten Rang in der Super-Kombination in Wengen meldete er seine Ambitionen im Weltcup-Zirkus an und erregte Aufsehen. Der junge Fiescher Daniel Albrecht (21) ist eine der Schweizer Nachwuchshoffnungen und kann an der WM in Bormio völlig unbelastet an den Start gehen. Im RZ-Frontalinterview spricht er über seine Ziele, nimmt Stellung zur momentanen Schweizer Baisse und sagt: „Die Meinung der Medien ist für mich zweitrangig!“

Von Walter Bellwald
Markus Pianzola

Mit dem vierten Rang in der Super-Kombination (ein Slalomlauf und ein verkürzter Abfahrtslauf) in Wengen haben Sie Ihr bisher bestes Ergebnis im Weltcup eingefahren. Kommt Ihnen die neue Disziplin entgegen?
Mir gefällt die neue Disziplin sehr gut, weil ich sowohl gerne Abfahrt als auch Slalom fahre. Entsprechend fiel auch meine Rangierung im ersten Rennen der Super-Kombination aus.

Ist es gewöhnungsbedürftig, nur einen Slalomlauf zu fahren?
Das ist nicht weiter tragisch. Wenn man zwei Slaloms fahren kann, kommt das eher den Technikern entgegen. Bei nur einem Slalomlauf in der Kombination werden eher die Abfahrer bevorteilt. Aber letztendlich muss man eh in beiden Disziplinen Resultate bringen.

Wie schwierig ist es für einen Fahrer, sich innert weniger Stunden von einer technischen auf eine schnelle Disziplin umzustellen?
Wenn man alle vier Disziplinen fährt, ist das überhaupt kein Problem. Schwieriger ist es für einen Fahrer, der nur eine Spezialdisziplin fährt. Da kann es schon zu gewissen Anpassungsschwierigkeiten kommen.

In Wengen fehlten Ihnen nur gerade vier Zehntelsekunden für einen Podestplatz. Hat Sie das geärgert?
Nein, nicht unbedingt. Ich bin mit dem vierten Platz sehr zufrieden. Es war für mich nicht ganz einfach, weil ich in diesem Winter erst zum zweiten mal einen Abfahrtslauf gefahren bin. Darum war es für mich schwierig abzuschätzen, wo ich stehe und was möglich ist. Trotzdem bin ich mit meinem Rennen zufrieden. Einzig das Ziel-S habe ich verbockt. Sonst hätte es sogar fürs Podest gereicht.

Setzen Sie bewusst vermehrt auf die technischen Disziplinen?
Ich habe diesen Winter bewusst meine technischen Qualitäten gefördert, um in allen Disziplinen möglichst weit vorne mitzufahren. Aber auch Super-G habe ich trainiert. Mein Trainerstab war der Meinung, dass das ausreicht, um auch in der Abfahrt bestehen zu können.

Sind Sie da anderer Meinung?
Ich wollte eigentlich die beiden Abfahrten in Bormio und Wengen fahren. In Bormio musste ich passen, weil ich in dieser Zeit ein ziemlich strenges Programm hatte. Aber in Wengen wollte ich unbedingt an den Start gehen. Hier sollten im zweiten Training die Ausscheidungen gefahren werden. Weil aber das Training ausfiel, musste ich über die Klinge springen. Das hat mich masslos geärgert.

Warum?
Aus meiner Sicht war das kein sportlicher Entscheid. Ich bin im ersten Training relativ verhalten gefahren, um mich an die Piste heranzutasten. Letztendlich wollte ich im zweiten Training dann Gas geben. Weil das zweite Training ausfiel, wurde aber nach den Resultaten des ersten Trainings selektioniert und ich war draussen.

Haben Sie die Aussprache mit den Trainern gesucht?
Ja. Man sagte mir, das Risiko auf der längsten Abfahrtsstrecke der Welt sei für mich einfach zu gross und man wolle mich nicht „verheizen“. Ich solle mich langsam an die Abfahrtsläufe herantasten. Das waren für mich aber fadenscheinige Argumente und ich kann diesen Entscheid immer noch nicht ganz nachvollziehen.

Die Schweizer Abfahrer haben auf ihrer Heimstrecke in Wengen eine böse Schlappe eingefahren. Spürten Sie so etwas wie Schadenfreude?
Nein. Viele Fahrer haben unglücklich gekämpft und im Falle von Didier Défago war auch viel Pech dabei. Trotzdem hoffte ich, dass nach der Schlappe am Lauberhorn die Selektions-Geschichte noch einmal aufgerollt würde. Aber leider ist diesbezüglich kein Wort mehr gefallen. Das hat mich sehr enttäuscht, vor allem weil ich genügend Punkte hätte, um in allen Weltcup-Disziplinen zu starten.

Momentan könnte die Schweizer Skination einen guten Abfahrer brauchen.
(schmunzelt) Ja, dem ist so. Aber wir haben nun mal nicht sehr viele Athleten. Unsere Spitze ist sehr klein, und wenn dann noch Verletzungspech hinzukommt wie bei Didier Cuche, wird das Kader immer schmaler. Aber Silvan Zurbriggen beispielsweise zeigt momentan, dass auch mit wenig Aufwand viel möglich ist. Er trainiert nicht viel mehr Abfahrt als ich und war in diesem Winter schon zweimal der beste Schweizer. Von daher gesehen ist vieles möglich.

Auch in den technischen Disziplinen fehlt es an Konstanz.
Spitzensport ist ein schmaler Grat. Wenn es gut läuft, fährt man obenauf und wenn es weniger gut läuft, fährst du hinterher. Das lässt sich vielfach nicht erklären. Aber es stimmt schon, gerade bei vielen jungen Athleten fehlt die Konstanz. Der Grund dafür sind unter anderem die unterschiedlichen Voraussetzungen. Wenn ein Läufer mit einer hohen Startnummer ins Rennen gehen muss, ist das eher nachteilig. Und wenn sich dann im Rennen noch ein paar Fehler einschleichen, ist man schnell weg vom Fenster.

Sowohl Zuschauer wie Medien haben eine grosse Erwartungshaltung gegenüber den Athleten und sparen nicht mit Kritik. Wie gehen Sie als junger Mensch mit dieser Meinungsmache um?
Ich habe damit überhaupt kein Problem. Wichtig ist für mich, dass ich weiss, wo und warum ich einen Fehler begangen habe. Die Meinung der Medien ist für mich zweitrangig. Und bis jetzt meinten sie es eigentlich immer recht gut mit mir (lacht).

Sie sind 21 Jahre jung und strotzen momentan vor Selbstvertrauen. Woher kommt das?
Das ist schwer zu sagen. Ich hatte schon immer klare Vorstellungen und Ziele und konnte meine persönlichen Vorgaben auch fast durchwegs erreichen. An der Junioren-WM in Serre Chevalier habe ich mir vorgenommen, in allen drei Disziplinen aufs Podest zu fahren. Viele meiner Teamkollegen und Trainer haben mich damals belächelt. Aber ich habe es geschafft. An der WM in St. Moritz hatte ich zum Ziel, mich für eine Disziplin zu qualifizieren. Auch das haben viele nicht für möglich gehalten. Trotzdem war ich dabei. Wenn man einen fixen Plan hat und von Verletzungen verschont bleibt, ist vieles möglich.

Da drängt sich die Frage auf, was Sie sich für die Weltmeisterschaft in Bormio vorgenommen haben?
Ich will in allen Disziplinen, in denen ich an den Start gehe, in die besten Zehn fahren. Dann bin ich zufrieden.

Das tönt sehr bescheiden.
Natürlich hoffe ich, möglichst weit nach vorne zu fahren. Aber wenn ich realistisch bin und die bisherigen Resultate anschaue, bin ich mit Plätzen in den Top Ten mehr als zufrieden.

In welcher Disziplin rechnen Sie sich die grössten Chancen aus?
Wenn mir die Piste liegt, rechne ich mir im Riesenslalom die grössten Chancen aus. Aber auch in der Kombination ist einiges möglich. Am meisten Spass habe ich momentan allerdings in der Abfahrt. Ich liebe das Gefühl von Tempo und Schnelligkeit.

Welchem Schweizer Fahrer trauen Sie einen Medaillenplatz zu?
Didier ist momentan sehr gut in Form. Ihm traue ich am ehesten zu, eine Medaille zu holen. Aber auch Silvan hat sowohl im Slalom wie in der Kombination eine Chance aufs Podest. Und schliesslich darf man auch mit Bruno rechnen. Wenn er einen guten Tag erwischt, ist alles möglich.

Wie wichtig ist Ihnen die Weltmeisterschaft?
Ich nehme die Rennen in Bormio nicht allzu wichtig. Natürlich ist eine Weltmeisterschaft für einen Sportler etwas Grosses. Andererseits kann ich in diesen Rennen keine Weltcup-Punkte holen und mich entsprechend in der FIS-Rangliste nicht verbessern. Das einzige, was an der Weltmeisterschaft zählt, ist ein Podestplatz. Entsprechend locker kann ich an den Start gehen, weil niemand von mir eine Medaille erwartet.

Mit Ihnen und Silvan Zurbriggen sorgen momentan zwei Oberwalliser Fahrer für die Musik im Schweizer Slalom-Team. Wie verstehen Sie sich mit Silvan?
Wir kommen miteinander klar. Silvan ist sehr ehrgeizig und hat klare Ziele vor Augen. Ich bin eher der Typ, der es zwischendurch auch mal lockerer nimmt (lacht).

Können Sie sich trotzdem gegenseitig motivieren?
Natürlich. Es ist eine Art sportliche Rivalität zwischen uns. Wenn ich vorne liege, gibt er im nächsten Rennen mehr Gas, und umgekehrt. Dadurch pushen wir uns gegen-seitig.

Obwohl Sie in diesem Winter mit guten Resultaten aufgewartet haben, hält sich der Rummel um Ihre Person bedeckt. Ist das die Ruhe vor dem (Medien-)Ansturm?
Ich geniesse es momentan sehr, dass sich der Rummel um meine Person in Grenzen hält. Das hilft mir, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren.

Sie wirken sehr ruhig und ausgeglichen. Entspricht das Ihrem Naturell, sich nicht in den Vordergrund zu drängen?
Ich bin nicht der Partylöwe, der gerne im Mittelpunkt steht. Trotzdem bin ich einer Fete nicht abgeneigt. Schon in der Schule war ich eher der unauffällige Typ. Ich habe immer alles bis auf den letzten Drücker hinausgezögert. Sehr zum Leidwesen meiner Lehrer (grinst). Eigentlich bin ich sehr faul. „Wenn i nit gat müess, tüä mi nit unbedingt chehre im Bett“ (lacht).

Wie lässt sich das mit dem Spitzensport vereinbaren?
Wenn ich mich einmal für eine Sache entschieden habe, mache ich sie hundertprozentig. Genauso verhält es sich mit dem Skifahren. Ich habe mich für den Spitzensport entschieden und werde alles daran setzen, um Erfolg zu haben.

Ihre Meinung interessiert uns!


 

 

      
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